Der Computer-Kriminalität auf der Spur

Beim Polizeipräsidium Südosthessen hat ein Internet-Kommissariat die Arbeit aufgenommen

08. Juli 2008 es. DREIEICH. Elektronische Geräte aller Art hatte der Dreieicher Onlinehändler bei einer Auktionsplattform im Internet angeboten. Rund 4500 Nutzer zahlten den Kaufpreis, warteten aber vergeblich auf die Ware: Bei der Polizei gingen Anzeigen selbst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Der Schaden wird auf eine Million Euro geschätzt. Der Mann hatte die Konten geleert und das Weite gesucht. Die Polizei konnte ihn aber schnell identifizieren: Im Januar wurde er in Polen festgenommen. Jetzt sitzt er in Deutschland in Untersuchungshaft.

Ohne das Zentralkommissariat ZK 50, das im Oktober vergangenen Jahres auf Initiative des Innenministeriums beim Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach eingerichtet wurde, hätten die Ermittlungen in diesem Fall nach Einschätzung von Rainer Lechtenböhmer, dem Leiter des neuen Kommissariats, wohl länger gedauert. Die Polizei wolle noch besser auf die Internetkriminalität reagieren, hob Polizeipräsident Heinrich Bernhardt gestern in Dreieich-Sprendlingen hervor: Im fünften Stock des Gebäudes Otto-Hahn-Straße 31-35, in dem die Polizeistation Dreieich und die Polizeidirektion Offenbach untergebracht sind, ist auch das Internet-Kommissariat zu finden.

Allein beim Polizeipräsidium Südosthessen, das für Stadt und Kreis Offenbach sowie den Main-Kinzig-Kreis zuständig ist, wurden im vergangenen Jahr 3618 Fälle von Waren- und Warenkreditbetrug erfasst. Bei bis zu 40 Prozent der Straftaten bedienten sich die Täter des Internets. Fast 300 000 Euro kostete der Umbau der Etage und das notwendige Inventar für das Internet-Kommissariat. Am 8. April nahmen die sieben Ermittler dort die Arbeit auf, zwei weitere Mitarbeiter werden noch hinzukommen. Außerdem sucht die Polizei IT-Spezialisten für die Internet-Kommissariate der sieben Polizeipräsidien in Hessen sowie für das Landeskriminalamt und die Polizeischule in Wiesbaden. Mit dem Polizeipräsidium Südosthessen verfügen nunmehr alle Polizeipräsidien in Hessen über ein Internet-Kommissariat.

Ausspähen und Abfangen von Computerdaten, Computersabotage bei Firmen und Behörden durch Mailbomben und Spam-Mail-Attacken, gewerbliche Software-Piraterie, aber auch Versuche von Betrügern, durch "Phishing" an Kontodaten und Transaktionsnummern beim Online-Banking zu gelangen - den Experten des ZK 50 bieten sich umfangreiche Einsatzmöglichkeiten. Bei Straftaten von besonderer oder überregionaler Bedeutung im Zusammenhang mit dem Internet ist ihr Wissen ebenfalls gefragt.

Vier der sieben Mitarbeiter gehören der regionalen Datenverarbeitungsgruppe an, die schon seit einigen Jahren Computerdaten mit Hilfe von Hochleistungsrechnern sichert und auswertet - im vergangenen Jahr in 200 Fällen mit einer gigantischen Datenmenge von mehr als 40 Terabyte. Die Datenverarbeitunsggruppe wurde dem Internet-Kommissariat angegliedert.

Das Zentralkommissariat ZK 50 des Polizeipräsidiums Südosthessen ist bei "Phishing" und

anderen Internet-Delikten unter den

Telefonnummern 0 61 03/5 06 66 00 und 0 61 31/5 06 66 10 zu erreichen.

Text: F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
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