22. Juni 2006 Myspace will international wachsen. Die in Amerika sehr erfolgreiche Webseite, die ein Netzwerk für ihre Nutzer schafft, soll es demnächst auch in einer deutschen und einer französischen Version geben. Insgesamt hat das Management elf Länder vorgemerkt, in denen Myspace expandieren will, so der Firmengründer Chris DeWolfe in einem Interview mit der Financial Times. Langfristig wolle man auch den indischen und chinesischen Markt erobern.
Die Seite ist ein sogenanntes soziales Netzwerk. Diese Gemeinschaften gelten im Moment als eines der angesagtesten Gebiete im Internet. Myspace hat in Amerika mittlerweile mehr Seitenaufrufe als die Suchmaschine Google. Der Erfolg hat den Medienunternehmer Rupert Murdoch angezogen, der im vergangenen Sommer 580 Millionen Dollar in bar für Myspace auf den Tisch gelegt hat. Heute hat Myspace.com nach eigenen Angaben 86 Millionen registrierter Nutzer.
Vor drei Jahren gegründet
Myspace ist zu einem Phänomen der amerikanischen Jugendkultur geworden. Für Teenager in den Vereinigten Staaten ist es heute Standard, ein Profil auf der Seite zu haben. Myspace ist eine breite Palette von Internetdiensten in einem: Die Mitglieder können auf ihrer persönlichen Seite ein Online-Tagebuch (Blog) führen, Echtzeitnachrichten schicken (Instant Messaging) oder eigene Inhalte wie Fotos auf die Seite laden und mit anderen Nutzern tauschen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, der Dienst finanziert sich über Anzeigen auf der Seite. Im Vordergrund stehen Kontakte: Die Mitglieder bauen einen virtuellen Freundeskreis auf, unter Teenagern herrscht ein regelrechter Wettbewerb um die Zahl der Myspace-Freunde. Oft bilden sie dabei Interessengruppen.
Myspace gibt es erst seit dem Jahr 2003. Gegründet wurde die Seite von Tom Anderson, einem Musiker mit Filmhochschulabschluß aus Kalifornien, und dessen Bekanntem Chris DeWolfe, der vorher bei einem kleinen Internetunternehmen im Marketing war. Soziale Netzwerke gab es zu diesem Zeitpunkt schon im Internet, Anderson wollte sich von der Konkurrenz abheben, indem er seine Seite zu einem Forum für Künstler und ihre Inhalte machte. So erlaubte er Musikern, ihre Titel auf die Seite zu laden und anderen Nutzern zugänglich zu machen. Myspace wurde so zum Forum für aufstrebende Bands, was der Seite von Anfang an einen gewissen Coolness-Faktor gab.
Täglich 200.000 neue Mitglieder
Bislang haben sich Befürchtungen nicht bestätigt, daß Myspace nach der Übernahme durch News Corp. die Mitglieder davonlaufen. Dabei hat es sicher geholfen, daß der 30 Jahre alte Anderson und der 40 Jahre alte DeWolfe an Bord geblieben sind. Im Moment gewinnt Myspace 200.000 neue Mitglieder am Tag, zum Zeitpunkt der Übernahme durch News Corp. waren es noch 70.000.
Text: @mg, F.A.Z
Bildmaterial: AP