Testbericht: Taschencomputer

Der Elegante, der Wuchtige und der Kompakte

Von Michael Spehr

10. März 2007 Vor uns liegen drei neue Taschencomputer, die man früher Handys genannt hätte, weil man mit ihnen auch telefonieren kann. Die Apparate könnten unterschiedlicher kaum sein, aber sie haben eines gemeinsam: Sie sind für den Geschäftsmann unterwegs gedacht, der auch aus der Ferne auf die Daten im Büro zugreifen möchte, auf E-Mail und Word-Dokumente, Termine und Kontakte. Alle drei haben zudem einen GPS-Empfänger für die Navigation eingebaut, ein Detail, das künftig zur Standardausrüstung von Taschencomputern gehört.

Der Eleganteste ist der Blackberry 8800, mit 113 x 64 x 15 Millimeter etwas höher, aber deutlich flacher als der Vorgänger 8700. Ihm fehlt das Blackberry-typische Drehrädchen an der rechten Seite zum flinken Bewegen durch neue E-Mails. Stattdessen nutzt er eine Art Mini-Trackball unterhalb der Tastatur, eine sehr leichtgängige Rollkugel, mit deren Hilfe man sich durch Menüs und Listen fährt. Ob das ein Fortschritt ist, sei dahingestellt. Jedenfalls wirkt das Kügelchen sehr billig, wie die ebenfalls neu gestaltete und unseres Erachtens deutlich schlechtere Tastatur. Eher gefällt die Blackberry-Software 2, die den Umgang mit E-Mails einfacher macht, vor allem beim Einsatz mehrerer Konten.

An Coolness kaum zu übertreffen

Mit seiner schieren Größe beeindruckt der Ameo von T-Mobile. 133 x 97 x 20 Millimeter misst die Haupteinheit, und mit 300 Gramm ist sie auch verflixt schwer. Da führt die Bezeichnung „Taschencomputer“ schnell in die Irre. Das Trumm hat das größte Display von der Fläche und Auflösung her (640 x 480 Pixel) und Vollausstattung mit UMTS und seinem Turbo HSDPA, Wireless-Lan, Bluetooth. Als Prozessor kommt der Intel Bulverde mit 624 Megahertz zum Einsatz, 128 Megabyte Ram stehen zur Verfügung. Für alles Multimediale ist eine 8-Gigabyte-Festplatte eingebaut (die sich leider via USB-Kabel nur nach Treiberinstallation ansprechen lässt), und es gibt zudem einen Schacht für Mini-SD-Karten.

Was will man mehr? Vielleicht eine Tastatur? Auch die gehört zum Lieferumfang, und der Pfiff ist ihre Magnethalterung. Die Tastatur ist nur 4 Millimeter flach und wird einfach an der Seite des Ameo angesetzt. Das Display schaltet aufs Querformat um, und dann steht er da wie ein Mini-Notebook: ein Gadget für die Besprechung, das an Coolness wohl kaum zu übertreffen ist. Zwar erleichtert die Tastatur den Umgang mit dem Gerät ungemein. Aber sie eignet sich leider nicht für den Vielschreiber.

Schnelles Schreiben geht mit dem Blackberry besser

Und dann der Vodafone Compact GPS: Er hat die Maße eines üblichen Handys (108 x 58 x 18 Millimeter) und trägt damit seinen Namen zu Recht. Wie der Ameo nutzt er das Windows-Betriebssystem Mobile 5, hat also E-Mail- und Office-Software mit Word, Excel und Powerpoint für mobile Geräte sowie Datensynchronisation mit dem Windows-PC und Outlook. Auch hier sind Wireless-Lan und UMTS / HSDPA für flinke Online-Verbindungen eingebaut, Bluetooth ist mit etlichen Profilen dabei, und es gibt eine Infrarot-Schnittstelle.

Der Prozessor ist nur ein Samsung mit 400 Megahertz, auch der Speicher fällt mit 64 Megabyte kleiner aus, er lässt sich indes mit Mini-SD-Karten erweitern. Das Display löst mit 240 x 320 Pixel auf und kann wie beim Ameo gedreht werden. Was die Bedienung betrifft, ist man beim Compact GPS ganz auf den Stift angewiesen. Wie bei jedem Windows-Gerät nutzt man wahlweise eine virtuelle Tastatur oder eine Handschrifterkennung. Das alles funktioniert zwar gut, aber wer unterwegs schnell eine E-Mail schreiben will, ist mit der Mini-Tastatur des Blackberry besser bedient.

