Von Holger Schmidt
25. Juni 2007 Noch immer hängt die Internetnutzung in Deutschland entscheidend von den Faktoren Alter, Einkommen und Bildung ab. Das teilte das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest in seinem (N)Onliner Atlas 2007“ mit. Demnach nimmt die Internetnutzung mit steigendem Alter, sinkendem Einkommen und sinkender formaler Bildung stark ab. Außerdem ist die Nutzung in den westdeutschen Ländern weit höher als im Osten.
Generell steigt die Nutzung des Mediums weiterhin. In diesem Jahr nutzen in Deutschland erstmals mehr als 60 Prozent der Einwohner ab 14 Jahre das Internet. Seit dem vergangenen Jahr ist die Internet-Nutzerschaft nach Angaben der Marktforscher um 1,4 Millionen auf 39,2 Millionen gestiegen. Weitere 5,7 Prozent der etwa 49.000 Befragten planen den Gang ins Netz in den kommenden zwölf Monaten.
In Europa auf dem siebten Rang
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland in der Nutzerquote auf dem siebten Rang. Vorne liegen die skandinavischen Länder und die Niederlande. Befördert wird das Wachstum von den Breitbandanschlüssen, insbesondere der DSL-Technik. Damit lassen sich Daten etwa zwanzigmal schneller übertragen als mit einem herkömmlichen analogen Modem oder einem ISDN-Anschluss. Inzwischen verfügen 57 Prozent der Internetnutzer über einen schnellen Anschluss an das Datennetz, elf Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Viele Haushalte steigen auf Breitbandanschlüsse um, weil sie neben dem schnellen Zugang zum Internet auch die damit verbundenen Pauschaltarife für ungegrenzt lange Telefonate in das deutsche Telefonnetz nutzen wollen. Der Preis für ein solches Paket für die unbegrenzte Telefon- und Internetnutzung ist inzwischen auf rund 35 Euro im Monat gefallen.
Noch knapp 17 Prozent der Nutzer wählen sich aber über eine ISDN-Verbindung ein; 15 Prozent verwenden ein analoges Modem. Andere Breitbandtechniken wie das Fernsehkabel werden trotz aggressiver Preisstrategien bisher nur von zwei Prozent der Befragten benutzt; mobile Internetzugänge sind bisher nur für ein Prozent der Onliner relevant.
In den Städten ist die Versorgung besser
Allerdings schwankt die Breitbandnutzung regional sehr stark: Das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz weisen eine weit überdurchschnittliche Nutzung des schnellen Internet auf, während die ostdeutschen Bundesländer weit unter dem Durchschnitt liegen. Dort hatte die Deutsche Telekom nach der Wende ein damals sehr modernes Glasfasernetz verlegt, in dem aber die DSL-Technik nicht funktioniert. Daher sind viele Haushalte in ostdeutschen Regionen noch vom DSL-Netz abgekoppelt.
Regionale Unterschiede gibt es auch zwischen Ballungszentren und ländlichen Regionen: In den Städten ist die Versorgung mit Breitband-Anschlüssen sehr viel besser, da viele Unternehmen um die Gunst der Kunden buhlen. Das neue Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom, das Daten bis zu eintausendmal schneller transportieren kann als ein herkömmliches Modem, wird zunächst nur in Großstädten gebaut. Auch die Telekom-Konkurrenten wie Arcor oder Hansenet bauen ihre Netzen primär in den städtischen Regionen aus und decken bisher höchstens 60 Prozent der Bevölkerung ab. Arcor will mit seinem Netz aber bis zum Frühjahr des kommenden Jahres 68 Prozent der Bevölkerung in Deutschland erreichen.
Die Jugend dominiert
Noch immer dominiert die Jugend das Internet. Neun von zehn Personen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen das Medium. In der Altergruppe zwischen 30 und 39 Jahren sinkt der Anteil auf 82 Prozent. In den Vierzigern beträgt die Quote noch 73 Prozent, während 58 Prozent der Fünfziger und 35 Prozent der Sechziger im Internet unterwegs sind.
Der Anteil der Nutzer über 70 Jahre liegt bei 13 Prozent und wächst kaum noch. Die Internetnutzung breitet sich also langsam, aber stetig in den älteren Altersgruppen aus, auch wenn die Ältesten weiterhin in der Mehrheit das Internet meiden. Die meisten derer, die auf das Internet verichten, sehen keinen Nutzen in dieser Technik und fühlen sich nach den Ergebnissen einer Umfrage unter älteren Personen zudem unsicher, weil Internet-Kriminelle mit allerlei technischen Tricks versuchen, die Bankkonten der Nutzer abzuräumen und Kreditkartennummer auszuspähen. Viele Menschen haben auch Angst vor der komplexen Technik.
Obwohl die Kosten für die Internetnutzung wegen des scharfen Wettbewerbs stetig fallen, korrelieren Einkommen und Nutzung immer noch auffallend stark miteinander. In Haushalten mit weniger als 1000 Euro Nettoeinkommen beträgt die Nutzungsquote knapp 38 Prozent, während gut 84 Prozent der Haushalte mit mehr als 3000 Euro Einkommen über einen Internetzugang verfügen.
Die Schüler bleiben die Bevölkerungsgruppe mit dem höchsten Nutzer-Anteil und weisen im Vergleich zum Vorjahr noch eine Steigerung von 2,3 Prozent auf. Ähnlich hoch ist der Anteil unter Akademikern. Die Gruppe mit einem Volksschulabschluss ohne Lehre weist nur eine Quote von 30 Prozent auf, verzeichnet aber mit 6,4 Prozentpunkten den höchsten Anstieg im Jahresvergleich.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.