Langzeitarchivierung: Man kann mühelos ein 300 Jahre altes Buch lesen

Langzeitarchivierung

Das digitale Daten-Desaster

Alles vergänglich und unzulänglich: Das wohl wichtigste Versprechen des Digitalzeitalters wurde gebrochen. Die Tücke digitaler Technik ist ihre begrenzte Haltbarkeit. Wie man dem Verlust seiner privaten Daten begegnen kann. Von Michael Spehr

Lesermeinungen zum Beitrag

05. Juli 2008 18:00

"eigene Dateien" sind nicht alles

Andreas Frick (Hephaistos)

noch eine Ergänzung: In "Eigene Dateien" speichert Windows nicht alle benutzerspezifischen Daten. Jeder Benutzer hat auch noch einen Profilordner, in dem Einstellungen, die E-Mails etc. landen. Außerdem landen dort auch Cache und Index Dateien, die eigentlich nicht gesichert werden brauchen. Hier offenbart sich ein riesiges Defizit beim Design der Datenhaltung: Eigentlich sollten die ganzen Cache und Hilfsdateien, die nur der schnelleren Verwaltung dienen, in einem eigenen Verzeichnis liegen, das man dann von der Sicherung ausnehmen kann. Dem ist aber leider nicht so, sondern alles wird munter durcheinandergespeichert. Das erschwert es ungemein, Ordnung zu halten und das zu sichern, was wirklich wichtig ist.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 18:44

Noch mehr Ergänzungen

Andreas Frick (Hephaistos)

Der Autor hat ganz richtig hervorgehoben, man solle sich bei der Archivierung auf offene Formate verlassen. Microsofts Office XML ist zwar offengelegt, aber die Spezifikation ist so umfangreich, daß nicht einmal Microsoft sie vollständig implementiert hat. Andere Implementationen gibt es nicht, und sie sind aufgrund des Umfanges nicht zu erwarten. Sie hat außerdem Fehler und Inkonsistenzen. Das war ein Finte, um Offenheit vorzutäuschen mehr nicht. Wer das verarbeiten will, braucht Microsoft Produkte. Also Finger weg, wenn man davon nicht abhängig sein will. Acrobat ist auch nur in Teilen offengelegt, aber es gibt viele Programme, die das gut unterstützen. Man kann die Dokumente gegen Änderungen schützen und digital unterschreiben, dafür braucht es aber teure Programme. Mails kann man im mbox Format archivieren, außer Microsoft Exchange kommt damit fast jedes E-Mail Programm zurecht. Es gibt auch noch andere offene Standards dafür. Viele Digitalkameras liefern von Haus aus JPEG, man sollte die Bilder vor der Bearbeitung archivieren, weil die Dateien bei der Bearbeitung immer wieder neu komprimiert werden, was Qualität kostet. Verlustloses Beschneiden geht übrigens mit jpegcrop. Die RAW-Formate sind fast alle nicht wirklich offen.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 16:56

Alles nicht so einfach wie Autor und Kommentatoren sich vorstellen

Sophia Orti (rum)

Alte Magnetbänder können einfacher zu lesen sein, wenn man das Gerät hat, als neuere 5 1/4 Zoll Disketten, wenn die Formatierung unbekannt ist. Selbst Textdateien im alten, einfachen "Standard" Namens Hit können einen Kopfschmerzen verursachen. Wenn Behörden Verordnungen für ihre Arbeit mit Papier haben, desto mehr sollten sie solche für ihre Arbeit mit Rechnern haben. Leider werden sie oft von Softwarefirmen mit ihren ja so tollen Produkten geblendet, die angeblich alles vorsehen.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 14:57

ISO-Standards

Jürgen Pöschel (machobbes)

Mich erstaunt etwas, wie hier ohne jede Kommentierung OOXML, also Open Office XML, als zweiter ISO-Standard neben ODF deklariert wird. Dem ist nicht so! Die Angelegenheit ist nach diversen Einsprüchen bekanntlich immer noch in der Schwebe, und niemand sollte zum jetzigen Zeitpunkt OOXML als akzeptierten Standard betrachten. MacHobbes

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 14:53

Ein paar Ergänzungen: Speichermedien

Andreas Frick (Hephaistos)

Nur um mal kurz das Problem der physikalischen Speicherung zu vertiefen: Bei DVDs gibt es auch große Unterschiede zwischen den Formaten. DVD-RAM hat ein Defektmanagement und viele andere Vorzüge gegenüber den normalen R und RW Formaten. Deshalb sind die Medien auch viel teurer. Leider haben aber die meisten Computer von Hause aus keinen Brenner an Bord, der diese Medien beschreiben kann. Als Alternative gab es auch die sehr zuverlässigen magnetooptischen Laufwerke samt passenden Medien. Weil die Laufwerke relativ langsam und das Ganze im Vergleich zu DVDs etc. viel teurer war, brach der Absatz ein und die Laufwerke sind außer in Japan nur noch gebraucht erhältlich. Die Medien gibt es aber noch neu. An meinem alten Mac habe ich so ein Laufwerk, die Medien werden wie eine Festplatte erkannt und für inkrementelle Backups ist das ein gute und vor allem sehr sichere Lösung. Da man evtl. mal das Speichermedium wechseln muß, empfiehlt es sich, alte Daten in Archivformate zu packen, die eine Verifikation des Inhalts zulassen und die Daten dabei komprimieren, so daß man sogar Platz spart. Dann merkt man wenigstens, ob die Daten noch integer sind oder nicht. Die Archive kann man dann wieder auf neue und andere Datenträger kopieren.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 14:29

@Koch

Sven Michaelsen (Der_kleine_Amrumer)

Ach und Cds, Festplatten und Rechner können nicht brennen? Zumindest für Festplatten und Rechner ist ebenfalls der Wassereinsatz nicht zu empfehlen. Fragen Sie doch mal Ihre Frau ob sie nicht noch eine Handtasche hat mit den praktischen Magnetschnappverschlüssen. die werden vom Hersteller gern auch mal so ausgewählt, dass es wohl gilt einen Supertanker anzuziehen. Jetzt nur noch schnell die Kreditkarte einpacken nebst der Festplatte und das war es dann mit der elektronischen Kauffreiheit nebst Urlaubserinnerung. Jaja, wer schreibt der bleibt, und das geht nun mal am besten auf Papier (oder ähnlichem) oder in Stein.Der jeweilige Vorteil ist der Nachteil des anderen. Papier kann man überall hin mitnehmen, dafür geht es schnell verloren (Diebstahl). Stein nimmt man nicht so schnell weg, aber dafür steht der dann eben 4000 Jahre in Ägypten rum.... Wie wohl eine 4000Jahre alte CD aussieht?....

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 12:00

"und sie (PDFs) sind nicht ohne weiteres zu manipulieren" - falsch

thomas schulz (peanutbutter)

Mit Illustrator (ab v9.0) aus der Creative Suite ist es ein Kinderspiel, jedes PDF, unabhängig welche Applikation sie erzeugt hat und welches OS verwendet wurde (Freehand ist die einzigste mir bekannte Ausnahme), als EPS mit allen Elementen manipulierbar zu öffnen. Selbst die Verwendung von spot colors oder Effekte von photoshop oder Videosoftware bereiten keine Schwierigkeiten. Vorraussetzung allerdings ist, daß alle Elemente (links, fonts etc.) unkomprimiert und embedded (mir fällt keine passende deutsche Übersetzung ein) sind. Ab dem Jahr 2000 baten wir alle Klienten, ihre files als high resolution (<=1200di für Imagedaten) PDFs zu liefern. Ich konnte sie dann entweder auf unseren PCs oder auf MACs bearbeiten, bevor sie wiederum als PDFs an die Druckereien oder Printshops weitergeleitet wurden. JPEGs wurden nur dann akzeptiert, wenn das Ausgabegerät maximal Bildschirmqualität ermöglicht (30-65 dpi) und der Text >=12pts war. In der Praxis wurden sie ausschließlich im Bereich Webdesign verwendet, wofür das Format letztendlich auch entwickelt wurde. Für mich kommt nur die Archivierung (CDs/DVDs als .iso) auf HDs oder SSDs (extern oder intern) in Frage. In mehr als 14 Jahren habe ich keinen einziges bit an Daten verloren.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
02. Juli 2008 09:37

Zwei Ergänzungen zu Mail und Filmen

Erich Weichselgartner (wga)

Ein recht guter Artikel, hier zwei Ergänzungen zu Mail und Filmen: 1) Bei Thunderbird und ähnlichen Unix-Mail-Derivaten werden die E-Mails als ASCII-Text abgelegt. Man kann also die Mail-Ordner sichern. Eine Alternative sind die Import-Export-Tools (http://www.erweiterungen.de/detail/155/), die zum Beispiel den Export nach HTML erlauben. Auch das sollte zukunftssicher sein. 2) Bei Filmen ist das Äquivalent zu mp3 das Format DivX. Auf eine 500 GB Festplatte passen ca. 500 90-Minuten Filme in voller Länge. DivX steht als Xvid kostenlos mit beachtlicher Qualität zur Verfügung.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
01. Juli 2008 21:22

Langzeitarchivierung

Herbert Koch (Herbert_Koch)

Der Autor verschweigt saures Papier und Papierlöcher z.B. bei J.S.Bachs Noten, verursacht durch schlechte Tinte, Feuer und Löschwasser sind auch nicht zu vergessen!

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
01. Juli 2008 21:13

Für Langzeitarchivierung keine Alternative zu jpeg? was für ein unsinn.

ed lumen (ed_lumen)

"Für die Langzeitarchivierung gibt es keine Alternative (zu jpeg), wenngleich anspruchsvolle Fotografen ihre Aufnahmen im Rohdatenformat Raw sichern." wie kann herrn spehr denn entgangen sein, daß es nicht nur das unkomprimierte .tif gibt, sondern auch das standardisierte rohdatenformat .dng, welches genau die monierte inkompatibilität der diversen raws beendet. allerdings: man muß sich die mühe machen, es einzusetzen, dh. die daten zu konvertieren. noch. und auch bei audiodateien hätte .wav als unkomprimierte erwähnung bedurft. nur über solche qualitätsdaten hat man schließlich eine 1:1-kopie des originals vor sich. jpegs/mpegs etc komprimieren, und das bei jeder neuspeicherung erneut. auch diese banalität darf in einem solchen basictext gegen die leichtfertigkeit der user durchaus erwähnung finden.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
01. Juli 2008 18:15

Film (Mikrofilm) ist wahrscheinlich besser als Papier

Sophia Orti (rum)

>>Bibliotheken, Archive, Unternehmen, Behörden, Medien und Universitäten müssen sich schon lange mit dem Problem auseinandersetzen, dass nicht einmal 30 Jahre alte digitale Informationen für immer verloren sind<< --- Leider tun sie es kaum. Das 21. Jahrhundert wird finsterer als das 12. sein.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
1 - 11 von 11 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche