Von Michael Spehr
21. August 2007 Ein neues Notebook soll ins Haus. Für den Kauf gibt es mehrere Möglichkeiten. Erstens: Man begebe sich ins Technikkaufhaus seiner Wahl, staune über die breite Palette der dort ausgestellten Modelle und nehme eines der vorhandenen Geräte, das wahlweise als besonders schnell oder besonders günstig angepriesen wird. Vielleicht ist es aber auch das schönste Notebook.
Zweitens: Man wälze Fachzeitschriften und Berichte im Internet, ermittle auf diese Weise sein Wunschgerät, fahnde anschließend nach dem besten Preis und bestelle dort. Wir würden einen dritten Weg empfehlen: Zunächst sich darüber klar werden, was das neue Notebook können soll, wofür es in erster Linie gedacht ist. Dann zu einem Fachhändler des Vertrauens gehen, sich beraten lassen und mehrere Modelle ausgiebig inspizieren. Schließlich die Kandidaten der engeren Wahl nach Hause nehmen und dort prüfen.
Unter 2500 Euro nur Kompromisse
Welches Notebook darf es sein? Ein Ersatz für den Desktop-PC mit großem Display und hoher Rechenleistung? Oder lieber ein besonders leichtes Gerät, das flink in der Aktentasche verstaut ist und das Reisegepäck nicht über Gebühr belastet? Sowohl die besonders schnellen wie auch die äußerst kleinen und leichten Modelle sind die teuersten Kandidaten auf dem Markt. Hier muss man mit 2500 Euro und mehr rechnen. Im Mittelfeld macht man so oder so Kompromisse: bei der Rechen- und Akkuleistung, der Display-Auflösung und -Qualität, dem Gewicht oder dem Preis.
Es kommt also auf die persönlichen Anforderungen an. Wer unterwegs riesige Excel-Tabellen bearbeiten will, achtet auf eine Anzeige im Breitbildformat und einen schnellen Prozessor. Ist nur eine bessere Schreibmaschine für gelegentliche Bahnfahrten gefragt, liegt das Augenmerk auf Tastatur, Akku-Leistung und Gewicht. In diesem Sinne kann auch ein Kompromiss die Lösung der Wahl sein.
Schlechte Noten im Service
Jedes zweite Notebook muss in den ersten drei Jahren in die Werkstatt. Es wird ja häufig bewegt und ist deutlich reparaturanfälliger als ein Desktop-PC. Wie sieht es mit dem Service aus? Zwar sind Prozessor, Festplatte und Arbeitsspeicher in der Regel Standardbauteile, also mehr oder weniger einfach zu wechseln. Bei allen anderen Komponenten hingegen ist man auf die Garantieleistungen des Herstellers und sein Warenlager angewiesen. Wenn beispielsweise das meist im Scharnier verstaute Flachbandkabel zwischen Grafikkarte und Display reißt, benötigt man exakt passenden Ersatz. Wir würden also zu einem Markengerät von einem renommierten Unternehmen greifen.
Es gibt einen Vor-Ort-Reparaturservice? Prima. Eine Verlängerung der Gewährleistung auf drei Jahre lässt sich dazu buchen? Ebenfalls gut. Der Hersteller ist telefonisch über eine Festnetz- und nicht über eine teure Sonderrufnummer erreichbar? Super. Die besten Ergebnisse bei Kundenbefragungen (etwa der Fachzeitschrift c't) erzielen regelmäßig die Unternehmen IBM/Lenovo, Dell, Samsung und Apple. Besonders schlecht schneiden hinsichtlich Service und Support Acer, Asus, Sony und Toshiba ab.
Unbrauchbar spiegelnde Displays
Einige Rahmendaten zur technischen Ausstattung sollte man bei seiner anfänglichen Recherche und vor dem Besuch eines Fachhändlers parat halten. Ein Zweikern-Prozessor (Duo Core) mit geringer Wärmeentwicklung und moderatem Stromverbrauch ist mittlerweile fast überall selbstverständlich. Für Mobilgeräte kommt häufig die Low Voltage-Version zum Einsatz. Schon mit der geringen Taktfrequenz von zweimal 1,66 Gigahertz läuft Bürosoftware prima. Die ganz neue Centrino-Pro-Generation von Intel (Santa Rosa) ist hingegen kein entscheidender Kaufgrund. Ein Gigabyte Speicher reicht für Windows XP allemal, bei neueren Notebooks mit Vista kann man über zwei Gigabyte nachdenken (oder doch lieber XP nehmen).
