Schwimmen

Die vollendete Verwandlung von Britta Steffen

Von Cai Tore Philippsen, Peking

Guck mal, Gold!

Guck mal, Gold!

17. August 2008 Die Geschichte von Britta Steffen ist die Geschichte einer Verwandlung. Die Geschichte von einem Teenager, dem größten Talent des deutschen Schwimmsports, den jedes Mal auf dem Startblock Selbstzweifel plagen. Von einer jungen Frau, die im Training und in den Vorläufen allen davonschwimmt, nur um im Endlauf wieder dem Erfolgsdruck nicht standhalten zu können.

Sydney und Athen waren Enttäuschungen, Britta Steffen hatte ihre Karriere schon abgebrochen und sich dann doch noch einmal durchgerungen weiter zu schwimmen. Und nun im Alter von 23 Jahren endlich den großen Durchbruch gefeiert. Nach Gold über 100 Meter Freistil siegte Britta Steffen am Sonntag auch über 50 Meter Freistil, ist damit die schnellste Frau im „Water Cube“.

Hoffnung auf eine Medaille schon aufgegeben

Doch bevor sie zweimal auf das Siegerpodest steigen und die deutsche Nationalhymne hören durfte, wiederholte sich in einer Woche Peking ihre ganze, lange Schwimmgeschichte noch einmal im Zeitraffer. Nach dem Staffelrennen waren die Zweifel wieder da, wie kann ich in diesem Feld nur mithalten. Nach dem 100 Meter Freistil Vorlauf sagte sie, die Hoffnung auf eine Medaille hätte sie ohnehin aufgegeben. Nach dem Halbfinale sah sie dann doch wieder Möglichkeiten, denn die anderen Frauen schwammen Zeiten, die sie auch erreichen konnte. Dann kam das Finale am Freitag und die erste Goldmedaille.

Dass es eine Geschichte mit einem Happy End ist, liegt auch daran, dass Britta Steffen in den letzten Jahren immer wieder das Training im Wasser hat ausfallen lassen, um mit der Psychologin Friederike Janofske arbeiten zu können. Sie spricht darüber ganz offen. „Wir haben 2000 und 2004 aufgearbeitet. Wir haben gesagt, ich bin leistungsfähig, ich bin stark. Wenn da nicht immer der Kopf gewesen wäre“, beschreibt sie das Mentaltraining. Auch in Peking sprach sie jeden Tag mit der Berliner Psychologin, die auch schon Franziska van Almsick betreut hatte.

Die letzten Meter gaben den Ausschlag

Wie stark sie ist, mussten auch die großen Favoriten über 50 Meter Freistil, Lisbeth Trickett (Australien) und die Amerikanerin Dara Torres, die das schnellste Halbfinale geschwommen war, erfahren. „Immer weiter, immer weiter“, sei ihr Motto auf der kürzesten olympische Distanz gewesen. Als sie sah, dass sie nach 25 Metern noch gut im Rennen war, habe sie ihre Zugfrequenz noch einmal erhöht. Und wie schon im 100-Meter-Freistil-Finale waren es die letzten Meter, die den Ausschlag für Britta Steffen gaben.

Eine Hundertstel Sekunde vor der 41 Jahre alten Dara Torres schlug sie gegen die Zeitmessmatte an der Wand. „Diesmal habe ich mich sofort umgedreht und riesig gefreut.“ 24,06 Sekunden standen dort, deutscher Rekord. Dara Torres (24,07) wurde Zweite, Weltrekordlerin Lisbeth Trickett kam nur auf Platz vier.

„Erst einmal in mich hinein horchen“

Die Siegerehrung und die Ehrenrunde vorbei an allen Fotografen hat Britta Steffen sichtlich genossen. „Es war nicht so schön wie bei den 100 Metern, aber auch sehr schön“, sagt sie. Der Freistilsprint war nur eine Zugabe, ihre Geschichte hatte ja schon mit der ersten Goldmedaille ein gutes Ende gefunden. Ob der 50 Meter Freistil Endlauf auch das Finale ihrer Karriere war, wollte Britta Steffen in Peking noch nicht sagen. „Ich weiß noch nicht, ob das das Ende ist, da muss ich erst einmal in mich hinein horchen und sehen was für Ziele es noch gibt.“

Das doppelte Gold für Britta Steffen ist der größte Erfolg einer deutschen Schwimmerin seit Kristin Otto 1988 in Seoul in der Blütezeit des DDR-Staatsdopings sechsmal Olympiasiegerin wurde.

Phelps will in London weitermachen

Noch lange nicht am Ende ist Michael Phelps, der nach seiner achten Goldmedaille mit der amerikanischen 4 x 100-Meter-Freistil-Staffel (3:29:34), gleich das Ziel verkündete, 2012 in London wieder auf den olympischen Startblock klettern zu wollen. Dabei hat er schon in Peking Sporthistorisches vollbracht. Insgesamt 14 Gold- und zwei Bronzemedaillen hat er in Athen und Peking gewonnen, mehr als jeder Olympionike zuvor. (Siehe: Acht Goldmedaillen: Mission Phelps ist erfüllt)

Und mit seinem achten Sieg am Sonntag ließ er den langen Schatten von Mark Spitz, der 1972 siebenmal Gold feierte, endlich hinter sich. „Ich wollte etwas schaffen, was niemand vorher erreicht hat“, sagte Phelps und die Statistiker haben schon die nächste Bestmarke ausgemacht, die der heute 23-Jährige in vier Jahren knacken könnte. Larissa Latynina erturnte zwischen 1956 und 1964 bei Olympischen Spielen 18 Medaillen (9 Gold - 5 Silber - 4 Bronze) für die Sowjetunion.

Phelps ist jeden Tag getestet worden

Mit 25 Weltrekorden wird Peking wohl als Höhepunkt in die Schwimmgeschichte eingehen, wenn nicht doch noch die große Dopingenthüllung kommt. Phelps ist jeden Tag im und außerhalb des Wettkampfes getestet worden. Dass kein Test positiv war, ist zwar kein Beweis seiner Unschuld, aber Beweise gegen ihn oder die vielen anderen Rekordschwimmer von Peking gibt es bisher auch nicht.

Dennoch bleiben Zweifel. Die jüngere Sportgeschichte beispielsweise mit dem Fall Marion Jones zeigt, dass außergewöhnliche Leitungen nicht immer nur außergewöhnliches Talent und hartes Training als Ursache haben. Am Schlusstag wurde Oussama Mellouli Olympiasieger über 1.500 Meter Freistil wurde. Der Tunesier war wegen Dopings 18 Monate gesperrt, seinen WM-Titel aus dem Jahr 2006 hat er wieder verloren.

Die Medaillen von Michael Phelps

Athen 2004
6 x Gold: 100 Meter Schmetterling, 200 Meter Schmetterling, 200 Meter Freistil, 400 Meter Lagen, 4 x 100 Meter Freistil, 4 x 100 Meter Lagen
2 x Bronze: 200 Meter Lagen, 4 x 200 Meter Freistil

Peking 2008
8 x Gold: 400 Meter Lagen, 200 Meter Schmetterling, 200 Meter Freistil, 4 x 100 Meter Freistil, 4 x 200 Meter Freistil, 200 Meter Lagen, 100 Meter Schmetterling, 4 x 100 Meter Lagen

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS

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