Videospiele

Playstation zieht in Europa an der Xbox vorbei

Von Holger Schmidt

14. Mai 2008 Take-Two darf jubeln. Der amerikanische Spieleentwickler hat sein neues Videospiel "Grand Theft Auto IV" in der ersten Woche sechs Millionen Mal verkauft und damit 500 Millionen Dollar eingespielt - mehr, als erfolgreiche Bücher wie "Harry Potter" oder der Film "Spiderman 3" geschafft haben. Noch lauter freuen sich aber die Konsolenhersteller wie Sony. Denn die neuen Versionen der Spiele wie GTA, Metal Gear Solid und Gran Turismo, die zurzeit auf den Markt kommen, sollen die Videospieler zum Kauf ihrer neuen High-Tech-Konsolen animieren. "Diese Spiele treiben die Plattformen voran. Jetzt ernten wir die Früchte unserer Arbeit", sagte Kaz Hirai, der Chef von Sony Computer Entertainment, der Spielesparte des Unterhaltungskonzerns.

Playstation 3 musste Xbox hinterher laufen

Dessen Spielekonsole Playstation 3 war in Europa verspätet auf den Markt gebracht worden, verkauft sich jetzt aber gut. Fünf Millionen Konsolen der dritten Generation hat Sony inzwischen in Europa verkauft. Besonders wichtig für die Japaner: "Wir haben damit die Xbox 360 von Microsoft überholt", sagte Hirai. Auch die deutschen Spieler, die traditionell eher spät auf neue Konsolen umsteigen, geben der Playsation 3 inzwischen den Vorzug vor der Xbox. Darauf hat der Japaner lange warten müssen, denn Sony hat das Nachfolgemodell der erfolgreichen Konsole Playstation 2, die 42 Millionen Mal in Europa verkauft wurde, wegen technischer Schwierigkeiten erst im März 2007 in Europa an den Start gebracht.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Microsoft, das im Herbst 2005 mit dem Verkauf seiner neuen Konsolengeneration begonnen hat, schon 2,5 Millionen Geräte Vorsprung. Nun hat Sony den Markt in Europa und auch in Deutschland gedreht und will den Vorsprung gegenüber Microsoft weiter ausbauen: "Bei Amazon wurden auf eine GTA IV Version für Xbox zwei Versionen für Playstation verkauft", sagte Uwe Bassendowski, Deutschland-Chef der Sony-Spielesparte. Microsoft hätte auch die jüngste Preissenkung wenig genutzt. "Die Spiele sind entscheidend für den Konsolenverkauf. Daher hätte die Preissenkung für die Xbox 360 nur Sinn gemacht, wenn sie mit neuen Spielen gekoppelt gewesen wäre", sagte Hirai.

„Tennis spiele ich auf dem Tennisplatz“

Den Erfolg der Nintendo-Konsole Wii, die Sony und Microsoft vor allem mit Gelegenheitsspielen für breite Bevölkerungsschichten überflügelt hat, sieht Hirai gelassen. "Die Wii hat sicher einen guten Start hingelegt. Aber wir sind in einem anderen Markt unterwegs. Wir wollen zu Beginn vor allem die Hardcore-Spieler bedienen und unseren Markt erst dann auf die Gelegenheitsspieler ausdehnen", sagte Hirai. Schließlich habe eine Konsole eine Lebensdauer von zehn Jahren. Spiele wie Singstar sollen zur rechten Zeit auch für die Playstation 3 den Massenmarkt für Sony erschließen, erwartet Hirai. Von sportlicher Aktivität vor dem Fernseher, wie sie Nintendo mit seinen Spielen forciert, hält er überdies wenig: "Wenn ich unbedingt Tennis spielen möchte, warum gehe ich dann nicht auf einen Tennisplatz und spiele dort?", lautete seine rhetorische Frage.

Gelassenheit muss der Sony-Manager allerdings häufiger zeigen, als ihm lieb ist. Das geplante virtuelle Zuhause "Playstation Home", in der die Spieler in die Gestalt von Avataren schlüpfen können, musste Sony schon mehrmals verschieben - jetzt auf den Spätherbst. "Wir brauchen mehr Zeit, den Dienst zu verfeinern", sagte Hirai. Auch der Fernsehadapter Play TV hat Verspätung. "Wir müssen erst die Basis schaffen, bevor wir neue Funktionen wie Filme hinzufügen", sagte Hirai. Ob diese Funktion allerdings den Absatz merklich antreibt, wird in der Branche bezweifelt, denn die meisten Nutzer nutzen die Konsole nur für Spiele, obwohl sie meistens im Wohnzimmer aufgestellt werden. Die Strategie, aus der Spielekonsole ein Unterhaltungsgerät zu machen, ist bisher noch nicht aufgegangen. Filmen in hochauflösender Qualität lassen sich dank des eingebauten Bluray-Spielers zwar anschauen. Aber davon machen die Kunden bisher eher selten Gebrauch.

Große Hoffnung auf Online-Dienst

Große Hoffnung setzt Sony allerdings auf seinen Online-Dienst, für den sich inzwischen acht Millionen Nutzer registriert haben, um dort entweder Spiele herunterzuladen oder online gegeneinander zu spielen. Auch im Netz verlief der Start aber eher schleppend. "Die PC-Spieler sind Online-Spiele gewohnt. Die Videospieler müssen es erst lernen", sagte Hirai. Zum Beispiel haben Nutzer des Spiels Singstar inzwischen 20 000 Videos mit ihren Gesangseinlagen auf die Sony-Seite hochgeladen. Im Vergleich zu Youtube ist das bescheiden.

Die Unternehmen bauen zwar immer mehr Online-Funktionen in die Spiele für die neue Konsolengeneration ein, haben aber noch wenig Erfahrung damit. "Die Entwickler sind auf einer steilen Lernkurve", sagte Hirai. Als Geschäftsmodell sieht Hirai monatliche Abonnements für die Online-Spiele, die dann kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Auch der Werbung in den Spielen misst er eine wachsende Bedeutung bei. "Viele Spieler sind im Fernsehen kaum noch mit Werbung zu erreichen", sagte Hirai. Allerdings brauche die Branche für die Werbung in den Spielen einen langen Atem. Dank der Online-Anbindung der neuen Konsolen lassen sich in Spielen inzwischen Kampagnen wie im Internet buchen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, Hersteller

 
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