Kreditausfallversicherungen

Entspannung auf den Kreditmärkten

Von Stefan Ruhkamp

27. August 2007 Wenn die Finanzkrise einer fiebrigen Erkältung gleicht, dann sind Credit Default Swaps wie ein Thermometer. Die handelbaren Kreditausfallversicherungen sind liquider als der Anleihemarkt und reagieren deshalb besonders schnell auf Ereignisse und Spekulationen. Zuletzt sind die Prämien, die für solche Versicherungen zu zahlen sind, deutlich gefallen. Am Montag ging es - nicht zuletzt wegen des möglichen Verkaufs der in Schwierigkeiten geratenen Sachsen LB an die stabile LBBW - weiter voran.

Der Itraxx Crossover, ein Index für 50 wackelige europäische Unternehmensschuldner, wurde mit 315 bis 320 Basispunkten gehandelt. Auf dem Höhepunkt der Verunsicherung waren es mehr als 500 Basispunkte. Auch Versicherungen für das Risiko, das Banken ausfallen, sind günstiger geworden. Doch Analysten warnen vor einer zu frühen Entwarnung und befürchten weitere Rückschläge.

Risikoprämien durch Krise gestiegen

Je niedriger der Itraxx-Wert ist, desto weniger müssen Investoren bezahlen, um sich Sicherheit für ihr Portfolio zu kaufen. Meist werden die Creditswap-Verträge mit fünf Jahren Laufzeit abgeschlossen. Der Sicherungsgeber verpflichtet sich in den meisten Fällen, 10 Millionen Euro abzüglich des Restwertes der versicherten Schulden zu zahlen, wenn es zu einem Kreditereignis kommen sollte. Ein solcher Fall tritt zum Beispiel ein, wenn das Unternehmen, auf das sich der Vertrag bezieht, seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Als Gegenleistung für die Absicherung zahlt der Sicherungsnehmer eine jährliche Prämie.

Vor einigen Wochen reichten noch 10 Basispunkte, also 0,1 Prozent der Versicherungssumme, um sich für den unwahrscheinlichen Fall einer Zahlungsstörung bei einer deutschen Landesbank oder einer deutschen Großbank abzusichern. Mit anderen Worten: Man zahlte für eine Versicherungssumme von 10 Millionen Euro etwa 10.000 Euro im Jahr. Seit Beginn der Banken- und Finanzkrise ist es ungleich teurer geworden. Wer sich zum Beispiel für das Risiko West LB absichern will, muss bei einem Vertragsschluss derzeit mit einer jährlichen Belastung von 67.000 Euro (0,67 Prozent) rechnen. In der Spitze waren es Anfang August sogar 85.000 Euro. Absicherung für das Risiko Sachsen LB kostet Investoren derzeit eine Jahresprämie oberhalb von 80.000 Euro - wenn sie überhaupt einen Handelspartner finden.

Das Fieber ist immer noch hoch

Sicherungsverträge für Schulden der Deutschen Bank oder der Commerzbank sind deutlich günstiger zu bekommen. Aber auch bei diesen Namen zeigt sich die Risikoscheu der professionellen Investoren. Die Risikoprämien sind um ein Vielfaches höher als vor Beginn der Finanzkrise, die ihren Ausgangspunkt auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt hatte, aber längst auf andere Kreditmärkte übergegriffen hat. Immerhin hat sich in den vergangenen Tagen die Situation etwas entspannt. Entsprechend ist auch die Risikoprämie für Schulden der Deutschen Bank auf dem Swap-Markt von mehr als 0,5 auf 0,35 Prozent gefallen. Die Lösung für die Sachsen LB wirke auf dem gesamten Markt für Bankenrisiken entspannend, heißt es im Frankfurter Handel.

„Doch zu sehr sollten sich die Anleger nicht zurücklehnen“, sagt Philip Gisdakis, Kreditstratege der Unicredit, Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank. „Das Schlimmste ist noch nicht vorüber.“ In den vergangenen Jahren sei mit wachsendem und viel zu hohem Kreditanteil immer riskanter investiert worden. Nun schlage das Pendel zurück. Es werde zu Wertverlusten der Banken kommen - nicht nur auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt, sondern zum Beispiel auch bei Krediten, die für Unternehmenskäufe vergeben worden sind. Nach und nach würden diese Verluste nun veröffentlicht. „Da wird noch einiges folgen“, glaubt Gisdakis.

Die immer noch hohen Risikoprämien seien weniger eine Kompensation für mögliche Ausfälle von Banken; die seien immer noch sehr unwahrscheinlich. Die Versicherungsgeber könnten derzeit vor allem deshalb so viel fordern, weil nur wenige bereit seien, überhaupt Risiken zu übernehmen. Das Fieber ist also etwas gesunken, hoch ist es aber immer noch.

Text: F.A.Z., 28.08.2007, Nr. 199 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z.

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