Mini-Notebook

Ganz einfach einmal Linux

Von Raymond Wiseman

Kleines Format, große Ziele: Eee-PC von Asus

Kleines Format, große Ziele: Eee-PC von Asus

14. November 2007 Kinderleicht zu bedienen: Mit diesem Anspruch bringt Asus seinen Eee-PC auf den Markt. Der Eee-PC - gesprochen wird der Name „ih-PC“ - soll gleich dreifach einfach sein: „Easy to Learn“, „Easy to Play“, „Easy to Work“, so lautet der Slogan. Wir haben anhand eines Vorserienmodells geprüft, ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind und was der Eee-PC zu bieten hat, wenn er, wie angekündigt, Mitte Dezember zunächst in den Farben Schwarz und Weiß, 2008 dann in Pastelltönen in den Handel kommt. Interessant macht ihn vor allem der Preis von 299 Euro. Gerade einmal die gute Hälfte eines Briefbogens nimmt der Eee-PC als Stellfläche in Anspruch. Die gedrungene Tastatur des Subnotebooks lädt durchaus zum bequemen Tippen ein, auch wenn die Tasten rund ein Drittel kleiner als bei einer normalen Tastatur sind. Doch das ist es nicht, was das neue Gerät von anderen Notebooks im Kleinformat unterscheidet.

Auch sein geringes Gewicht von 920 Gramm ist Kein Alleinstellungsmerkmal. Wohl aber sein Betriebssystem: Es arbeitet mit Linux. Und so erscheint etwa 20 Sekunden nach dem Kaltstart - aus dem Standby-Modus weniger als zehn Sekunden - statt des gewohnten Windows-Desktops eine graphische Oberfläche, die ganz ohne Startmenü auskommt. Stattdessen ist sie in sechs Registerkarten gegliedert. Die Handhabung ist simpel: Den Mauszeiger auf einem Registerreiter positionieren und aufs Touchpad tippen oder die Klicktaste betätigen, schon wechselt die Anzeige zur gewünschten Rubrik. Die laufenden Programme, sie werden wie gewohnt am Bildschirmende in einer Leiste angezeigt, lassen sich ebenso durch Anklicken öffnen. Das geht so selbstverständlich von der Hand, dass selbst Windows-Anwendern im ersten Moment gar nicht auffällt, dass es nur eine Maustaste gibt.

Softwareausstattung lässt kaum Wünsche offen

Der Eee-PC auf einer Präsentation am 16. Oktober in Taipeh

Der Eee-PC auf einer Präsentation am 16. Oktober in Taipeh

Die ersten vier Hauptregister sind Internetanwendungen, der Arbeit, Lernsoftware und der Unterhaltung (also Spielen, Musik und Videos) gewidmet. Und tatsächlich findet sich hier all das recht sauber geordnet, was der unerfahrene PC-Benutzer sich sonst aus verschiedenen Menüs zusammensuchen muss. Statt oft kryptischer Programmnamen, die nur dem Eingeweihten etwas sagen, sind die Startsymbole zumeist mit der Aufgabe benannt, die die dahinterliegende Anwendung erfüllt. So startet beispielsweise ein Klick auf „Web“ den Firefox-Browser und das Dokumente-Symbol die Textverarbeitung von Open Office. Viele der installierten Anwendungen sind Freunden der freien Software schon bekannt. Bei allen Programmen handelt es sich um Linux-Anwendungen, doch das braucht einen eigentlich nicht weiter zu interessieren. Die Softwareausstattung ist üppig und lässt für den Heimgebrauch kaum Wünsche offen, abgesehen davon, dass sich die gängigen PC-Spiele ebenso wie andere Windows-Programme nicht installieren lassen.

Dennoch ist der Eee-PC keine Insellösung: Die Dateiformate von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm sind kompatibel zu Microsoft Office, ein Adobe Reader für PDF-Dokumente gehört ebenso zur Grundausstattung wie Fotobetrachter, Musikmanager und Videoplayer. Die Medienprogramme erweisen sich als universell. So versteht sich die Musikanwendung auch mit dem angeschlossenen iPod. Die Videowiedergabe beherrscht neben anderen digitalen Filmformaten das Abspielen von DVDs, selbst wenn sie sich nicht auf der Silberscheibe, sondern im Ordner einer externen Festplatte befinden. Auch mit Internetvideos - beispielsweise von Youtube.com - und Internet-Radio-Stationen lässt sich das Unterhaltungsspektrum problemlos bereichern. Für die Internetkommunikation stehen Skype und ein Messenger zur Verfügung, der alle wichtigen Protokolle wie ICQ, IRC, Yahoo, Google und MSN unter einer Oberfläche vereint. Beinahe selbstverständlich, dass auch verschiedene Webmail-Dienste unterstützt werden und ein E-Mail-Programm installiert ist.

Reichlich Anschlüsse und ein gutes Arbeitstempo

Den Anschluss ans Netzwerk erfüllt der Eee-PC verkabelt über eine Buchse fürs Ethernetkabel und drahtlos mit Wireless-Lan (802.11b/g). So nimmt er Kontakt zum Internet auf, gliedert sich zudem in ein bestehendes Netzwerk ein und bietet Zugriff auf freigegebene Dateiordner. Viel Speicherplatz bietet die eingebaute Flash-Festplatte mit vier Gigabyte allerdings nicht. Über die Hälfte der robusten Solid State Disk ist bereits vom System belegt. Allerdings gewähren drei USB-Schnittstellen die Möglichkeit, externe Festplatten und CD/DVD-Laufwerke anzuschließen. Über den Memory-Card-Steckplatz für Karten im SD/MMC-Format lässt sich zusätzlich Datenspeicher erweitern. Der Arbeitsspeicher beträgt 512 Megabyte, als Prozessor kommt ein mit 900 Megahertz getakteter Intel Celeron M zum Einsatz. Die Kombination erfüllt ihren Zweck: Rund dreieinhalb Stunden lässt sich in dieser Ausstattung netzunabhängig und ohne Platten- und Lüftergeräusch arbeiten, wobei der Eee-PC ein gutes Arbeitstempo an den Tag legt.

Wem der recht kleine 7-Zoll-Monitor mit einer Auflösung von 800 × 480 Bildpunkten daheim nicht genügt, der kann an die VGA-Schnittstelle einen größeren Bildschirm (maximal 1280 × 1024 Pixel) anschließen. Weitere Anschlüsse gibt es für Mikrofon und externe Lautsprecher. Letztere sind empfehlenswert, da die seitlich neben dem Display angebrachten nicht zu überzeugen vermochten. Die eingebaute Webcam mit 0,3 Megapixel Auflösung reicht aus, um kleine Videos zu produzieren. Allerdings funktioniert sie bisher mit dem Messenger-Programm nach dem vorinstallierten Skype. Da eine neue Skype-Version für Linux verfügbar war, testeten wir auch gleich die integrierte Update-Funktion, mit der Asus das System online auf dem neuesten Stand hält. Sie funktionierte einwandfrei.

Auch Windows XP ist möglich

Da Asus den Eee-PC als Familien-Computer positioniert und ihn nicht als Notebook sieht, sind neben Spielen auch etliche Lernprogramme für die jüngeren Familienmitglieder vorinstalliert. Ob der Eee-PC allerdings durchgängig den Weg in den Schulranzen findet, darf bezweifelt werden. Zumindest peilt er die gleiche Zielgruppe an wie Intel mit seinem Classmate-PC. Asus sieht seinen ersten Eee-PC als Mitglied einer Serie, in der weitere Rechner in verschiedenen Ausstattungsvarianten folgen werden. So ist es schon beim aktuellen Modell möglich, statt des installierten Xandros Linux als Betriebssystem Windows XP aufzuspielen. So ist abzusehen, dass in Kürze eine originäre Windows-Ausgabe folgen wird. Eine Variante, die mit einem UMTS-Modul höhere Mobilität ermöglichen soll, ist ebenfalls angedacht und wird die Zielgruppe auf den beruflichen Sektor erweitern.

Text: F.A.Z., 13.11.2007, Nr. 264 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller, REUTERS

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