Für 5,5 Millionen Euro

Internet-Tauschbörse „Pirate Bay“ verkauft

Von Siegfried Thielbeer, Kopenhagen

Die Betreiber von Pirate Bay müssen in Haft

Die Betreiber von Pirate Bay müssen in Haft

30. Juni 2009 Die schwedische Software-Firma „Global Gaming Factory“ (GGF) hat die umstrittene Internet-Tauschbörse „The Pirate Bay“ übernommen. Deren Webseite ermöglicht das kostenlose und illegale Kopieren von Musik-, Film-, und Spielseiten und gehört zu den hundert meistbesuchten Internetseiten. Die Hauptverantwortlichen von The Pirate Bay waren im April von einem Stockholmer Gericht in einem Aufsehen erregenden Urteil zu Gefängnisstrafen und Schadensersatz von 30 Millionen Kronen verurteilt worden, weil sie mit ihrer Technik Raubkopien, also Verstöße gegen das Urheberrecht, förderten. Gegen das Urteil ist Revision eingelegt worden.

Der Kauf von The Pirate Bay soll im August abgeschlossen werden. Die Kaufsumme von 60 Millionen Kronen (5,5 Millionen Euro) soll zur Hälfte in bar erfolgen. Für den Rest ist eine Neuemission von GGF-Aktien vorgesehen. Gleichzeitig erwarb GGF für 100 Millionen das Software-Unternehmen „Peerialism“, das eine neue verbesserte Technik zum sogenannten „File-Sharing“ entwickelt hat. Das Unternehmen mit 14 Beschäftigten war in enger Zusammenarbeit mit dem Schwedischen Institut für Computerforschung und der Königlichen Technischen Hochschule 2007 in Stockholm entstanden. Auch hier soll die Hälfte des Geschäftes in bar abgewickelt werden.

Schneller und in besserer Qualität kopieren

Der erste Server von “Pirate Bay“ wird im Technischen Museum von Stockholm ausgestellt

Der erste Server von "Pirate Bay" wird im Technischen Museum von Stockholm ausgestellt

Mit der neuen Technik von Peerialism wird eine wesentlich bessere Qualität des File-Sharing angestrebt. Mit Peerialism hatte schon Pirate Bay eine engere Zusammenarbeit angestrebt. GGF glaubt mit dem Erwerb der beiden Unternehmen die Konkurrenz auf dem Markt des „File-Sharing“ künftig ausmanövrieren zu können. Man plant auch ein grundsätzlich neues Geschäftsmodell beim „File-Sharing“, das es gestatten soll, die Datei-Lieferanten und die Inhaber der Urheberrechte zu kompensieren.

GGF-Chef Hans Pedaya erläuterte, dass Urheber und Lieferanten eine Kontrolle über den Inhalt haben und dafür bezahlt werden müssten. Die Nutzer des File-Sharing sollten schneller und in besserer Qualität kopieren können. GGF verwies auf die überaus komplizierte internationale Rechtslage mit einer Fülle von Konflikten und langwierigen Prozessen. Alle Marktteilnehmer im Internet - die Technik- und Breitband-Versorger, die Suchmaschinen-Betreiber ebenso wie die Inhaber der Urheberrechte - hätten künftig Vorteile durch eine „klarere legale Landschaft“, heißt es in der Presseerklärung von GGF.

Pirate Bay eigentlich „viel mehr wert“

Der Sprecher von Pirate Bay, Peter Sunde, zeigte sich mit dem Geschäft zufrieden. Auf diese Weise könne Pirate Bay überleben. Die Tauschbörse sei in eine Stagnationsphase geraten sei, die in der Internet-Welt tödlich sein könne. Eigentlich sei Pirate Bay viel mehr wert, aber es sei wichtiger gewesen, dass der Käufer die rechten Interessen habe, um die Entwicklung voranzutreiben. Pirate Bay habe schon lange angestrebt, sich vom Hobby-Niveau zu etwas mehr Seriösem zu entwickeln. Aber dafür brauche es „finanzielle Muskeln“.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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