08. April 2007 Musikfreunde können sich freuen: Wer Lieder der Plattenfirma Emi aus dem Internet herunterlädt, soll die Dateien in Zukunft ohne Kopierschutz bekommen. Ein enormer Fortschritt: Endlich lohnt sich das Herunterladen für die Kunden wirklich. Bisher war das nicht so. Weil die Plattenfirmen Angst vor Raubkopien hatten, verkaufen die Download-Seiten bisher meist kopiergeschützte Lieder - aber die lassen sich nicht auf jedem Musikspieler anhören. Nach der Änderung wird das deutlich einfacher. Im Mai soll's losgehen, sagt Emi. So lange müssen Musikfreunde aber nicht unbedingt warten.
Denn die Musik einiger Bands wird im Internet bereits ohne Kopierschutz angeboten - auf Seiten, die kaum einer kennt. Xavier Naidoo, Deep Purple, Simply Red oder Katie Melua: Lieder von ihnen gibt es zum Beispiel auf der Downloadseite Akuma.de. Denn deren Musik ist bei kleineren Plattenfirmen erschienen, und die verzichten bereits seit einiger Zeit auf den Kopierschutz.
Online-Einkauf wird bald deutlich leichter sein
Jetzt zieht Emi nach, mit Künstlern wie Placido Domingo, Robbie Williams, Pur oder den Rolling Stones. Bei iTunes sollen die Titel ohne Kopierschutz 1,29 Euro kosten statt 99 Cent mit Kopierschutz. Die kopiergeschützten Dateien soll es weiterhin geben. Schon gekaufte Lieder sollen für 30 Cent ihren Kopierschutz verlieren. Auch Musicload, das Download-Portal von T-Online, will Titel ohne Kopierschutz ab der Mitte des zweiten Quartals im Programm haben, also ebenfalls etwa von Mai an. Allerdings hat Musicload noch keinen Preis genannt. Auch andere Musikseiten wie die von AOL wollen möglichst bald dabei sein.
Für die Kunden wird der Online-Einkauf dann deutlich leichter. Die Lieder lassen sich nämlich endlich so anhören, wie Musikfreunde sich das vorstellen: auch unterwegs, auf fast jedem Handy oder MP3-Player. Bisher ging das nicht, denn die großen Plattenfirmen bestanden auf einem Kopierschutz, und der ist technisch aufwendig. Damit kommen nicht alle Geräte klar. Zumal es unterschiedliche Kopierschutz-Techniken gibt.
Eine Hürde gibt es auch in Zukunft doch noch
So kommt es, dass sich Lieder von Apples Musikladen iTunes bisher nur mit Apples iPod anhören lassen. Die Kunden verzweifeln immer wieder an solchen technischen Details - beim Kundendienst von Musicload sei der Kopierschutz die häufigste Ursache für Beschwerden, sagt ein Sprecher.
Doch eine Hürde gibt es auch in Zukunft noch. Wer die Lieder bei iTunes kauft, wird sie als sogenannte AAC-Dateien bekommen. AAC ist ein Nachfolger der bekannten MP3-Musikdateien und läuft auf den meisten Geräten - aber nicht auf allen. Ob ein bestimmtes Handy oder ein bestimmter MP3-Player mit AAC klarkommt, steht auf der Packung und in der Bedienungsanleitung. Wer ganz sichergehen will, ist mit Musikdownloads in Form von MP3-Dateien besser bedient. Die gibt es heute schon von Akuma; auch Musicload will die Titel ohne Kopierschutz in Zukunft als MP3-Dateien ausliefern.
Privatkopie nur an zwei, drei Freunde verteilen
Egal, von welchem Typ die gekauften Dateien sind - eines steht ohne Kopierschutz fest: Sie lassen sich endlich so oft auf CD brennen oder auf andere Geräte kopieren, wie der Eigentümer will. Dass man das auch immer darf, ist damit aber noch längst nicht gesagt. Wer die Dateien im Internet tauscht, sollte sich nicht erwischen lassen. Die Berliner Rechtsanwältin Astrid Auer-Reinsdorff erläutert, mit den heruntergeladenen Dateien sei es wie mit CDs ohne Kopierschutz. Die Käufer dürften sie nur als Privatkopie an zwei oder drei Freunde verteilen.
