Von Nils Schiffhauer
07. August 2006 Nur langsam bevölkert sich die Welt tragbarer Computer mit einer neuen Art, die Microsoft gerne Origami nennt, für die jedoch Chip-Hersteller Intel sein Technosprech UMPC - "Juemmpiessie" wie Ultra Mobile PC - durchzusetzen beginnt. Es handelt sich dabei um eine Art von Mini-Tablet-PC mit berührungssensibler Display-Oberfläche, die als Windows-Rechner die Lücke zwischen PDAs und Notebooks füllen wollen.
Dabei bringt die zuletzt genannte Gewichtsklasse schon heute Exemplare hervor, die gefährlich in die Nähe erster Origamis kommen, jedoch einen größeren Bildschirm, intern ein optisches Laufwerk und oft eine respektable Tastatur bieten. Samsung besetzt als erstes Unternehmen den UMPC-Markt in Deutschland. Dicht darauf folgen - eher als Exoten zu betrachten - Namen wie Founder und PBJ/Amtek.
Alle Origamis erinnern an eine Spielkonsole: Die ihnen aufgespielte Windows-Version hält links und rechts unten je einen mit den Daumen bedienbaren Viertelkreis von virtueller Tastatur bereit. Doch hat die Handschriftenerkennung von unserer via Stift hingekleckerten Handschrift verstanden, daß die Pollices sich keinen Krampf zu holen brauchen.
Beispiel Samsung Q1
Wir haben es mit dem Samsung Q1 ausprobiert, dessen Innenleben recht auf Sparsamkeit gefaltet wurde. Der Prozessor Intel Celeron M353 ULV ist mit 900 Megahertz getaktet und stützt sich auf einen vergleichsweise schmalen Hauptspeicher von 512 Megabyte. Die Grafik kann nicht mehr als die 1024 x 600 Pixel des Touchscreen von sieben Zoll Diagonale ansteuern, wobei nur bei Umschaltung auf 800 x 400 Pixel die Symbole in ablesbarer Größe erscheinen. Alles zusammen sorgt für eine gewisse Enge. Dennoch hat ein - sehr leise laufender - Lüfter ständig gegen die Abwärme des stets auf Hochtouren laufenden Prozessors anzukämpfen. Das Gerät wird dabei warm und könnte im Winter den Muff ersetzen.
Das Display ist hell und gut ablesbar, knapp 800 Gramm schmeicheln den haltenden Händen. Keine Mühe hatten wir, die lediglich 40 Gigabyte fassende Festplatte mit allerlei Filmen, elektronischen Büchern, Schachprogrammen, virtuellem Planetarium, Tonstudio, MP3-Jukebox und Notizzetteln zu füllen. Photoshop warfen wir nach einigen Versuchen jedoch wieder ab - das ging denn doch allzu gemächlich. Schade, denn wenigstens für Speicherkarten der Norm Compact Flash sperrt das Q1 ein Mäulchen auf.
Akku hält zirka zweieinhalb Stunden
Bei Normalbetrieb schließt das äußerst mobile Vergnügungszentrum nach rund zweieinhalb Stunden netzunabhängigem Betrieb. Ein dickerer und für gut 200 Euro als Zubehör angebotener Akku hingegen hält das Q1 etwa fünf Stunden auf Trab. Mit WLAN, je einmal USB und Firewire, VGA-Buchse sowie Kopfhörerausgang und internem Stereomikrofon (für Internet-Telefonie durchaus geeignet) fallen die Anschlußmöglichkeiten denkbar knapp aus. Vor allem hätte man bei diesem Minibüro schon gerne ein GSM- oder besser noch UMTS-Modem an Bord gesehen.
Samsung hat mit seinem Q1 aus dem Origami-Konzept einen frühen schönen Vogel gefaltet. Dennoch ersetzt er weder ein Notebook noch einen Hemdtaschen-PDA. Eher ist an den Zweitmobilrechner zu denken, wobei jedoch ein gewisser Mangel an Erotik des Designs und der Leistung zu vermelden wäre. Mit jeder Menge Literatur, Nachschlagewerken und Filmen haben wir auf Reisen schon unseren Spaß mit dem Q1 gehabt. Insgesamt handelt es sich beim Origami aber wohl um eine Erfindung, die noch ihre Anwendung sucht. Was zu kühnsten Hoffnungen Anlaß gäbe - einst ist es dem Rundfunk ähnlich gegangen.
Text: F.A.Z., 01.08.2006, Nr. 176 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller