Sportlich

Die Winterolympiade läßt die Börse kalt

13. Februar 2006 Die sportlichen Großereignisse dieses Jahres wie die am Wochenende begonnenen Olympischen Winterspiele und die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft lassen nicht nur das Herz der Sportbegeisterten höher schlagen.

An der Börse fiebern Banken und Anleger mit und versuchen, die wirtschaftlichen Gewinner der Wettkämpfe auszumachen. Neben Unternehmen der Medien- und Konsumelektronik und den zahlreichen Sponsoren der WM rückt dieses Jahr vor allem eine Branche in den Vordergrund: Die Sportartikelhersteller stehen bei den meisten Analysten hoch im Kurs.

Schon in den vergangenen Monaten hat die WM ihre Schatten vorausgeworfen - die Aktienkurse von Sportartikelherstellern wie Adidas-Salomon und Puma haben den Gesamtmarkt zumeist übertroffen. Auch klassische Wintersportunternehmen wie Head oder Amer haben zuletzt hinzugewonnen, allerdings aus anderen Gründen.

Kaufempfehlungen für Puma und Adidas

Den führenden Unternehmen der Sportartikelbranche wurde zuletzt von einer Vielzahl von Banken mit einer ebenso großen Vielzahl an Studien ein glänzendes Geschäft für das Sportjahr 2006 prophezeit. So bringe König Fußball zwischen 0,2 und 0,3 Prozent mehr Wirtschaftswachstum, sagten Volkswirte voraus. Vor allem bei fußballnahen Sportartikelherstellern wie Adidas zog das Geschäft mit dem runden Leder in der Tat in den vergangenen Wochen und Monaten an.

„Adidas hat bereits im Herbst Produkte wie einen WM-Ball auf den Markt gebracht. Diese Artikel verkaufen sich gut“, sagt Thilo Kleibauer von der Bank M.M. Warburg. Auch Puma-Vorstandschef Jochen Zeitz hatte sich zuletzt überaus optimistisch gezeigt: „Ich gehe davon aus, daß es eine Initialzündung gibt und nicht nur ein Strohfeuer.“ Kleibauer rechnet aber damit, daß sich der Umsatzschub durch die WM auf das zweite Quartal konzentriert und danach wieder abebbt.

Eine Mehrheit der Analysten ist zuversichtlich für beide Hersteller aus dem bayerischen Herzogenaurach, jeweils mehr als die Hälfte der bei der Finanzagentur Bloomberg gelisteten Beobachter empfiehlt, die Aktien zu kaufen. Derart zuversichtlich ist Kleibauer nicht, er rät, die Aktien zu halten. „Die positiven Effekte durch die WM sind schon eingepreist.“

Skepsis gegenüber speziellen Sport-Zertifikaten

Einige Banken haben die große Zuversicht angesichts der WM auch auf andere Branchen übertragen. So bieten beispielsweise die WestLB, Societe Generale und die Postbank Zertifikate, die sich nach den Aktienkursen der vermuteten WM-Profiteure - Unternehmen aus den Branchen Bau, Immobilien, Medien, Freizeit und Nahrungsmittel - richten.

J.P. Morgan läßt in einer zweijährigen Anleihe acht der Hauptsponsoren der Weltmeisterschaft gegen ihre Hauptkonkurrenten antreten. Kritiker sehen diese Art von Produkten allerdings skeptisch, weil die tatsächliche Wirkung der sportlichen Ereignisse auf die Kurse in den Verkaufsprospekten oft maßlos überschätzt werde.

Mit dem Beginn der Winterspiele in Turin sind auch die Skihersteller ins Rampenlicht gerückt. Doch verkauft der - nicht börsennotierte - Hersteller Burton wirklich mehr Snowboards, nur weil das amerikanische Ausnahmetalent Shaun White mit seinem Burton-Brett dank atemberaubender Sprünge in der Halfpipe die Goldmedaille holt?

Umsatzsprung bei Skiherstellern unwahrscheinlich

Nein, sagt Peter Bauernfried von der Bank Austria, „das hat eigentlich keine großen Auswirkungen“. Im Gegensatz zur Fußball-WM sei die Olympiade eine Marketing-Veranstaltung, die zwar einen generellen Werbeeffekt, aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Absatzzahlen habe.

Dennoch haben sich die Perspektiven der Skihersteller nach einer langen Durststrecke und einer Konsolidierungswelle etwas gebessert. Im vergangenen Jahr erwarb die finnische Amer den französischen Wettbewerber Salomon, die österreichische Stöckl kaufte Blizzard, und der amerikanische Surfkonzern Quicksilver schluckte den Marktführer Rossignol.

Seitdem stehen Kostensenkungen, steigende Gewinne und neue Produkte auf dem Programm. Und im Gegensatz zu den stagnierenden Umsätzen der Vorjahre rechnen Beobachter 2006 mit einem Marktwachstum von 2 bis 3 Prozent. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 für 2006 sei beispielsweise die finnische Amer noch recht günstig bewertet, sagt Bauernfried. Einen Umsatzsprung in der Branche werde es aber nicht geben, denn: „Die Zahl der Skifahrer ist und bleibt begrenzt.“



Text: da., F.A.Z., 14.02.2006
Bildmaterial: F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
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TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 +0,09
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