Von Fritz Jörn
26. August 2005 Scanner sind inzwischen fast so verbreitet wie Glasplatten, aus denen sie hauptsächlich bestehen. Man legt ein Blatt Papier drauf, eine Zeichnung oder einen Zeitungsausschnitt, ein altes Foto oder eine Buchseite. Dann fährt eine leuchtende Lafette unter dem Glas das Bild ab, und schwupp ist es ein für allemal im Computer. Wir haben uns einen modernen Scanner von Canon angesehen, den "Lide 60", und waren überrascht von der Vielfalt der Funktionen und der einfachen Handhabung, die im Paket von rund 70 Euro mitkommen.
Der kompakteste Scanner für unterwegs ist natürlich eine Digitalkamera. Auch damit lassen sich zur Not Dokumente ablichten. Doch ein richtiges Scannen - ein Parallelabtasten - wird das nie. Erstens müßte die Auflösung sehr hoch sein - bei nützlichen 300 dpi (dot per inch, Punkte je Zoll) speichert der Scanner 8384052 Pixel, also mehr als 8 "Megapixel" -, und zweitens verzerren Kameras gerade bei weitwinkligen Aufnahmen aus der Nähe recht stark kissenförmig. Und 300 dpi sollten es zum Beispiel für die Worterkennungssoftware schon sein.
Energie über die USB-Schnittstelle
Beim Auspacken des Canon-Lide-Scanners freut man sich als erstes über das, was fehlt. Lide soll "LED Indirect Exposure" heißen. Denn das schöne Stück nutzt Leuchtdioden zum Scannen und kommt so allein mit dem Strom aus der USB-Schnittstelle des PCs oder Laptops aus, mit höchstens 2,5 Watt. Eine eigene Stromversorgung ist nicht nötig. Als nächstes ist man überrascht, daß dann gerade die USB-Buchse zugeklebt ist. Da wird man in 15 Sprachen gewarnt, erst die Software von der CD zu laden, bevor man den PC das Gerät finden läßt - grundsätzlich eine wichtige Regel. Vorn am Scanner klemmt beim Transport ein Riegel die Abtastlafette fest, damit später selbst im Kofferraum nichts schlackern kann. Der Scanner ist schön flach, 3,5 Zentimeter, wiegt rund 1,75 Kilogramm und läßt sich nach dem Gebrauch wie ein Buch mit eigenem Ständer hochkant aufstellen. Noch etwas flacher, leichter und billiger ist das Modell 25, das für rund 50 Euro zu haben ist. Es ist allerdings nur mit langsamen USB 1.0 angeschlossen. Auf der Frontseite hat das Modell 60 neben den drei Tasten für Scannen, Kopieren und E-Mail-Versand zusätzlich eine Taste für PDF. PDF ist das "portable Dokumentenformat", ein Standard für die unveränderbare Darstellung gedruckter Unterlagen. Alle diese Funktionen und mehr können wie üblich vom Computer ausgelöst werden. Eine Fax-Auslösung hat der Scanner indes nicht.
Großer Komfort durch Multiscan
Besonders interessant ist die mitgelieferte Software. Am schönsten fanden wir die Möglichkeit, gleich mehrere Fotos auf einmal aufzulegen und sie in einem Durchgang geradegerückt und zurechtgeschnitten als getrennte JPG-Bilder zu bekommen. Mit diesem "Multiscan" macht es richtig Spaß, alte Fotoalben zu digitalisieren. Die E-Mail- und PDF-Funktionen arbeiten erwartungsgemäß gut. Das optische Lesen (OCR, Optical Character Recognition) durch die eigentlich bekannteste OCR-Software Omnipage von Scansoft klappt bestens, hat man sich einmal an die eigenwillige Ablaufsteuerung von Omnipage gewöhnt. Schade, daß bei Omnipage vor lauter Automatismen und husch, husch zunächst immer die ganze Seite gescannt wird, auch wenn man nur einen Ausschnitt möchte. Aber noch gibt es ja mechanische Büroscheren.
Mit 180-Grad-Wende
Skurril an den neuen Scannern von Canon ist, daß sie die Vorlagen um 180 Grad gedreht ablichten. Das kommt davon, daß innen die Lafette mit Licht und Fotozelle in Ruhelage vorn liegt und nicht wie üblich hinten beim Scharnier des Deckels. Legt man ein Blatt richtig herum ein, steht das Abbild anschließend am Bildschirm kopf. Da klappt dann natürlich auch keine Buchstabenerkennung. Wir wünschten uns, daß die schlaue Software die Abbilder einfach gleich immer drehte.
Text: F.A.Z., 23.08.2005, Nr. 195 / Seite T2