Nach wie vor haben die Plattenfirmen Angst, dass die Käufer sich nicht daran halten. Von den vier großen ist Emi jetzt die erste, die das Risiko eingeht. Ein Firmensprecher sagt, Emi habe vor der Entscheidung in einigen Tests festgestellt, dass sich die Musikdateien ohne Kopierschutz im Internet deutlich besser verkaufen als die mit Schutz. Emis Konkurrenten haben in der vergangenen Woche überhaupt keinen Kommentar abgegeben. Sie werden sich jetzt genau ansehen, ob sich die Ergebnisse in der Praxis bestätigen werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass sie in den nächsten Monaten nachziehen müssen. Dann würden so gut wie alle Titel ohne Kopierschutz angeboten.
Billigste DSL-Flatrate reicht locker für Angebote
Musik aus dem Internet gibt es aber auch kostenlos und ganz legal, und zwar bei Internetradios wie Last FM. Die heißen zwar Radio, aber sie spielen genau die Musik, die der Nutzer gerne hört. Dazu muss er einmal seine Lieblingskünstler eingeben. Das Internetradio stellt dann Titel zusammen, die andere Fans dieses Künstlers gerne hören - so wie Amazon, wenn es sagt: Andere Kunden kauften auch . . .. Der Nutzer kann die Lieder dann selbst bewerten. Auf diese Weise entsteht mit der Zeit eine persönliche Radiostation, die sich immer weiter dem Geschmack des Nutzers anpasst. Das funktioniert sogar mit Klassik.
Die billigste DSL-Flatrate reicht locker, um diese Angebote zu nutzen. Der Haken: Die Nutzer können die Musik nicht unterwegs hören. Und sie können sich nicht einen bestimmten Titel aussuchen, den sie gerade hören wollen. Sie können höchstens ein Lied abbrechen, das ihnen nicht gefällt. Der Vorteil: Weil das Internetradio ganz viele Künstler kennt, entdeckt man beim Hören immer wieder neue. Nebenbei und kostenlos.
Gewusst wo: Musik aus dem Internet
1. iTunes. Apple verkauft auf seiner Seite (www.itunes.de) von Mai an Musik ohne Kopierschutz. Doch Vorsicht: Diese Dateien werden zwar nicht länger nur auf dem iPod funktionieren, sondern auf deutlich mehr MP3-Playern. Doch einige ältere Geräte werden damit trotzdem nichts anfangen können.
2. Musicload. Das Portal von T-Online (www.musicload.de) will auch ab Mai Lieder ohne Kopierschutz anbieten, ist aber bis heute noch nicht so weit wie iTunes - Kunden müssen also möglicherweise etwas länger warten. Das kann sich allerdings lohnen: Musicload will die Lieder als MP3-Dateien verkaufen, und die laufen ganz sicher auf jedem Gerät.
3. Akuma, Freenet und Mediamarkt. Diese drei haben heute schon Musik ohne Kopierschutz im Angebot. Ein paar Hits sind dabei. Akuma (www.akuma.de) verkauft nur Musik ohne Kopierschutz, Freenet (mp3.freenet.de) und Mediamarkt (download.mediamarkt.de) verkaufen alle Arten - Musik ohne Kopierschutz ist als MP3 gekennzeichnet.
4. Last FM und Yahoo Music. Auf diesen Seiten (www.lastfm.de und de.music.yahoo.com) gibt es persönliche Internetradios, die sich an den Geschmack des Nutzers anpassen. Nachteil: Der Nutzer kann die Musik nicht unterwegs hören und nicht selbst aussuchen. Vorteil: Man lernt neue Künstler kennen - und es ist kostenlos.
5. Schon heute gibt es diese Künstler ohne Kopierschutz: Blumentopf, Toni Braxton, Green Day, Joy Denalane, Katie Melua, Xavier Naidoo, Deep Purple, Simply Red, Cat Stevens und andere.
6. Ab Mai kommen dazu: Bap, Daniel Barenboim, Joe Cocker, Genesis, Herbert Grönemeyer, Norah Jones, Nigel Kennedy, Lenny Kravitz, Depeche Mode, Pur, Rolling Stones, Robbie Williams und andere Künstler von Emi - aber nicht die Beatles, obwohl sie eigentlich zum Emi-Programm gehören.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.04.2007, Nr. 14 / Seite 47
Bildmaterial: AP