18. November 2008 Apple hat seine Mac-Book-Reihe gründlich überarbeitet, und das ist für die Fangemeinde nun Anlass endloser Diskussionen im Internet: Wie bewährt sich das neue Aluminiumgehäuse? Spiegelt das Display wirklich so stark, und warum, verflixt und zugenäht, haben die Leute aus Cupertino bei den günstigen Modellen die Firewire-Schnittstelle gestrichen? Das alles sind derzeit Topthemen im Netz, und wir haben eines der kleineren Geräte ausprobiert: das MacBook mit 2,4 Gigahertz.
In dieser Produktreihe beträgt die Displaydiagonale 33 Zentimeter (13 Zoll) mit einer Auflösung von 1280 × 800 Pixel, die für übliche Büroarbeiten hinreichend, für Foto, Video und Multimedia indes ein bisschen wenig ist. Zwei Modelle stehen zur Wahl: Das günstige für 1200 Euro setzt den Intel Core 2 Duo mit 2 Gigahertz ein und kommt mit einer 160-Gigabyte-Festplatte. Das für 1500 Euro ist 0,4 Gigahertz schneller und bringt 250 Gigabyte Speicherplatz mit, beide bieten ausreichende 2 Gigabyte Arbeitsspeicher in der Standardausstattung. Nach wie vor ist das alte weiße MacBook im Kunststoffgehäuse für 950 Euro (2,1 Gigahertz, 120-Gigabyte-Festplatte) erhältlich, das schwarze Gerät gibt es nicht mehr.
Aus einem Aluminiumblock gefrästen Unibody-Gehäuses
Aber wenn man den Charme des aus einem Aluminiumblock gefrästen Unibody-Gehäuses erlebt hat, will man ohnehin nicht zum Kunststoff zurück. Das Metall fühlt sich hochwertig an. Das Notebook wirkt sehr stabil, verwindungssteif und ist 200 Gramm leichter als der Vorgänger. Montagefugen gibt es nur an der Unterseite, wo sich nach Lösen einer Verriegelung das Akkufach mitsamt der auf Gummipuffern gelagerten Festplatte zeigt. Ein zweites schickes Detail ist das neue glasüberzogene Touchpad, das ohne Taste für Mausklicks auskommt. Nun ist die gesamte Fläche eine Taste, man kann also überall auf der Fläche drücken (allerdings steigt der Druckwiderstand in Richtung Tastatur deutlich). Der Rechtsklick funktioniert wie bei den alten Geräten mit zwei Fingern oder neu: mit einem Klick in die untere linke oder rechte Ecke. Ebenfalls neu sind hier die vom MacBook Air oder iPhone bekannten Mehrfingergesten für das Drehen oder Vergrößern und Verkleinern von Bildschirminhalten, die aber nicht in allen Mac-Programmen funktionieren. Damit nicht genug: Wer in die Systemeinstellungen schaut, entdeckt sogar einige Vierfingerkommandos. Sich langwierig umzustellen ist nicht erforderlich, aber als leichte Kritik bleibt doch anzumerken, dass die Hardware-Taste der älteren Geräte für präzises Arbeiten die bessere Lösung ist.
Eine wichtige Verbesserung für Menschen mit Sehbehinderung ist ferner der in jedem Programm aufrufbare Bildschirmzoom. Mit der Taste CTRL und einem Zweifingerwisch nach oben wird das Bild sehr flink so vergrößert, dass man auch kleinste Details lesen kann. Nachtarbeiter werden sich ferner über die Tastaturbeleuchtung freuen.
Aktuelle Intel-Zweikernprozessoren mit Penryn-Kern
In beiden MacBooks kommen nun die aktuellen Intel-Zweikernprozessoren mit Penryn-Kern zum Einsatz. Bei Standardaufgaben ist kein Geschwindigkeitszuwachs zu beobachten, wohl aber bei grafikintensiven Aufgaben wie Bildbearbeitung, Spielen oder Wiedergabe von HD-Videos. Hier ist das höhere Tempo der neuen Chipsatzgrafik von Nvidia geschuldet. Der Mac-Pro-Reihe bleibt indes ein noch leistungsfähigeres Grafiksystem vorbehalten, es lässt sich zudem zwischen Grafikchip und Chipsatzgrafik umschalten, um die Akkulaufzeit zu beeinflussen.
Anschlüsse und Schnittstellen sind - wie immer bei Apple - spärlich gesät: zweimal USB, viel zu dicht beieinander liegend, und einmal Ethernet sind entschieden zu wenig. Firewire fehlt, und das sorgt in den einschlägigen Apple-Foren für Unmut, denn beim Anschluss externer Festplatten ist Firewire schneller als USB. Uns ärgert zudem das Fehlen selbst eines simplen Speicherkartenlesers, idealerweise für Secure-Digital-Medien. Erst das MacBook Pro bietet zwei oder drei USB-Anschlüsse, Firewire 800 und einen Express-Card-Schacht für die Aufnahme des UMTS-Modems.
Neue Anzeige ist deutlich brillanter und kontrastreicher
Doch nun zum umstrittenen Bildschirm, und die guten Nachrichten zuerst: Gegenüber den älteren MacBooks ist die neue Anzeige aufgrund LED-Hintergrundbeleuchtung deutlich brillanter und kontrastreicher. Der Unterschied ist sofort zu sehen, wenn man alt und neu gegenüberstellt. Auch lässt sich der Bildschirm für bequemes Sofa-Surfen etwas weiter nach hinten klappen. Die Anzeige ist gleichmäßig ausgeleuchtet und erreicht hohe Helligkeiten. Aber sie spiegelt sehr stark, selbst in abgedunkelten Räumen, und der vergleichende Blick auf die beiden zeigt, dass das neue Display in diesem wichtigen Punkt eine Verschlechterung darstellt. Das ärgert die Apple-Gemeinde ungemein, zumal die Pro-Modelle nicht mehr mit matter Anzeige lieferbar sind.
Der neue Monitoranschluss ist ebenfalls umstritten. DVI fällt für einen proprietären Mini-Display Port weg, verschiedene Adapter sind jetzt erforderlich, und beim Anschluss an einen externen DVI-Monitor sind bis zu 2560 × 1600 Pixel erreichbar. Die Akkulaufzeit des neuen MacBook liegt ungeachtet der leistungsfähigeren Grafikkarte auf dem Niveau des Vorgängers: rund 4 bis 5 Stunden. Das ist für ein Notebook mit dem moderaten Gewicht von zwei Kilogramm ein ordentlicher Wert. Das schönste Detail in den Zeiten von Windows Vista ist freilich der nahezu lautlose Betrieb bei typischen Büroarbeiten wie E-Mail, Text und Tabellen. Da kann kein aktuelles Windows-System mithalten, einmal davon abgesehen, dass Mac OS X das deutlich bessere Betriebssystem ist. Unser Fazit nach einer Woche mit dem MacBook: Ein ungemein schickes Notebook für den Einsatz unterwegs, das vor allem mit seinem robusten Gehäuse begeistert. Vergleichbaren semi-ruggedized Notebooks mit Magnesiumlegierung fehlt diese Wertigkeit, sie sind schwerer, dicker und teurer. Wireless-Lan und Bluetooth stellen beim MacBook den Kontakt zum Internet her, die Rechenleistung ist schon beim kleinsten Modell völlig ausreichend: für 1200 Euro ein tolles Notebook mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Spiegeldisplay nervt allerdings sehr.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller