
>Aber gab es in der "investigativen" ct eigentlich mal einen kritischen Bericht > über große Anzeigenkunden wie 1 und 1? Ja, siehe vorletzte c't, Artikel ab Seite 92: http://www.heise.de/ct/08/22/006/ Uebrigens im selben Heft, in dem DSL Angebote getestet werden! Ich persoenlich bin von der Unabhaengigkeit der c't ueberzeugt. Und das ist in einem Markt, wo sonst ueber Anzeigen Testergebnisse gekauft werden. Ein tolles Alleinstellungsmerkmal fuer die c't. Ueber das Thema wunsche ich mir uebrigens mal einen "investigativen" Artikel von zB ARD Monitor. Ethisch ist das genauso bedenklich wie "normal" Bestechung. >Wie kann z.B. ein Verlag, der selbst Geld mit der ct verdient, so gegen die böse >Musikindustrie wettern, wenn sie ihre Leistungen schützen will? Ja, stimme ich teilweise zu. Bei manchen Artikeln fehlt mir der Hinweis, das auch die Mitarbeiter der Musikindustrie und Spieleindustrie Ihre Familien ernaehren mussen und das jedes unerlaubte Kopieren rechtlich und ethisch unzulaessig ist. Anderseits sind viele Kritkpunkte der c't angemessen: CD's die nicht im Autoradio spielen, keine oder ueberteuerte Online-Angebote, rechtlich falsche Verwendung von "Raubkopie". Resume: c't, bleibe uns erhalten!

Ich wollte damals bei meiner Diplomarbeit auch aktuelle Quellen benutzen, welche deren Inhalt noch nicht in Buchform gegossen war. Die c't hatte einen Artikel, der zu meinem Thema passte. Wegen der Vorgaben für Zitate in wissenschaftlichen Arbeiten habe ich meine Professorin gefragt. Die meinte, dass bei Zeitschriften meistens nicht der Autor eines Artikels bekannt sei. Bei der c't kein Problem, da der Redakteur immer dabei steht. Auch der Anspruch des Artikels war mehr als angemessen.

Negative Kritik ist weder ein Indiz intellektueller Großartigkeit noch erforderliches Mittel einer Darstellung. Danach bei geringer Kenntnis der Materie (reflexhaft ?) zu verlangen, mag üblich sein, geht hier aber fehl. Wo ist Ihnen denn eine "Schonung" großer Anzeigenkunden aufgefallen? Gerade die Berichterstattung der c't über den von Ihnen genannten Anbieter "1&1" kann als Gegenbeispiel dienen:sie war an Deutlichkeit und Schärfe kaum zu übertreffen. Machen Sie sich mal die Mühe und sehen Sie sich die Ausgaben der Jahre 2005/06 an. Was verstehen Sie unter "widersprüchlicher Meinungsmache" ? "Meinungsmache" zeichnet sich gerade durch das "Glattbügeln" jeglicher Widersprüche und das sklavische "Halten einer Linie" aus (vgl. Tagesschau :-). Oder meinten Sie "ausgewogene Berichterstattung" ... ? Eine kritische Darstellung der "inneren Sicherheitspolitik" ist (noch?) nicht verboten- vielmehr als Gegenpol zum gebetsmühlenartigen "wer nichts zu verbergen hat, braucht nichts befürchten" dringend erforderlich. Dies ergänzt um technischen Sachverstand ist sonst kaum zu finden. Die c't sollte sich Standpunkte der Musikindustrie zu Eigen machen? Die c't beweist, daß sich Qualität gut verkauft; die MI den Beweis des Umkehrschlusses.

Dieser Artikel stellt mit seinen kritischen und reflektierenden Passagen eine wahre journalistische Glanzleistung dar, für die ich die FAZ abonniert habe. Vor 25 Jahren hätte der Artikel vielleicht noch auf das beschriebene Objekt gepasst. Mittlerweile kommt mir die einäugige Zeitschrift vor wie ein Schatten ihres einstigen Ruhms und Anspruchs, den sie wie eine Monstranz vor sich und ihren blinden Konkurrenten her trägt. Die Realität sieht längst anders aus. Die Kompetenz scheint klar auf der Hardware zu liegen, schon bei Software wird es schwächer. Aber gab es in der "investigativen" ct eigentlich mal einen kritischen Bericht über große Anzeigenkunden wie 1 und 1? Da im Artikel auch heise.de erwähnt wird, wäre auch ein Hinweis auf die Fehlleistungen und zweifelhafte, politische, geradezu zensierte und widersprüchliche Meinungsmache angebracht. Anti-Schäuble, Anti-Musikindustrie, Anti-Softwarepatente, Anti-Microsoft, Anti-China usw. Wie kann z.B. ein Verlag, der selbst Geld mit der ct verdient, so gegen die böse Musikindustrie wettern, wenn sie ihre Leistungen schützen will? Soll Heise die ct doch kostenlos zum PDF-Download bereit stellen und allen zeigen, wie das kreative neue Geschäftsmodell sich bewährt.

Ich würde mich oft freuen, wenn etwas des Geistes dieser Zeitschrift in "Technik und Motor" zu finden wäre (und auch im Rest der Zeitung). Die Berichte in T&M sind ja ganz nett, aber in vielen Fällen einfach Werbtexte ohne eine kritische Grundeinstellung. Die FAZ kann nicht wirklich testen, aber vieles kann man mit etwas gutem Willen, gesundem Menschenverstand und etwas Bastelei und Spielerei auch schon so rausfinden. Ich lese die c't seit 15 Jahren und wünschte mir sehr, es gäbe mehr Zeitschriften dieses Schlages.