Als untere Grenze bei der Bildschirmauflösung gelten 1024 × 768 Pixel. Damit lässt sich ein Word-Text kommod eingeben. Aber wenn man dann mit Outlook Web Access auf die E-Mail im Büro zugreifen oder größere Excel-Tabellen bearbeiten will, wünscht man sich doch ein bisschen mehr. 1280 × 800 Pixel im 16:10-Format sind ein guter Standard, bei leistungsstarken Boliden wie dem Thinkpad Z61p von Lenovo sind es sogar 1920 × 1200 Pixel. Leider setzen viele Hersteller sogenannte Glare-Panels ein, die stark spiegeln und im Außeneinsatz nahezu unbrauchbar sind. Wer mit seinem Notebook ordentlich arbeiten will, braucht ein mattes Display mit geringen Reflexionen.
In aller Ruhe die Bedienung testen
Und damit sind wir schon gleich beim entscheidenden Schritt unserer Kaufberatung: Die Wunschkandidaten in aller Ruhe selbst prüfen. Beim Bildschirm sollte man drei Parameter in gewohnter Umgebung inspizieren: die Helligkeit, die gleichmäßige Ausleuchtung (auf die Ecken und das untere Bilddrittel achten) sowie den Blickwinkel. Je weiter man das Display ohne Farbverfälschungen vertikal drehen kann, desto besser. Dann ist die Tastatur an der Reihe. Wie breit ist die Leertaste, wie gut sind die einzelnen Drücker verarbeitet? Verkanten einige Tasten, gibt es Klackgeräusche? Ist das gewohnte Layout vorhanden, oder liegen Tasten an ungewohnten Stellen? Wie schnell kann man die Einstellungen für Helligkeit und Lautstärke aufrufen?
Auch das Touchpad sollte kritisch probiert werden. Viele Modelle von Lenovo oder Dell haben zusätzlich einen Trackpoint, mit dem mancher Kunde besser zurechtkommt. Einige Notebook-Nutzer können sich mit beiden Techniken gar nicht anfreunden und wollen ihre gewohnte externe Maus. Dann ist es hilfreich, wenn sich Touchpad und Trackpoint deaktivieren lassen oder noch besser: automatisch ausschalten. Andernfalls kann es zu kuriosen Effekten kommen.
Notwendige Schnittstellen
Notebooks lassen sich kaum aufrüsten. Mit möglichst vielen Schnittstellen ist man also gut gerüstet. Dreimal USB ist unumgänglich und DVI für den Anschluss eines externen Monitors. Modem, Netzwerk und ein Speicherkarten-Leser gehören ebenfalls dazu. Dass das Notebook ferner Wireless-Lan eingebaut hat, ist selbstverständlich, die gängigen Standards 802.11a,b und g sollten dabei sein.
Auch die Anordnung der Schnittstellen ist wichtig. Kann man den USB-Stick schnell einstöpseln oder muss man dazu an der Rückseite des Geräts fummeln? Bluetooth ist ein schönes Extra, aber kein Muss. Das gilt auch für Firewire. Ein PC-Card-Schacht kann eine UMTS-Modemkarte für den flinken Internetzugang unterwegs aufnehmen. Aktuelle Notebooks haben zusätzlich oder in einem gemeinsamen Schacht den moderneren Express-Card-Slot. Wer bereits eine UMTS-Karte hat, sollte die Kompatibilität prüfen.
Beschönigte Akkus und Geräusche
Schließlich Größe, Gewicht und Akku-Laufzeit: Hier sollte man sich keine Illusionen machen. Drei Kilogramm, das hört sich nach nicht viel an. Aber wenn man solche Boliden längere Zeit am Flughafen transportiert, wird aus dem Laptop unversehens ein schwerer Schlepptop. Leichte Subnotebooks wiegen etwas mehr als 1 Kilogramm, und den Unterschied merkt man sofort. Die Angaben der Hersteller zur Akku-Laufzeit sollte man nicht für bare Münze nehmen. Nach drei, vier Stunden ist in der Regel der Kraftspender leer, bei besonders kleinen und leichten Geräten noch eher. So empfiehlt es sich, gleich die Kosten für einen zweiten Akku dazuzurechnen, wenn Mobilität jenseits der Steckdose gefragt ist.
Auch beim Thema Geräuschentwicklung gibt es kaum verlässliche Informationen von Anbietern und Verkäufern. Also lieber den eigenen Ohren vertrauen, aber nicht im Ladengeschäft mit Hintergrundgeräuschen. Wer Vista einsetzt, muss deutlich mehr Festplattenzugriffe und damit stärkere Lüfteraktivität in Kauf nehmen. Windows XP ist in diesem Sinne die bessere Wahl.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.08.2007, Nr. 33 / Seite V10
Bildmaterial: AFP, AP, dpa