26. Dezember 2008 Wirtschaftskrise, Krankheitsgerüchte und eine mysteriöse Absage: Um Apple und Steve Jobs ranken sich viele Fragen: Fühlt sich Steve Jobs eigentlich geschmeichelt oder beleidigt von dem ganzen Aufhebens, das um ihn gemacht wird? Die Frage hat sich in diesem Jahr immer wieder aufgedrängt. Der Mitgründer und Vorstandschef des amerikanischen Computer- und Elektronikkonzerns Apple musste sich wiederholt anhören, wie die Öffentlichkeit über seine Gesundheit spekulierte. Das hagere Erscheinungsbild, das Jobs bei mehreren Auftritten abgab, wurde als erschreckend gewertet, zumal er vor einigen Jahren schon einmal mit einer Krebserkrankung zu kämpfen hatte. Es passiert nicht allzu oft, dass der Gesundheitszustand eines Managers so aufgeregt diskutiert wird. Allerdings ist der 53 Jahre alte Steve Jobs auch ein besonderer Fall: Er ist die alles überragende Figur bei Apple. Es dürfte kaum ein anderes Unternehmen geben, das so stark mit seinem Vorstandschef identifiziert wird.
Den jüngsten Schrecken gab es erst vor wenigen Tagen: Völlig überraschend kündigte Apple an, dass Steve Jobs bei der nächsten Macworld-Messe im Januar nicht als Hauptredner auftreten wird. Das war ein Paukenschlag, denn die Jobs-Rede auf der Macworld galt jedes Jahr eines der Großereignisse schlechthin der Technologiebranche. Jobs hat hier einige der erfolgreichsten Produkte von Apple enthüllt, zum Beispiel im vergangenen Jahr das Multimediahandy iPhone. An Stelle von Jobs soll nun Marketingchef Phil Schiller die Präsentation halten. Schon überschlugen sich nach der Mitteilung wieder die Spekulationen, ob das Fernbleiben von Jobs gesundheitliche Gründe haben könnte. Ein Analyst stufte seine Bewertung für Apple herab, und der Aktienkurs verlor 7 Prozent an Wert.
Erfolg von Apple untrennbar mit dem Namen Jobs verbunden
Apple spielte die Bedeutung der Mitteilung herunter, genauso wie sich das Unternehmen das ganze Jahr über bedeckt gehalten hat, wenn es um die Gesundheit von Steve Jobs ging. Mal hieß es offiziell, Jobs habe sich einen harmlosen Bazillus angefangen, mal wurden Fragen nach dem Befinden von Jobs mit dem Hinweis abgewürgt, dies sei Privatsache. Mit Blick auf die Macworld sagte Apple, die Veranstaltung habe schlicht ihre Bedeutung für das Unternehmen verloren. Im Jahr 2010 wolle Apple sich sogar ganz von der Messe zurückziehen.
Der Erfolg von Apple wird in der Technologiebranche und an den Finanzmärkten untrennbar mit Steve Jobs verbunden. Er hat Apple im Jahr 1976 mitgegründet und einen der ersten erfolgreichen Personalcomputer auf den Markt gebracht. Im Jahr 1984 kam unter seiner Führung der revolutionäre Macintosh, der erste Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Mitte der achtziger Jahre wurde Jobs aus dem Unternehmen gedrängt, feierte aber im Jahr 1997 eine triumphale Rückkehr. Seither hat Apple einen Erfolg nach dem anderen gelandet, vom iMac-Computer über den digitalen Musikspieler iPod bis zum iPhone. Apple ist innerhalb weniger Jahre von einem Computerhersteller zu einem breit aufgestellten Elektronikkonzern geworden. Die neuen Produkte wie der iPod und das iPhone haben aber auch dafür gesorgt, das traditionelle Geschäft mit Computern wiederzubeleben.
Nachfolgeregelung im Unklaren
Die zentrale Bedeutung von Steve Jobs in der öffentlichen Wahrnehmung hat auch damit zu tun, dass die Nachfolgeregelung bei Apple im Unklaren liegt. Es gibt keinen Manager, der offensichtlich als möglicher Nachfolger von Jobs positioniert wird. Bislang hat Jobs bei Großveranstaltungen das Rampenlicht vor allem für sich selbst beansprucht. Die Zeitschrift Fortune“ beschrieb kürzlich den für das Tagesgeschäft zuständigen Chief Operating Officer Tim Cook als wahrscheinlichsten internen Kandidaten, wenn die Spitze neu besetzt würde.
Neben den ständig wiederkehrenden Spekulationen um die Gesundheit von Jobs stand dieses Jahr bei Apple im Zeichen des iPhone. Das Gerät kam bereits im Jahr 2007 auf den Markt, aber erst die im Juli dieses Jahres eingeführte zweite Generation schaffte den Durchbruch auf breiter Front, weil sie eine schnellere Internetverbindung erlaubt. Apple ist nun zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber im Mobilfunkmarkt geworden.
Dennoch gibt es Bedenken, ob Apple in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld seinen Wachstumskurs fortsetzen kann, zumal die Produkte des Unternehmens überdurchschnittlich teuer sind. Ein Analyst von Goldman Sachs stufte die Aktie von Apple kürzlich herab mit der Begründung, Verbraucher könnten sich im nächsten Jahr mit dem Kauf von Produkten des Unternehmens zurückhalten. Nach einer Erhebung des Marktforschungsinstituts NPD Group war der Absatz von Apple-Computern im November auf dem amerikanischen Markt gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Die Aktie von Apple hat seit Jahresbeginn mehr als 55 Prozent an Wert verloren und sich damit noch schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Umso mehr hatte die Branche darauf gehofft, dass Steve Jobs mit seinem gewohnten Marketingtalent bei der Macworld ein spektakuläres neues Produkt aus dem Hut zaubert und damit wieder Begeisterung schürt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa