Edelmetalle

Wohlklingende Empfehlungen zum Kauf von Silber

Fast mehr Industrie- als Edelmetall wird Silber für viele Zwecke eingesetzt

Fast mehr Industrie- als Edelmetall wird Silber für viele Zwecke eingesetzt

25. April 2007 Für Silber wird derzeit wieder eifrig die Werbetrommel gerührt. Sein Preis werde bald spürbar steigen, heißt es. Gegenüber Gold beweise dieses Edelmetall „relative Stärke“. Das Hauptargument der Haussiers lautet wie so oft, Silber sei knapp, und es werde noch knapper. Dem hält die Gegenmeinung entgegen, die statistische Lage stütze diese These allenfalls bedingt, und es bestehe wegen sinkenden Verbrauchs im Bereich der Photographie sowie wachsender Bergwerksproduktion die Möglichkeit, dass das Angebot weiter zunehme.

Die statistische Situation ist bei Silber traditionell dürftig. Bis jetzt liegen als seriös anzusehende Zahlen nur bis 2005 vor. Daten für 2006 veröffentlicht das Silver Institute in Washington am 23. Mai. Diesen Bericht erstellt wie alle vorausgegangenen das von Gold her bekannte unabhängige Londoner Analyseinstitut GFMS.

Unaufhörliche Produktionsdefizite

Der Silbermarkt stand jahrzehntelang im Zeichen ständiger Produktionsdefizite. Daher schrumpften die Vorräte auf ein extrem niedriges Niveau, bis in den neunziger Jahren dann doch vereinzelt Produktionsüberschüsse entstanden. Sie waren eine Spätfolge der bislang beispiellosen Hausse in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, die im Januar beim Rekordpreis von gut 50 Dollar je Feinunze kippte und einer ebenso drastischen Baisse wich.

Abgesehen davon, dass im Zuge jener Hausse weltweit riesige Mengen Silber in Form von Schmuck, Gebrauchsgeräten und kulturellen Gegenständen zum Einschmelzen angeliefert wurden, nahmen die Investitionen in reine Silberbergwerke spürbar zu. Hinzu kam, dass auch die Gewinnung von Industriemetallen wie Kupfer, Blei und Zink, bei der Silber als Nebenprodukt anfällt, über die Jahre hinweg stark gewachsen ist. Entsprechend stieg das Angebot aus dieser Quelle. Dies bewirkte, dass die Serie der schier unaufhörlichen Produktionsdefizite brüchig und zuletzt tatsächlich gebrochen wurde.

Zunehmender industrieller Silberbedarf

Zum inzwischen erreichten Zustand hat die Nachfrageseite besonders in der jüngeren Vergangenheit beigetragen. Der Silberbedarf zur Herstellung von Filmen, der zu Beginn des Jahrzehnts fast 30 Prozent des industriellen Gesamtverbrauchs ausgemacht hatte, sinkt wegen der rasanten Verbreitung digitaler Verfahren rasch. Experten schätzen, dass er inzwischen bei weniger als 20 Prozent liegen könnte, mit weiter fallender Tendenz. Zunehmender industrieller Silberbedarf, der die Einbußen wettmachen könnte, ist nach Darstellung von Fachleuten nicht zu erkennen.

Mancherorts wird behauptet, die Nachfrage nach Silber zur Herstellung von Schmuck werde stark steigen, weil sich Platin erheblich verteuert habe und inzwischen auch der Preis für Palladium spürbar gestiegen sei. Ende März hatte das Silver Institute einen auf GFMS-Erkenntnissen basierenden Bericht vorgelegt, der sich mit dem Weltmarkt für Schmuck und Gebrauchsgegenständen aus Silber befasst. Darin wird für die nächsten Jahre eine moderate Zunahme des Bedarfs in diesem Bereich vorausgesagt. Diese Prognose steht jedoch unter dem Vorbehalt, dass der Silberpreis nicht stark steigt.

China als drittgrößter Silberproduzent

Zu den heiß diskutierten Themen am Silbermarkt zählt, wie sich die Verhältnisse in China entwickeln. Zum einen verkauft der Staat Silber aus seinen Reserven. Andererseits wächst der Bedarf im Binnenland ansehnlich. Sollten die Verkäufe aus den staatlichen Reserven dauerhaft eingestellt werden, könnte sich dies spürbar in der Weltbilanz bemerkbar machen. Anzumerken bleibt, dass China inzwischen nach Peru und Mexiko zum drittgrößten Silberproduzentenland aufgerückt sein und Australien von diesem Rang verdrängt haben soll.

Daneben richtet sich die Aufmerksamkeit auf jene börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds oder ETF), die in Silber investieren und die emittierten Zertifikate mit physischer Ware unterlegen müssen. Es wird von anhaltend regem Interesse an diesen Fonds berichtet. Allein der von Barclays begebene Fonds soll inzwischen rund 135 Millionen Unzen schwer sein. Dies ist deutlich mehr als das Dreifache der Menge, die 2005 für die Herstellung von Münzen und Medaillen verwendet wurde.

Bei starken Preissteigerungen könnten die Silberfonds zu einer ergiebigen Angebotsquelle werden, die den Markt vorübergehend mit physischer Ware zu überschwemmen in der Lage wären. Dass dies möglich ist, hat die zurückliegende Hausse bei Gold gezeigt. Als der Preis im Mai 2006 bei etwa 730 Dollar je Feinunze kippte, verkauften selbst Schmuckhersteller ihre Erzeugnisse zum Einschmelzen, weil sie so mehr erlösen konnten als über den Verkauf an ihre Kunden. Fachleute vermuten, dass die Verkaufsneigung bei Silber in einem solchen Fall noch ausgeprägter sein dürfte als bei Gold.

Text: F.A.Z., 26.04.2007, Nr. 97 / Seite 23
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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