E-Mails werden in kleinen Häppchen verschickt

Überhaupt kommt man mit dem Blackberry am schnellsten zurecht, wenn es darum geht, mit einer Hand auf dem Weg zum Flughafen flink eine Nummer herauszusuchen oder die E-Mails zu lesen. Mit den beiden Windows-Kandidaten ist die Stift-Bedienung deutlich zeitaufwendiger, umständlicher. Dafür überzeugt das Microsoft-Betriebssystem mit seiner Leistungsfähigkeit. Hier gibt es Tausende von Zusatzprogrammen im Internet - während der Blackberry alles Wichtige schon eingebaut hat. Etwa eine sprecherunabhängige Sprachwahl, die prima funktioniert, oder verschiedene Situationsprofile (draußen, Besprechung, lautlos). Darauf verzichten die Windows-Rechner.

Auch das Fehlen von UMTS und Wireless-Lan ist beim Blackberry nicht ganz so dramatisch, wie es sich zunächst anhört. Hier werden ja die E-Mails und ihre Anhängsel nicht vollständig im Originalformat übertragen, sondern vom Blackberry-Server in kleinen Häppchen zum mobilen Gerät geschickt, so dass das Übertragungsvolumen gering bleibt.

Kaum ein Handy-Ersatz

Die beiden Windows-Geräte richten sich also an Menschen, die gern mit neuer Technik experimentieren. Also beispielsweise daran denken, eine Voice-over-IP-Software wie Skype aufzuspielen, viel im Internet lesen oder besondere Multimedia-Fähigkeiten von ihrem Taschencomputer erwarten. Beide beherrschen das Bluetooth-Sim-Access-Profil für professionelle Freisprecheinrichtungen und erlauben Videotelefonie via UMTS. Dafür ist eine (mittelmäßig arbeitende) Kamera eingebaut.

Wer mit dem Ameo liebäugelt, sollte wissen, dass man mit ihm nur über die eingebaute Freisprecheinrichtung, via Bluetooth oder mit Hilfe des beiliegenden Headset telefonieren kann, aber nicht direkt am Ohr. Auch angesichts von Größe und Gewicht ist er kaum ein Handy-Ersatz. Wer sich für den Blackberry entscheidet, fokussiert sich auf die wesentlichen Dinge, also E-Mail und Telefonie und ist mit diesem Gerät besser beraten als mit den Windows-Kandidaten, wenngleich wir wegen der Tastatur eher das Vorgängermodell 8700 empfehlen. Auch läuft die schöne Klicktel-Software (http://blackberry.klicktel.de) nicht mit dem Neuen.

Basis-Navi mit kleinen Schwächen

Auf den Blackberry und den Compact GPS hatte uns Vodafone seine Navigations-Software von Telmap aufgespielt. Sie arbeitet „offboard“, also ohne Kartenmaterial im Gerät. Die Route und die erforderlichen Fahranweisungen werden von einem Server geladen, man braucht also unbedingt die Mobilfunkanbindung, und es fallen Datenkosten an. Der „Vodafone Navigator“ mit dynamischer Routenführung (die Verkehrsinformationen kommen vom ADAC) kostet im Jahr 100 Euro plus Datengebühren.

Im praktischen Einsatz schlug er sich bei uns wacker: Die Bedienung ist einfach und selbsterklärend, der GPS-Empfang stabil. Es fehlt zwar die detaillierte Landkartendarstellung, aber mit dem angezeigten Straßenverlauf und den präzisen akustischen Hinweisen kommt man gut zurecht. Nur wenn man der vorgegebenen Strecke nicht folgt, muss via Mobilfunk nachgeladen werden, und das kann gegebenenfalls bis zu zwei Minuten dauern. Kurzum: Man bekommt hier ein Basis-Navi mit kleinen Schwächen. Dafür ist die Software jedoch sehr günstig, und man kann sie zunächst einen Monat kostenlos ausprobieren.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche