Tech-Talk

Das Recht auf die Privatkopie

Von Michael Spehr

14. November 2006 Die EU geht weiterhin gegen die hohen Roaming-Kosten für die Nutzung des Handys im Ausland vor. Das ist die gute Nachricht der vergangenen Woche. Die zuständige Kommissarin Viviane Reding bleibt in dieser Sache hartnäckig. Unter der Last der Gebühren litten die Verbraucher und damit auch ganz Europa. Über die Bürgernähe der europäischen Regierung kann man sich fast schon wundern.

In anderen wichtigen Bereichen ist der Verbraucher nämlich den Politikern und Bürokraten in Brüssel schnurzpiepegal. Geht es um die Themen Kopierschutz und Urheberrecht, wird unkritisch umgesetzt, was die Lobbyisten der Unterhaltungsindustrie vorbeten. Und das bedeutet für den Konsumenten eine zunehmende Gängelung und Kriminalisierung.

Freier Umgang mit Produkten

Eine verbraucherfreundliche Regelung müßte am Recht auf die Privatkopie ansetzen. Wer eine CD, einen Film auf DVD oder einen Song im Internet-Musikkaufhaus legal erworben hat, muß mit diesen Produkten frei umgehen können. Dazu gehört das Anfertigen einer selbstgebrannten Silberscheibe für die HiFi-Anlage im Auto ebenso wie das Kopieren der Musik vom alten MP3-Spieler auf den neuen. Auch beim Fernsehen muß es erlaubt und möglich sein, die qua Rundfunkgebühr oder Pay-TV bezahlte Ausstrahlung aufzuzeichnen.

Das alles sind liebgewonnene und gewohnte Formen des Umgangs mit Kulturgütern: Musik und Film individuell zusammenzustellen sowie mit Familie und Freunden zu teilen. Die Politik hat hier die extremen Forderungen der Industrie in Schranken zu weisen. So mutig, wie die EU-Kommission gegen das Oligopol der Mobilfunknetzbetreiber einschreitet, sollte sie als nächstes das Kartell der Unterhaltungselektronik angehen. Sonst wird sie unglaubwürdig.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.11.2006, Nr. 45 / Seite V16
Bildmaterial: F.A.Z.

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