300-Euro-Notebooks

Der Preisdrücker-Laptop bewegt den PC-Markt

Von Uta Bittner

05. Februar 2008 Sie ist die Frau für das günstige Notebook: Mary Lou Jepsen, die ehemalige Technikchefin der Entwicklungsinitiative One Laptop Per Child, will den Laptop-Markt revolutionieren. Geht es nach ihr, soll es die kleinen handlichen Rechner bald für 75 Dollar geben – und zwar für alle. Ein kaum zu überbietendes Angebot, das nur deshalb möglich ist, weil an der Ausstattung der Notebooks drastisch gespart wird. Mit den abgespeckten Rechnern sollen Nutzer im Internet surfen oder ihre elektronische Post verschicken können. Und Jepsen ist mit ihrem Angebot nicht die einzige. Gerät der Notebook-Markt in Bewegung? Bisher war er von hohen Wachstumsraten geprägt, die Hersteller wie Hewlett-Packard, Dell oder Fujitsu Siemens Computers konnten über das Volumengeschäft gute Margen erzielen.

„Hier entwickelt sich möglicherweise ein neues Marktsegment“, sagt Ralph Hintemann, Fachmann für IT-Hardware beim Branchenverband Bitkom. Seiner Meinung nach sei schon seit einiger Zeit ein Trend zu sehr kleinen Notebooks, die häufig auch als Zweitgerät für unterwegs genutzt werden, festzustellen. Doch warten, bis Frau Jepsen ein marktreifes Produkt parat hält, müssen die Kunden in Deutschland nicht. Der Computerhersteller Asus, nach eigenen Angaben Deutschlands siebtgrößter Notebook-Anbieter, offeriert seit ein paar Tagen ein solches abgespecktes „Kinder-Notebook“: Für gerade einmal 299 Euro können Sparfüchse das Billig-Notebook mit dem Namen „Eee-PC“ im Fachhandel oder per Internet-Bestellung erwerben.

Die ersten Billig-Laptops gingen weg wie heiße Semmeln

Asus, mit 100.000 Mitarbeitern kein Unbekannter in der Branche, legt Wert darauf, dass es sich bei seinem Eee-PC um eine gänzlich neue Produktart handelt. „Der Eee-PC unterscheidet sich von normalen PCs und Notebooks dadurch, dass seine Funktion als vollständiger Computer eingeschränkt ist“, sagt Lars Schweden, zuständig für den Geschäftsbereich mobile Endgeräte der deutschen Asus Computer GmbH. Der Bildschirm ist mit einer Größe von 7 Zoll viel kleiner als klassische Laptops, und auch in der Softwareausstattung und bei der Festplatte unterscheidet sich das Gerät von seinen voll ausgestatteten Notebook-Geschwistern.

Mit dieser neuen Notebook-Light-Variante scheint Asus den Nerv getroffen zu haben: Die ersten 20.000 Eee-PCs sind bereits weggegangen wie heiße Semmeln, berichtet Asus. „Der Markt hat phantastisch darauf reagiert – die Nachfrage war und ist riesig“, sagt Schweden. Und das soll erst der Anfang sein: Asus will 3 bis 5 Millionen dieser Geräte verkaufen.

Konkurrenz bleibt gelassen

Die Konkurrenz gibt sich indes gelassen: „Wir konzentrieren uns auf das mittlere Notebook-Segment und sehen unser Geschäft in keiner Weise gefährdet“, sagt Hans-Dieter Wysuwa, Deutschlandchef des Computerherstellers Fujitsu Siemens Computers (FSC). Asus verkaufe gerade einmal halb so viele Notebooks wie FSC – und der Eee-PC werde sicher keinen Verdrängungswettbewerb auslösen. Das sieht man auch bei Asus so: „Der Eee-PC ist kein Billig-Laptop“, hebt Schweden hervor, „sondern eine komplett neue Generation von mobilen Internetgeräten, die das klassische Notebook-Geschäft kaum beeinflussen wird.“ Geringes Gewicht – kaum 1 Kilogramm wiegt der Eee-PC – und möglichst einfach in der Benutzung, ohne besondere Vorkenntnisse besitzen zu müssen, das ist das Konzept des Eee-PC. Dafür stehen auch die drei Buchstaben: „Easy to Learn, Easy to Work, Easy to Play“.

„In seiner Art ist der Eee-PC meines Wissens zur Zeit einzigartig“, sagt Hintemann. „Aber er steht natürlich im Wettbewerb mit anderen Geräten, die einem ähnlichen Zweck dienen – wie zum Beispiel Einstiegs-Notebooks im unteren Preissegment, teureren (und großzügiger ausgestatteten) Ultra-Leicht-Notebooks oder Taschencomputern, sogenannten PDAs.“ Der abgespeckte Billig-Laptop soll neue Käufergruppen ansprechen, die bisher nicht an einen Notebook-Kauf gedacht haben wie zum Beispiel Schüler oder Auszubildende, deren Geldbeutel nicht immer so üppig gefüllt ist. Doch der Preis allein überzeugt nicht unbedingt alle: Manch einer ist skeptisch, ob er ausgerechnet sein Kind vor ein derart kleines Display setzen würde, damit es daran seine Hausaufgaben macht.

Verschärft sich jetzt der Preiswettbewerb?

Der Chef des deutschen Marktführers hinterfragt zudem die Wirtschaftlichkeit der neuen Billig-Angebote: „Es widerspricht dem Gesetz der Wirtschaft, gleiche Leistung zu viel niedrigeren Preisen anzubieten.“ Über die Marge der neuen abgespeckten Notebooks kann deshalb nur spekuliert werden. Schweden will hierzu keinen Kommentar abgeben. Der Bitkom-Fachmann Hintemann vermutet, dass „die Marge sich vermutlich in der gleichen Größenordnung befinden wird wie bei anderen Notebooks und PCs auch.“

Mit einem verschärften Preiswettbewerb wird nicht gerechnet: „Die Kunden achten viel stärker auf den Rundum-Sevice, den sie beim Kauf, der Beratung und bei der Wartung erfahren“, sagt Wysuwa. Hierüber werde man sich zukünftig im Markt unterscheiden. „Die Schlacht wird nicht mehr nur an der Preistheke gefochten“, gibt sich Wysuwa überzeugt.

Zudem wachsen die Ansprüche der Computeranwender: leistungsstark und funktionell sollen die kleinen mobilen Rechner sein und schön hübsch. „Es ist eher nicht davon auszugehen, dass sich der Preisdruck auf dem Notebookmarkt noch deutlich verstärkt“, bestätigt Hintemann. „Auch heute existiert schon ein hoher Preisdruck im Notebook-Markt.“ Ein Blick auf die Preise gibt ihm Recht: Voll ausgestattete Einstiegsnotebooks gibt es schon für weniger als 500 Euro.

Neue Dynamik könnte allerdings aufkommen, wenn Jepsen ihr Notebook für 75 Dollar vorstellt. Ende dieses Jahres soll es in die Läden kommen. Die Branche beobachtet die Entwicklungen genau, gibt sich allerdings noch gelassen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Archiv

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