05. Mai 2007 Die Aktionäre haben in dieser kurzen Handelswoche so viel Dividende bekommen, dass sie mit der Summe entweder die halbe Commerzbank, die ganze Postbank oder zweimal den TUI-Konzern kaufen könnten. 12 Milliarden Euro haben allein die vier Dax-Konzerne Allianz, Altana, Telekom und Eon nach dem Ende ihrer Hauptversammlungen den Aktionären überwiesen. Entsprechend schlug bei den Kursen dieser Werte dann am Tag nach der Hauptversammlung ein Abschlag zu Buche.
Am gravierendsten war der Dividendenabschlag bei Altana. Das Unternehmen aus Bad Homburg hat im vergangenen Jahr seine Pharmasparte verkauft, die für zwei Drittel des Konzernumsatzes stand. Den Verkaufserlös von 4,5 Milliarden Euro kehrte Altana jetzt an die Aktionäre aus. Die Ausschüttung von 34,80 Euro je Aktie führte dazu, dass der vor der Hauptversammlung am Donnerstag gut 50 Euro betragende Aktienkurs am Freitag abstürzte – bis auf 16,80 Euro. Im Handelsverlauf erholte sich der Kurs indes kräftig bis auf rund 21 Euro.
Anleger müssen die Dividende versteuern
Ende April war die Altana-Aktie bis auf 56,80 Euro geklettert – einen mehrjährigen Höchstwert. Doch mit Nahen der Hauptversammlung setzte eine Abwärtsbewegung ein. Markus Mayer, Aktienanalyst der Hypo-Vereinsbank, spricht von einem Kurs-Krimi und massivstem Druck, dem die Aktie in den vergangenen Handelstagen ausgesetzt gewesen sei. Der Grund hierfür war die Besteuerung der hohen Dividende und das durch die Dividendenausschüttung verringerte Gewicht von Altana im Dax“, sagt Mayer.
Tatsächlich war die hohe Dividende von Altana auf Kritik gestoßen. Einige Aktionäre hätten es lieber gesehen, wenn der Nettoerlös aus dem Verkauf der Pharmasparte nicht als Sonderdividende ausgeschüttet, sondern in ein Aktienrückkaufprogramm gesteckt worden wäre. Denn die Anleger müssen die Dividende versteuern.
Manche Anleger greifen mit neuer Lust zu
Ein Privatanleger, der vor der Hauptversammlung 50 Altana-Aktien im Wert von damals 2500 Euro besaß, hat nun auf einen Schlag eine Ausschüttung erhalten, die seinen jährlichen Sparerfreibetrag für halbe Dividendeneinnahmen und volle Zinsen auffrisst. Alle Kapitaleinkünfte, die darüber hinaus in diesem Jahr noch auf seinem Konto eingehen, muss der Privatanleger mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Ausländische Kapitalgesellschaften wie Fonds können sich – anders als inländische – die auf die Ausschüttung gezahlte Kapitalertragsteuer von 20 Prozent vom deutschen Fiskus oft nicht zurückholen“. Sie hatten einen Anreiz, die Sonderausschüttung von Altana zu vermeiden, indem sie die Altana-Aktie am Tag der Hauptversammlung oder vorher verkauft haben.
Andere Anleger haben bis zur Dividendenzahlung mit dem Aktienkauf gewartet und greifen nun, nachdem die Last der Dividende von den Papieren abgefallen ist, mit neuer Lust zu. Dies könnte zumindest ein Grund sein, warum am Freitag am Tag nach der Hauptversammlung nicht nur der Altana-Kurs, sondern auch der von Eon und Deutscher Telekom weniger stark nachgab, als die Dividende betragen hat. Bei Altana kamen eine ganze Reihe positiver Analystenstimmen hinzu.
Der Nachrücker für Altana scheint festzustehen
Die für den Gesamtmarkt skeptische WestLB erhöhte das Kursziel für die neue, allein auf die Chemie konzentrierte Altana von 11,76 auf 15,70 Euro. Die HVB gab als neues Kursziel immerhin 22,20 Euro aus. Dabei wird die hohe Ausschüttung für Altana weitere Konsequenzen haben. Die Deutsche Börse AG wird wohl am 5. Juni den Abstieg von Altana aus dem Dax in den M-Dax beschließen. Denn Altana hat mit weniger als 3 Milliarden Euro nun einen so geringen Börsenwert, dass das Unternehmen nicht mehr unter den größten 45 deutschen Aktiengesellschaften ist. Deshalb muss Altana nach den Regeln der Börse sofort aus dem Dax verschwinden (fast exit“) Der 15. Juni, an dem der Abstieg Altanas in den M-Dax nach Börsenschluss vollzogen wird, ist damit vor allem unter Prestigegesichtspunkten ein bitterer Tag für das Unternehmen, das dem Dax seit September 2002 angehört.
Der Nachrücker für Altana scheint festzustehen. Wenn die Merck KGaA nicht noch Ziel einer Übernahme wird, wird sie für Altana in den Dax aufrücken“, sagt Christian Stocker, Aktienstratege der HVB. Zwar erfülle auch die Depfa Bank die Aufstiegskriterien. Der Pharmakonzern Merck liege jedoch beim entscheidenden Kriterium Marktkapitalisierung eindeutig vor der Depfa Bank.
Text: ham., F.A.Z.
Bildmaterial: AP
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,27 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 880,97 | -0,85 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |