Von Michael Spehr
19. Juni 2008 Dass alle Server zusammenbrachen, darf als schöner Erfolg gewertet werden. Seit Dienstagabend lässt sich der Firefox in der neuen Version 3 von der Seite www.mozilla.org und im FAZ.NET-Software-Portal kostenlos laden, und der Andrang am Download Day spricht für sich. In Europa ist der Firefox für jeden dritten Surfer das Fenster zum Internet, Tendenz steigend. Tausende von Programmierern, Sicherheitsexperten und Testern stecken hinter dem ambitionierten Projekt der gemeinnützigen Stiftung Mozilla Organization. Von ihnen wurde die Software unentgeltlich mit viel Zeit, Energie und Liebe zum Detail entwickelt. Firefox ist Open Source, jeder kann den Programmcode einsehen.
Nach unserer Einschätzung ist Firefox 3 der beste derzeit Web-Browser für Windows, Linux und Mac OS X. Wir hatten bislang die letzten Beta-Versionen wochenlang im Einsatz, wir haben den Firefox auf dem PC (unter Vista und XP) mit dem Internet Explorer verglichen und auf dem Mac zusätzlich Safari ausprobiert. In Sachen Funktionalität, Geschwindigkeit, Stabilität und Sicherheit erscheint Firefox 3 als Browser der Wahl, zudem flink zu installieren und einfach in der Bedienung. Man kann sich nur wundern, was eine Heerschar von Freiwilligen hier auf die Beine gestellt hat und sollte höchsten Respekt zollen.
Viele Vorzüge und Verbesserungen
Ein kleiner Rundgang zeigt die vielen Vorzüge und Verbesserungen. Mit der Eingabe einer Internetadresse sieht man gleich den ersten Pluspunkt: Firefox prüft, ob die Adresse oder Teile von ihr in bereits besuchten Internetseiten auftreten und bietet entsprechende Vorschläge in einem Drop-Down-Menü an. Ist die Seite aufgerufen, kann man mit einem Mausklick auf das Sternchen am rechten Rand der Adressleiste ein Lesezeichen setzen. Ein zweiter Klick auf den Stern erlaubt es, zusätzliche Schlagworte für das Lesezeichen einzugeben, nach denen sich wiederum die Lesezeichen gruppieren lassen. Ferner kann man Suchanfragen speichern, sie werden dynamisch und fortwährend aktualisiert. Die Lesezeichenverwaltung und die Chronik der besuchten Seiten sind nun in einem Modul zusammengefasst und als Datenbank gespeichert. Neu ist oben links der Tabulator mit den meistbesuchten Adressen.
Mit den Tastenkombinationen STRG + und STRG - konnte man schon bisher den Bildschirm-Zoom aufrufen. Eine große Hilfe für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Neu ist, dass auch die Bilder skaliert werden, womit in kleiner Darstellung eine gute Übersicht der gesamten Seite entsteht. Wer aus einer Internetseite Text kopieren will, kennt das Problem: das Markieren mit der Maus schließt Kästen und Werbung mit ein. Das alles geht nun einfacher: Die STRG-Taste gedrückt halten, und schon lässt sich zu dem bereits markierten Textbereich ein weiterer hinzufügen.
Im Download-Manager zum Laden von Dateien aus dem Netz gibt es mit Version 3 eine Suchfunktion, und man kann einzelne Ladevorgänge pausieren. Mit der rechten Maustaste lässt sich ein Kontextmenü zu jedem Eintrag öffnen. Zur Download-Seite gehen ruft die Webseite auf, von der man den Ladevorgang gestartet hat.
Warnmeldung noch vor dem Öffnen der Seite
Eine der wichtigsten Verbesserungen in Sachen Sicherheit kann man beispielsweise bei der Startseite für das Homebanking sehen. Links vor der Adressleiste verfärbt sich das Favicon, das Mini-Symbol der Internetseite, wenn eine Seitenidentifikation vorhanden ist. Ist der Bereich grau hinterlegt, liegen keine Sicherheitsinformationen vor. Blau bedeutet, dass beispielsweise der Seitenbetreiber ein Zertifikat vorweisen kann. Wenn der vordere Bereich grün hinterlegt ist, liegen alle Sicherheitsinformationen vor. Diese kann man sich dann mit einem weiteren Mausklick ansehen. Ferner zeigt Firefox, wie häufig diese Seite bereits besucht wurde, ob sie Cookie-Daten anlegt, welche RSS-Feeds parat stehen und wie man auf dieser Seite mit Pop-up-Fenstern oder Grafiken umgehen will. Man ist verblüfft, was mancher Seitenbetreiber aus anderen Quellen nachlädt.
Um Angriffe aus dem Internet abzuwehren und das Einschleusen von Schadsoftware oder Phishing zu verhindern, gibt Firefox 3 gegebenenfalls eine Warnmeldung noch vor dem Öffnen der Seite aus. Dabei wird auf Googles Safe Browsing zurückgegriffen, ein Verfahren, das mit schwarzen Listen verdächtiger Seiten arbeitet. Unter Vista wird auch die Kindersicherung des Betriebssystems unterstützt.
Schneller als sein Vorgänger
Eine der Stärken des alten Firefox war die große Zahl von Erweiterungen (Add-ons), die alle nur denkbaren Zusatzfunktionen übernehmen. Nicht jeder dieser kleinen Helfer ist allerdings mit Firefox 3 kompatibel. Eine neue Add-on-Verwaltung schafft mehr Übersicht. Einzelne Tools lassen sich mit einem Mausklick entfernen, und sie werden sogar automatisch deaktiviert, wenn sie eine Sicherheitslücke enthalten. Zwei Add-ons können wir besonders empfehlen: No Script von Giorgio Maone unterbindet das Ausführen von Javascript, Java, lästigen Flash-Animationen und gefährlichem Cross-Site-Scripting ohne nennenswerte Komforteinbußen. Dieses Programm sollte man unbedingt verwenden. Es zeigt am unteren rechten Bildschirmrand, dass und welche Inhalte gerade blockiert werden, und man kann vertrauenswürdige Seiten entweder vorübergehend oder permanent in eine Positivliste aufnehmen.
Das zweite empfehlenswerte Add-on ist IE Tab. Es erlaubt, die Browser-Engine des Microsoft Internet Explorer in Firefox zu nutzen. Wofür braucht man das? Etwa zum Aufruf von Windows Update oder beim Arbeiten mit Outlook Web Access, also der E-Mail auf dem Büroserver von unterwegs aus. Da dieses Tool den Internet Explorer direkt einbindet, funktioniert es leider nicht unter Mac OS X.
Alles in allem hat sich das Warten auf den Firefox 3 gelohnt. Er ist schneller als sein Vorgänger, arbeitet ausgesprochen zuverlässig, benötigt weniger Speicher und bietet ein Plus an Sicherheit. Firefox 3 sollte der Standard-Browser auf jedem PC werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Firefox