07. Juni 2006 Google ist mächtig. Google überwacht, speichert und zensiert. Google ist mehr als nur eine Internet-Suchmaschine. Google ist die revolutionärste Erfindung seit Gutenbergs Buchdruck, sagt David A. Vise, Autor des Buchs Die Google Story. Weil der amerikanische Internetgigant das Verhalten von Milliarden Menschen verändert hat, was den Zugang zu Informationen betrifft. Mittlerweile beantwortet Google achtzig Prozent aller Suchanfragen im Netz. Und entscheidet dabei allein, welche Internetseite in der Ergebnisliste ganz oben steht.
Gleichzeitig ist Google ein gut gehütetes und streng bewachtes Geheimnis. Der Konzern mit Hauptsitz in Kalifornien schottet sich ab wie ein Hochsicherheitslabor. Es werden kaum Interviews gegeben, Filmaufnahmen auf dem firmeneigenen Gelände sind streng verboten. Jene Bilder, die nach außen dringen, wählt die Presseabteilung aus. Die Fotos zeigen gutgelaunte Menschen, die in bunten Büros sitzen oder sich in der Mittagspause beim Tischfußball vergnügen.
Ein eindrucksvoller Film
In einem Zapp-Spezial mit dem Titel Google - die Macht einer Suchmaschine versucht nun der NDR dem Internet-Riesen auf die Spur zu kommen und sein Koordinatensystem der Macht zu entschlüsseln. Was folgt daraus, daß Google im Geschäft mit Informationen den Markt beherrscht? Welche Konsequenzen hat der kostenlose E-Mail-Service für den User? Was kann dem passieren, der Google den Zugriff auf seine gesamte Festplatte erlaubt?
Julia Salden hat einen eindrucksvollen Film über die Macht im Internet gedreht. Sie läßt viele Stimmen zu Wort kommen, die das Phänomen Google einordnen und hinterfragen und auf diese Weise ein vielschichtiges Bild zeichnen. Man erfährt, daß das Unternehmen sein Projekt einer Online-Bibliothek mit großen Schritten vorantreibt und schon zahlreiche Verträge mit amerikanischen Universitäten geschlossen hat. In sechs Jahren sollen fünfzehn Millionen Bücher digitalisiert sein - jederzeit und überall abrufbar. Da die Fäden von Amerika aus gezogen würden, bestehe die Gefahr einer kulturellen Verarmung, befürchtet der Journalist Ulrich Wickert.
Tu nichts Böses
Ganz nebenbei ist Google - die Macht einer Suchmaschine auch eine Art Erste-Hilfe-Führer durch das World Wide Web. Man sieht einer Studentin dabei zu, wie sie Zugtickets bucht, wie sie eine Reise nach San Francisco plant und sich mit Google Earth Haus und Pool ihrer Tante im fernen Santa Monica auf den Bildschirm zaubert. Jeder, der mit Hilfe von Google etwas sucht oder eine E-Mail schreibt, muß wissen, daß sämtliche Daten gespeichert und auch zurückverfolgt werden können, sagt Vise.
Don't be evil - tu nichts Böses, lautet das Motto von Google. In letzter Zeit jedoch ist der Konzern wegen seines Auftretens in China heftig kritisiert worden. Denn der Internetdienstleister, der sein Geld mit Informationen verdient, beugt sich der scharfen Zensur im Land. Gegenüber dem NDR und Julia Salden wollte der Konzern jedoch keine Stellung beziehen. Google schweigt.
Am heutigen Mittwoch um 23 Uhr im NDR-Fernsehen.
Text: F.A.Z., 07.06.2006, Nr. 130 / Seite 40
Bildmaterial: AP