Internetrecherche

Schneller informiert als je zuvor

Von Michael Spehr

Eine Art Outlook für das Internet: das RSS-Programm Feed Demon

Eine Art Outlook für das Internet: das RSS-Programm Feed Demon

05. April 2005 Jeden Tag im Internet recherchieren, immer wieder die gleichen Seiten aufrufen, Neuheiten suchen und dabei die stets gleichen Werbebanner ertragen: Ist man oft im Netz unterwegs, sind seine Nachteile offenkundig. Die Informationen sind breit gestreut. Wer sich nur auf die großen Hauptseiten und Nachrichtenportale verläßt, übersieht manches Detail. Eine Nachrichtenzentrale gibt es nicht. Indes kann man mit pfiffiger Software immer wiederkehrende Arbeitsschritte automatisch ausführen.

Viele Routinetätigkeiten erleichtert ein RSS-Reader. RSS heißt "Really Simple Syndication" und ist ein seit vielen Jahren bestehendes Internetprotokoll. Man kann es sich wie eine besonders schlanke Variante der gewohnten WWW-Seiten vorstellen: kein Ballast, kaum Grafiken, keine Werbung. Alle wichtigen Internetseiten sind auch in einer RSS-Variante abrufbar. Man braucht dazu nur ein besonderes Leseprogramm und möglichst einen DSL-Anschluß. Dann zeigt die Software neue Internetbeiträge - beispielsweise auf den großen Nachrichten-Portalen - wie eine E-Mail-Liste. Untereinander sind ordentlich die aktuellen Themen mit ihrer Schlagzeile aufgeführt. Man muß nicht lange "surfen", sondern sieht sofort die Neuheiten wie die Betreffzeilen der E-Mail. Interessiert das Thema, klickt man auf die Zeile, und schon erscheint der Originalartikel aus dem Netz. Das alles sieht so aus, als hätte man das WWW in seinem Outlook-Postkorb, und im täglichen Umgang funktioniert RSS viel schneller als das übliche Klicken durch die WWW-Seiten.

Wir haben einige RSS-Programme ausprobiert. Sehr mächtig ist die Awasu Personal Edition 2.1, die es auf www.awasu.com gibt. Die englische Software kann man unentgeltlich ausprobieren, sie kostet als Advanced-Variante 25 Dollar. Der kostenlose Sharp Reader von Luke Huttemann (www.sharpreader.net) benötigt die Net-Erweiterung von Microsoft, die gegebenenfalls automatisch mit installiert wird. Das Programm beschränkt sich auf wesentliche Funktionen und ist für Einsteiger gut geeignet. Shrook ist ein News-Sammler für den Macintosh und kostet 25 Dollar (www.fondantfancies.com/shrook/). Er funktioniert sogar mit dem Musikspieler iPod.

Am besten hat uns der FeedDemon von Nick Bradbury gefallen (www.bradsoft.com). Die Windows-Software läßt sich als 20-Tage-Probeversion gratis aus dem Netz laden und hat eine deutsche Bedienoberfläche. Viel einrichten muß man nicht. Etliche amerikanische Nachrichtenkanäle sind von Anfang an abrufbar. Um deutsche Seiten hinzuzufügen, wechselt man im rechten Browser-Fenster auf die Seite www.rss-verzeichnis.de und sucht hier beispielsweise die RSS-Adresse dieser Zeitung. Auf der linken Seite des FeedDemon sind alle Kanäle ("Channel") aufgeführt. In der Mitte stehen die neuen Inhalte als E-Mail-Liste, rechts sieht man den Originalbeitrag. So ist man schnell und umfassend informiert. RSS beschränkt sich nicht nur auf die großen Medien-Seiten. Auch Teltarif, der Heise-Verlag mit seinen PC-Zeitschriften oder die "Computerwoche" sind auf diese Weise zu erreichen. Hat man einige Kanäle eingerichtet, ist FeedDemon mit seiner übersichtlichen Darstellung die perfekte persönliche Nachrichtenzentrale.

Wer die Basisfunktionen ausprobiert hat, sollte einen Blick auf die "Beobachter" ("Watches") werfen, die unter den "Kanälen" zu finden sind. Sie durchsuchen selbsttätig alle neu hereinkommenden Nachrichten nach bestimmten Schlüsselbegriffen und bilden mit den Fundstücken einen eigenen Kanal. Wer sich für Leichtathletik interessiert, kann einen passenden Beobachter einrichten und erhält auf diese Weise eine Liste aller Nachrichten mit "Leichtathletik" in der Überschrift oder im Text. Mit den Beobachtern läßt sich also eine persönliche Internetzeitung zusammenstellen. Sie besteht nur aus denjenigen Artikeln, die einen interessieren. Wir haben schnell zehn dieser Helfer eingerichtet, und siehe da: Plötzlich stoßen wir auf Nachrichten, die gewiß beim herkömmlichen Surfen übersehen worden wären. Sogar "Blogs" lassen sich als Nachrichtenquelle einbinden. "Blogs" sind private Internettagebücher.

Informationen, die man im FeedDemon behalten möchte, werden unter den "Beobachtern" in einem Archiv ("News Bin") gespeichert. Das ist eine Ablage, in die man einzelne Beiträge mit der Maus hineinzieht. Doch Vorsicht: Die Software speichert nicht den Text oder die Internetseite, sondern nur die Adresse im Netz. Wenn der Seitenbetreiber seinen Artikel verschwinden läßt, ist er auch in der amerikanischen Software nicht mehr zu sehen.

Für kleine Suchaufträge hat der FeedDemon eine simple Suchfunktion. Man kann sogar in der Ergebnisliste abermals suchen, um die Treffer weiter einzugrenzen. Überhaupt gibt es viele Details, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt. Etwa das individuelle Einrichten von Fenstern und Spalten oder die Möglichkeiten, mit wenigen Mausklicks seinen alten Datenbestand automatisch aufräumen zu lassen. Ist die private Informationszentrale einmal eingerichtet, will man den Komfort dieser Software nicht mehr missen. Mit vielen Optionen und Suchhilfen stellt man sich sein privates Angebot individuell zusammen. Von den großen Portalseiten verpaßt man nichts mehr, und dank der Blog-Auswertung stößt man sogar auf manche kleinere Seite, die man sonst nicht gefunden hätte. Ferner sieht man, wie sich einzelne Nachrichten durchs Netz bewegen, beispielsweise zuerst auf einer amerikanischen Seite stehen und dann von deutschen Anbietern übernommen werden. Wer intensiv im Internet recherchiert, sollte sich diese Software unbedingt ansehen.

Text: F.A.Z., 29.03.2005, Nr. 72 / Seite T2
Bildmaterial:

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