Rohstoffmarkt

Ölpreis im Aufwind

03. Juli 2007 Rohöl ist so teuer wie seit elf Monaten nicht mehr. Ein Barrel (rund 159 Liter) der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate kostete am Dienstag in New York rund 71 Dollar. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Preisanstieg damit auf 16 Prozent. Fachleute rechnen vorerst mit weiter steigenden Ölnotierungen, nicht zuletzt, weil die Reisesaison beiderseits des Atlantiks gerade erst begonnen hat. Der Treibstoffbedarf ist in dieser Zeit höher als sonst üblich, was sich in der Regel preistreibend auf den Ölpreis auswirkt.

Wird Öl teurer, dann spüren dies freilich auch die Verbraucher: Denn die Kosten für Ölprodukte wie Benzin und Heizöl steigen ebenfalls. So haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Tankstellenbetreiber den höheren Ölpreis zum Anlass genommen, die Treibstoffpreise wieder anzuheben - nach einer Phase der Entspannung im Juni. Im Vormonat seien die Benzinpreise an den deutschen Tankstellen im Vergleich zum Mai gesunken, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband. Ein Liter Super habe im Juni im Monatsdurchschnitt rund 1,38 Euro je Liter gekostet. Das waren zwar 1,1 Cent weniger als im Mai, aber 11 Cent mehr als noch zu Jahresbeginn.

Die Nachfrage nach Rohöl nimmt stetig zu

Einen kleinen Trost gibt es: Verbraucher im Dollar-Raum sind vom steigenden Preis für Öl, das in Dollar gehandelt wird, noch stärker betroffen. Hierzulande wird der Preisanstieg durch die Aufwertung des Euro abgemildert. Allein seit Jahresbeginn hat die europäische Währung gegenüber dem Dollar 3 Prozent an Wert gewonnen, was die Ölpreiszunahme aus der Sicht eines Europäers um ebendiesen Prozentsatz abfedert. Sein Rekordhoch erreichte der Ölpreis fast genau vor einem Jahr. Die Sorte WTI kostete damals 78,40 Dollar. Das sind 10 Prozent mehr als heute.

Als Gründe für den jüngsten Ölpreisanstieg gelten die fundamental angespannte Situation und auch technische Faktoren. Die Weltwirtschaft wächst kräftig. Die Nachfrage nach Rohöl nimmt stetig zu. Während aber die hohen Ölpreise in den Industrieländern die Nachfrage dämpften, wachse der Ölbedarf in Asien deutlich, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Der wachsenden Nachfrage steht ein Ölangebot gegenüber, das ohnehin begrenzt ist und in diesem Jahr geringer ausfallen dürfte als erwartet. Analysten von Barclays Capital werten den im saisonalen Vergleich deutlichen Rückgang der Ölbestände in den Vereinigten Staaten und den erdölfördernden Staaten (Opec) als Beweis für die angespannte fundamentale Situation im Ölhandel.

Schwelende Atomstreit belastet den Ölhandel

Falls es die Opec nicht schaffen sollte, die Ölförderung im Gleichschritt mit dem steigenden Bedarf anzupassen, könnte dies im zweiten Halbjahr zu einer spürbaren Verknappung auf dem Ölmarkt führen. Auch geopolitische Risiken treiben den Ölpreis immer wieder in die Höhe. Der schwelende Atomstreit mit Iran belastet den Ölhandel nach wie vor. Es droht die Gefahr kurzfristiger Lieferausfälle wie in Nigeria. In dem größten Ölförderland Afrikas sind zwar Streiks gerade beigelegt worden, aber die militärischen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und bewaffneten Gruppen gefährden die Ölförderung weiterhin.

Zur Begründung für steigende Ölnotierungen werden auch charttechnische Faktoren angeführt. Im Fokus der Analysten steht vor allem das in London gehandelten Brent-Öl, das am Montag in der Spitze auf rund 72,70 Dollar je Barrel geklettert ist, den höchsten Stand seit August des vergangenen Jahres. Charttechnisch orientierte Analysten sprechen von einem Ausbruch nach oben hin. Barclays Capital nennt als nächstes Preisziel die Marke von 76,95 Dollar.

Raffinerien arbeiten unter ihrer Kapazitätsgrenze

Auf dem Benzinmarkt zeigt sich ebenfalls Knappheit. Die Vorräte an Benzin sind im langjährigen Vergleich sehr niedrig. Da die Reisezeit in den Ländern auf der nördlichen Halbkugel erst an ihrem Anfang stehe, könnten in den nächsten sechs bis acht Wochen bei weiterhin reger Nachfrage sowohl auf dem amerikanischen Markt als auch in Westeuropa Versorgungsengpässe entstehen, befürchten daher Fachleute. In Amerika ist die Ursache für die geringen Benzinvorräte seit langem bekannt: Die dortigen Raffinerien arbeiten seit Monaten deutlich unter ihren Kapazitätsgrenzen.

Zuletzt lag die durchschnittliche Auslastungsrate nach amtlichen Angaben bei weniger als 90 Prozent, weil die Margen nicht attraktiv genug sind, um mehr Öl zu verarbeiten. Auf dem amerikanischen Benzinmarkt wäre es vielleicht schon zu Versorgungsschwierigkeiten gekommen, wenn die Importe unter anderem aus Westeuropa nicht spürbar zugenommen hätten, heißt es im Handel. Auch bei Heizöl und Diesel sind die Vorräte sehr gering.

Text: kpa. / hi. / F.A.Z., 04.07.2007, Nr. 152 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.

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