Von Friedhelm Weidelich
11. April 2007 Kann ein neuer PC Glücksgefühle erzeugen? Gewöhnlich nicht, denn es dauert ein oder zwei Tage, bis der Windows-PC endlich arbeitsbereit ist. Wenn das Betriebssystem endlich läuft, geht die Suche nach der Originalsoftware und ihren Freischaltcodes los. Dann müssen heruntergeladene Programme gesucht und installiert werden, oft auch die Zugangsdaten für Internet und E-Mail. Anschließend die Treiber für Drucker und andere Peripherie - um anschließend Stunden mit inkompatiblen Treiberversionen und anderem Windows-Ärger zu verbringen.
Wir haben über drei Jahre lang parallel zum PC ein iBook von Apple benutzt und schnell gelernt, dass das Betriebssystem OS X von Apple stabiler ist als unser Windows. Beim weißen iBook kam es sehr selten zu Abstürzen, und wenn doch, war die letzte Datei zwischengespeichert. Dreimal mussten wir in den Jahren den Akku entfernen, als der Rechner nicht mehr reagieren wollte. Doch das war wenig im Vergleich zum Windows-PC, der sich in letzter Zeit mehrmals täglich nach einer Eingabe, etwa bei der Buchhaltung, plötzlich ausschaltete. Und das trotz bester Antiviren-Software und Firewall.
Der Apple war einfacher und intuitiver zu bedienen, weniger Mausklicks führten schneller zum Ziel. Digitalkameras jeder Art übermittelten ihre Fotos ohne Treiberinstallation, sogar der Drucker funktionierte auf Anhieb mit der USB-Schnittstelle. Beim Schreiben reichte der Akku bis zu vier Stunden.
Exakt das milde Chaos des alten Rechners
Wir zögerten nicht lange, als Apple das MacBook Pro ankündigte mit Intel-Prozessor und der Möglichkeit, bei Bedarf auch Windows XP installieren zu können. Noch gibt es nicht so viel Software, die auf einem Mac läuft, da wollten wir ein Hintertürchen für besondere Fälle. Gebraucht haben wir es in drei Monaten nicht.
Ein Glücksgefühl stellte sich bei dem neuen Notebook mit einem hochglänzenden 15-Zoll-Bildschirm schon beim Auspacken ein, denn das graue Metallgehäuse ist elegant in Styroporschalen aus Designerhand verpackt. Die spärliche Betriebsanleitung reicht für den Start, und der ist fulminant. Zum Glück hatten wir ein Firewire-Kabel des Datensicherungslaufwerks zur Hand, um das iBook mit dem MacBook Pro zu verbinden.
Nach dem Einschalten des alten Rechners wird eine beliebige Taste gedrückt. Das neue Notebook fragt, was man übernehmen möchte. Wir wählten alles und hatten 50 Minuten später 30 Gigabyte Fotos, Layouts, Programme und Voreinstellungen auf dem neuen Mac. Sogar der Startbildschirm, Schreibtisch genannt, zeigte exakt das milde Chaos des alten Rechners. Alles war am selben Platz, wir konnten sofort wie gewohnt weiterarbeiten.
Getippte Buchstaben mit Verzögerung
Leider hatten wir übersehen, dass der alte Benutzer des Rechners einen neuen Namen bekommen sollte, sonst wäre der Zugriff auf die Daten durch einen neuen Nutzer etwas umständlich geworden. Das erneute Überspielen aller Daten und Programme fiel uns zwar erst nach einigem Probieren und einem Blick in ein Handbuch ein, doch dann war auch diese Hürde durch neues Überspielen in knapp einer Stunde gemeistert.
Word hatte sich als Textprogramm auf dem alten Mac als sehr langsam erwiesen. Getippte Buchstaben erschienen nur mit Verzögerung auf dem Bildschirm. Weil wir trotz kleiner Unvereinbarkeiten bei Winword-Texten (Endung .doc) schon lange mit dem kostenlosen Open Office auf dem PC arbeiteten, wollten wir dieses Programmpaket auf dem Mac verwenden. Mit Hilfe aus dem Internet fanden wir das Zusatzprogramm X11 auf der Betriebssystem-CD, das bisher vor Open Office zu installieren war. Beide Pakete arbeiteten zusammen, starteten aber langsam.
Mac-Benutzer sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Es dauerte keine halbe Stunde, bis unsere Frage nach besseren Programmen in einem Business-Netzwerk beantwortet und NeoOffice installiert war. Diese Version von Open Office kommt ohne X11 aus und muss nur noch mit dem deutschen Sprachmodul aus dem Internet ergänzt werden - auch das eine Sache von Minuten. Leider mussten unsere Brief- und Rechnungsbögen neu aufgebaut werden, weil weder Winword noch Open Office auf dem Mac die DOC-Dokumente vollständig anzeigten.
Es fehlt eine leistungsfähige Spracherkennung
Den Internetzugang hatten wir mit Leichtigkeit eingerichtet. Das Ethernet-Kabel zum DSL-Modem, das wir zu Hause dem serienmäßig im MacBook eingebauten W-Lan-Funk vorziehen, steckt aber ausgerechnet rechts im dünnen Gehäuse, wo wir Platz für die Maus benötigen. Zwar ist das Touchpad durchaus in Ordnung, doch mit der Maus gelingen Bewegungen und Befehle in einem Fünftel der Zeit, die beim Anpeilen per Touchpad vor der angenehm weichen, aber mit definiertem Druckpunkt versehenen Tastatur verstreicht. Diese wird sensorgesteuert stufenlos beleuchtet.
Wir hatten uns am PC an den Browser Firefox gewöhnt und ihn auch auf dem Mac installiert. Die Lesezeichen ließen sich leicht ex- und importieren. Nur die persönliche Ordnerleiste wollte sich nicht auf Anhieb darstellen, was aber kein Problem ist, zumal sich viele Links angesammelt haben, die wir nicht mehr benutzten.
Die Arbeit im Internet ist nicht anders als auf dem PC. Hier und da gibt es ein paar kleine Kompatibilitätsprobleme, zugegeben. Auch fehlt dem Mac eine leistungsfähige Spracherkennung wie etwa Dragon Naturally Speaking für Windows. Beim Mail-Programm haben wir uns vom Thunderbird verabschiedet, weil die E-Mail-Konten im Apple-System einfacher einzugeben waren. Wahrscheinlich hätten wir sie auch vom PC importieren können. Wir sind froh, dass der Umstieg so weit gelungen ist.
Auswahl ist viel kleiner als beim PC
Sogar die Buchhaltung funktioniert. MonKey Bilanz ersetzt den Lexware-Buchhalter, der uns mit Fehlern, überteuerten Updates, unfreundlichem Service und plötzlichem Ausfall des Elster-Moduls nach 15 Monaten genervt hatte. Entgegen allen Vorurteilen gibt es also doch allerhand Software für den Mac, auch wenn die Auswahl viel kleiner ist als beim PC. Doch viele der Optimierungs- und Zusatzprogramme aus der Windows-Welt brauchen Apple-Rechner sowieso nicht.
Viele nützliche Programme sind bereits installiert: Das Angebot reicht von einem Büroarbeitspaket über Bildbearbeitungsprogramme bis zu dem englischsprachigen Outliner, mit dem sich Dokumente sammeln und thematisch bündeln lassen. Witzig ist Photo Booth, das die winzige Kamera über dem Bildschirm für Porträts nutzt, die grotesk verzerrt werden können. Bei Lichtmangel leuchtet der Bildschirm wie ein Blitzlicht auf. Großartig ist das Kompositionspaket Garage Band, mit dem per Tastatur und Mikrofon zahllose Instrumente, Geräuscheffekte und Stimmen aufgenommen werden, um Hits in CD-Qualität zu fabrizieren.
Weil nur etwa sechs Prozent der Internetnutzer einen Mac verwenden, sind Viren und Trojaner selten. Das Betriebssystem, schreiben Insider, blockiert von vornherein zahlreiche unerwünschte Zugriffe. Vorsichtshalber haben wir das vom Händler mitgelieferte VirusBarrier installiert.
Dafür bezahlen wir gern ein wenig mehr
Die rund 2000 Euro teure Hardware überzeugt. Der glänzende Bildschirm mit einer Auflösung von 1440 × 900 Pixeln ist brillanter, farbstärker und heller als jeder Bildschirm, den wir zuvor hatten. Der Akku reicht drei bis vier Stunden. Bluetooth, Wireless-Lan und Fernbedienung für Präsentationen sind serienmäßig, ebenso eine DVI-Schnittstelle für hochauflösende Fernsehgeräte.
Die Lautsprecher sind erträglich im Klang und nicht so krächzend wie beim iBook. Etwas laut erscheint das DVD-Laufwerk, das auch als DVD-Brenner dient. Die sporadischen Zugriffe auf die Festplatte sind leicht mit Magengluckern zu verwechseln. Der stufenlose Lüfter für den 2,16-Gigahertz-Prozessor rauscht nur bei hoher Belastung, etwa bei der Bildbearbeitung.
Besonders pfiffig ist der Stecker für die externe Stromzufuhr: Er leuchtet bei vollem Akku grün und ist mit Magnetkraft angekoppelt. Stolpert man über das Netzkabel, reißt es ab. Das Notebook, das bei heftigen Bewegungen die Festplatte sofort abschaltet, um Beschädigungen zu vermeiden, bleibt auf dem Tisch. Wir waren Apple schon einige Male dankbar für so viel Praxisnähe. Und vom nächsten Mac, den wir in drei, vier Jahren kaufen werden, wissen wir: Zwei Stunden Datenübertragung für gut 100 Gigabyte werden genügen. Und dann arbeiten wir wie gewohnt, nur ein bisschen schneller, auf dem neuen Mac weiter, während die anderen noch über ihrem neuen PC verzweifeln. Dafür bezahlen wir gern ein wenig mehr.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: Doug Rosa, Hersteller, Johansen Krause, Weidelich