Von Michael Spehr
15. April 2008 Die besonders kleinen Notebooks machen derzeit Furore. Seit dem Mac Book Air von Apple oder dem Lenovo X300 will jeder so einen Mini für unterwegs haben. Zumindest in der Redaktion. Da kam der HTC Shift gerade richtig. In seiner schicken Lederhülle hat er die Maße eines Buches (21 × 12 × 2,5 Zentimeter), nur schwerer ist er (800 Gramm), und schon beim Auspacken wird klar: Das ein Ultra-Mobile-PC (UMPC), also ein Vertreter jener Gattung besonders kleiner Notebooks, die allesamt unter Windows laufen. Sie sollen die Lücke zwischen Subnotebook und Taschencomputer schließen.
Das Konzept stammt von Microsoft. Alle UMPCs sollen weniger als 900 Gramm wiegen und sich mit Tasten oder dem berührungsempfindlichen Bildschirm bedienen lassen. Der HTC Shift für rund 1200 Euro bringt einige Besonderheiten mit. Etwa die Mobilfunkeinheit mit UMTS / HSDPA, die sich autonom von Vista wie auf einem Pocket PC mit Windows Mobile nutzen lässt. Oder die Qwertz-Tastatur, die unten aus dem Gerät herausgezogen wird. Mit einem zweiten Handgriff lässt sich der Bildschirm nach oben ziehen, so dass ein Mini-Computer in gewohnter Bauform vor einem steht. Und natürlich die Vista-Anpassung für UMPCs, nämlich die Bedienung mit Stift und Finger sowie die eingebaute Handschrifterkennung.
Die Verarbeitungsqualität ist befriedigend
An der Außenseite hat HTC dem Shift einen USB-Anschluss, einen analogen Monitorausgang sowie einen SD-Speicherkartenleser spendiert. Über einen mitgelieferten Adapter lassen sich bis zu drei USB-Geräte und ein Ethernet-Kabel fürs Lan anbinden. Ferner gibt es eine Kamera am oberen rechten Gehäuserand sowie einen Fingerabdruckscanner als biometrische Zugangskontrolle. Die Verarbeitungsqualität ist befriedigend. Wenn man die Tastatur auszieht, verkanten die obere und die untere Hälfte schnell, und das Aufklappen der Anzeige erfordert einen gewissen Kraftaufwand, und dem Display sieht man Fingerabdrücke sofort. Die Tastatur gehorcht zwar den üblichen Konventionen, ist aber für flinke Texterfassung mit 10 Fingern ungeeignet, weil zu klein.
Der Shift arbeitet in zwei Betriebsmodi: entweder als Vista-PC oder nach Betätigen einer Seitentaste wie ein Windows Mobile 6-Gerät. Jedenfalls fast. Man sieht nur ein Fenster mit den wichtigsten Programmen, es gibt keinen Heute-Bildschirm, kein Start-Menü, keinen Internet Explorer, keinen Dateimanager - und keine Möglichkeit, mit dem Apparat zu telefonieren. Der vom Hersteller Snap Vue genannte Modus konzentriert sich also allein auf die Funktionen rund um E-Mail, SMS, Kontakte und Termine und nutzt dazu nur das Mobilfunknetz: das einge baute Wireless-Lan-Modul steht nicht zur Verfügung. Mit diesem abgespeckten Windows Mobile soll der Akku eine Bereitschaftszeit von rund zwei Tagen haben.
Wer profitiert von ihm?
Als Vista-PC bereitet der Shift wenig Freude. Nicht nur, weil der Lüfter fortwährend deutlich hörbar läuft, der Arbeitsspeicher mit 1 Gigabyte zu knapp bemessen ist und allein das Hochfahren drei Minuten dauert. Für einen UMPC ist zwar der Intel-A110-Prozessor mit 800 Megahertz flink, aber schon der Windows-Leistungsindex von 2,1 zeigt ganz deutlich, dass es keinen Sinn hat, ein opulentes und ressourcenhungriges Betriebssystem wie Vista in einen Kleinstrechner zu packen. Hier wäre eine schlanke und elegante Software angebracht, aber eben nicht das Dickschiff von Microsoft. Im praktischen Einsatz kann auch die Anzeige nicht überzeugen. Sie bietet eine maximale Auflösung von 1152 × 864 Pixel. Im Prinzip genug, um im Internet zu blättern oder Word-Dokumente zu bearbeiten. Aber was hier geboten wird, ist mit ausgefransten Buchstaben kaum lesbar. Wer herunterschaltet auf die kleinste Einstellung mit 800 × 480 Pixel, sieht etwas mehr, aber Spaß macht es nicht. Wir hatten uns eine mobiles Internet-Terminal fürs Sofa-Surfen gefreut und wurden enttäuscht. Der Akku hält im Vista-Betrieb rund zwei Stunden durch. Gelungen sind hingegen die Bedienung von Windows mit dem Stift und die Handschrifterkennung.
Alles in allem lässt der Shift die Frage unbeantwortet, wer von ihm profitiert. Ist die E-Mail unterwegs gefragt , bietet ein kleiner Pocket PC im Handyformat mehr Komfort für deutlich weniger Geld. Wer einen Reisenotebook sucht, wird schon wegen der unbefriedigenden Anzeige mit dem HTC nicht glücklich. Von Vista und der Tastatur mal ganz abgesehen. Insgesamt also ein Nischenprodukt, das man nicht uneingeschränkt empfehlen kann.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Andreas Brand
