Notebook Asus S6F

Reptilleder gegen die „informationelle Kälte“

Von Nils Schiffhauer

13. Oktober 2006 Immer kleiner und leichter zu werden reicht manchen Notebooks nicht mehr. Sie hüllen sich in Lack und Leder. Nicht nur der Funktion folgende Formen machen sie zum sozialen Distinktionsmerkmal in der Kollegenwelt. Der mit handgebosseltem Leder auf Echse getrimmte S6F von Asus ist ein eher preisgünstiges Angebot mit der Kraft der zwei Herzen. Dank seines Doppelkernprozessors von Intel kann er endlich, was sonst nur Frauen nachgerühmt wird: zwei Dinge mit gleicher Intensität zur selben Zeit wegarbeiten.

Das fordert Kraft, und so läuft der S6F mit vollgetanktem Dreizellenakku lediglich knapp 90 Minuten, die der ebenfalls beiliegende und logischerweise adipöse Neunzellenakku in die Nähe von fünf Stunden schraubt. Das Breitwanddisplay mit seiner Diagonale von 11,1 Zoll ist klar, scharf, zeigt bei voll aufgedrehten Reglern einen beinahe schon augenschmerzenden Kontrast und ist kaum zum Spiegeln zu bewegen. 1366 × 768 Pixel füllen ihn. Darunter das mattpolierte Tastenfeld, das sportlich-straff abgestimmt ist und dem Schreiber einen beinahe energischen Ausdruck verleiht. Dem Zehnfingerroutinier kommt das sehr zupaß, und an die etwas kleine Leertaste gewöhnt er sich. Das Trackpad in seinem klaren Design ist leicht nach links verschoben und scheucht den Zeiger präzise über das Feld. Eine belederte Maus liegt ebenso im Karton wie eine elegante Unterarmtasche.

Reiches Innenleben

Integriert ist ein DVD-Brenner, der sogar zweilagige Silberlinge beschreibt. Gerne hätten wir noch ein GPRS/UMTS-Modem unter der Haube mit reichweitenfördernder Antenne im Deckel gesehen, doch die vorhandenen Schnittstellen wie W-Lan, Bluetooth, Lan, RJ11, VGA, dreimal USB, Firewire und die Digitalaudio-Buchse SPDIF entschädigen dafür. Erfreulich ist der Kartenleser, der vier Formate (nicht jedoch CF wie Compact Flash) beherrscht. Zusammen mit der großzügigen Festplatte von 100 Gigabyte Fassungsvermögen, dem mit 1,5 Gigahertz einigermaßen hurtig arbeitenden Prozessor sowie einem Gigabyte RAM ist dieser Reisecomputer digitalfotografisch betrachtet Dunkelkammer und Fotoalbum zugleich.

Das Sprintvermögen des Prozessors ist über eine einfache Taste in fünf Stufen anzupassen - dem anspruchsvollen Videospiel wie gemächlicher Büroarbeit mit Office & Co. Akkulaufzeit, Wärmeentwicklung und Lüfteraktivität entsprechen der Einstellung; aber selbst unter Spitzenlast bleibt der Ventilator akustisch zivilisiert. Ohne seinen Lederbezug wäre der S6F für rund 2000 Euro ganz einfach ein respektables Subnotebook weit vorne im Mittelfeld, ja beinahe aufschließend zur noch einmal fast ein Pfund weniger wiegenden Spitze.

„Wie ein Detlef-Täschchen“

Mit Leder polarisiert dieser Rechner. Mädchen und Damen gefiel er, wie nicht-repräsentative Erhebungen ergaben, fast immer auf Anhieb. „Er transformiert die informationelle Kälte in einen Wärmestrom; Ernst Bloch, Sie wissen schon“, flötete eine Soziologiestudentin.

Männern und echten Kerlen war das Dingchen unheimlich. „Wie ein Detlef-Täschchen“: Dem Stahlkocher schrumpfte das Computerchen in der Pratze, optisch wenigstens. In beiden Lagern wurde das Eigentliche übersehen: daß Leder ganz einfach schöner altert als befingertes Carbon oder Magnesium.

Bezugsquellenhinweise: www.asus.de



Text: F.A.Z., 10.10.2006, Nr. 235 / Seite T2
Bildmaterial: Asus, Hersteller

 
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