11. Juli 2006 Der Kölner Finanzvertrieb OVB Holding AG hält trotz des widrigen Marktumfelds an seinen Börsenplänen fest. Vom 17. Juli an werden rund 3 Millionen Aktien inklusive Mehrzuteilungsoption zur Zeichnung angeboten, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Die Erstnotiz ist für den 21. Juli geplant. Die Preisspanne soll erst am kommenden Wochenende bekanntgegeben werden. Aus den Angaben zum erwarteten Emissionserlös im Wertpapierprospekt läßt sich jedoch schließen, daß eine Aktie zwischen 18 und 26 Euro kosten dürfte. Auf dieser Basis könnte das Emissionsvolumen insgesamt rund 79 Millionen Euro betragen. Die Titel werden im Prime Standard plaziert, dem am stärksten regulierten Segment der Deutschen Börse.
Trotz des relativ geringen Volumens stößt der Börsengang in der Anlegerschaft auf Interesse, weil sich das Angebot an mobilen Finanzvertrieben an der Börse hierzulande bislang auf MLP und AWD beschränkt. Diese Unternehmen leben nahezu ausschließlich von den Provisionen für den Verkauf von Anlageprodukten wie Versicherungen und Fonds. Dabei gelten ihre Wachstumsaussichten wegen der zunehmenden Notwendigkeit privater Altersvorsorge als vielversprechend. Bei der Bewertung will sich die OVB mit ihren Konsortialbanken Sal. Oppenheim und HSBC Trinkaus & Burkhardt am Wettbewerber AWD orientieren. Die Aktie der Hannoveraner weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 auf Basis des für dieses Jahr geschätzten Gewinns aus. Angesichts eines Gewinns je Aktie von 1,01 Euro im vergangenen Jahr dürfte die OVB deshalb eher am unteren Ende der avisierten Preisspanne auf den Markt kommen. Immerhin bessert sich das Bild etwas durch die Ankündigung des Vorstands, in diesem Jahr ein zweistelliges Wachstum in Umsatz und Ergebnis erzielen zu wollen.
Großes Wachstum im Ausland
Die angebotenen rund 3 Millionen Aktien stammen zum überwiegenden Teil von Mitarbeitern der OVB, die in den vergangenen Jahren über Beteiligungsprogramme Anteile an dem Unternehmen erhielten. Diese Aktien seien nach Leistung vergeben worden und breit gestreut, sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Frahnert am Dienstag auf der Pressekonferenz zum Börsengang. 1,135 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung. Vor diesem Hintergrund wird der Hamburger Versicherungskonzern Deutscher Ring auch nach dem Börsengang die Mehrheit an der OVB besitzen. Des weiteren halten noch die Versicherer Volksfürsorge und Signal-Iduna eine Minderheitsbeteiligung. Der Streubesitz beträgt nach dem Börsengang zunächst gut 20 Prozent. Die Großaktionäre haben sich eine Haltefrist von zwölf Monaten auferlegt, das Management von sechs Monaten.
In den kommenden Tagen will Frahnert vor potentiellen Investoren vor allem mit der Positionierung seines Finanzvertriebs im europäischen Ausland punkten. Im vergangenen Jahr überstieg in der Unternehmensgeschichte das Provisionsaufkommen im Ausland mit 94,4 Millionen Euro erstmals den Provisionsumsatz im Inland (85,9 Millionen Euro). Dabei konnte das Wachstum im Ausland mit 35 Prozent den Einbruch des Geschäfts im Inland mehr als ausgleichen.
Früher Strukturvertrieb mit fragwürdigen Methoden
Der OVB gelang damit als einzigem deutschen Finanzvertrieb das Kunststück, nach dem Wegfall der steuerfreien Auszahlung aus neu abgeschlossenen Lebensversicherungen ein Wachstum auszuweisen. Insgesamt stiegen die Provisionserlöse 2005 um 3 Prozent von 177 auf 181 Millionen Euro. Das Konzernergebnis wuchs um 26 Prozent von 10,4 auf 13,1 Millionen Euro. Angesichts dieser Entwicklung verwundert es auch nicht, daß die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung vor allem beim Ausbau des Geschäfts in Mittel- und Osteuropa eingesetzt werden sollen. Inzwischen ist die OVB in 13 Ländern aktiv. Als nächstes Land soll die Ukraine hinzukommen.
Keinen Hehl macht Frahnert aus dem schlechten Ruf, unter dem sein Finanzvertrieb in Deutschland leidet. Er spricht von Altlasten. Nach der Gründung des Unternehmens vor 36 Jahren durch Otto Wittschier fiel das Unternehmen als Strukturvertrieb mit teilweise fragwürdigen Verkaufsmethoden auf. Inzwischen soll es aber zwischen Wittschier und der OVB keinerlei Berührungspunkte mehr geben.
Wie schwierig das Marktumfeld ist, in dem die OVB an die Börse strebt, war erst vor gut einer Woche am Beispiel des Maschinenbauers Wacker Construction zu besichtigen. Dieser verschob den angekündigten Börsengang kurzfristig mit der Begründung, daß derzeit keine angemessene Bewertung zu erzielen sei. Zuvor hatten Klöco und Demag Cranes den Sprung an die Börse nur geschafft, weil sie ihre Preisvorstellungen während der Zeichnungsphase nach unten korrigierten.
Text: sfu., F.A.Z., 12.07.2006, Nr. 159 / Seite 21
Bildmaterial: OVB
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +3,63 | +6,05 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,29 | +5,12 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | +4,25 | +3,89 |
| BASF SE INHABER - AK | -0,10 | -0,25 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,01 | +0,01 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | +0,29 | +0,40 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.420,54 | +1,57 |
| TecDax | 825,22 | +0,97 |
| DowJones | 11.715,18 | +1,85 |
| Nasdaq | 2.411,64 | +1,22 |
| STOXX 50 | 3.359,42 | +1,83 |
| Nikkei 225 | 12.768,25 | +0,12 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +1,03 |
| Euro/Dollar | 1,47 | -0,06 |
| Bund Future | 114,30 | -0,05 |
| Gold | 833,20 | +0,01 |
| Öl | 114,45 | -1,55 |