Rohstoffe

Hoher Ölpreis hilft Ölaktien nicht weiter

09. Januar 2004 Der in den vergangenen beiden Monaten zu beobachtende Kursaufschwung europäischer Ölaktien ist am Freitag unterbrochen worden. Nachdem der niederländisch-britische Konzern Royal Dutch/Shell seine zur Verfügung stehenden Förderreserven um ein Fünftel nach unten korrigiert hat, fiel der Aktienkurs in der Spitze um 7,7 Prozent. Andere europäische Ölwerte blieben von dieser Korrektur nicht unbeeinflußt.

Der von Ölaktien dominierte Aktienindex Dow Jones Stoxx Energie gab zeitweise um 3,4 Prozent nach. Daß gleichzeitig der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent angesichts eines bevorstehenden Wintereinbruchs in Amerika und dem niedrigsten Reservestand seit 1975 mit 31,80 Dollar auf den höchsten Stand seit dem Irakkrieg stieg, ließ die Akteure an den Aktienmärkten unbeeindruckt.

Aufwärtsbewegungen nur kurzfristiges Phänomen

Die Aufwärtsbewegung seit November wird von zahlreichen Analysten ohnehin nur als kurzfristiges Phänomen angesehen. Mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt sich, daß die als wenig konjunkturabhängig geltenden Ölaktien deutlich hinter der allgemeinen Marktentwicklung zurückgeblieben sind. So gab der Stoxx-Subindex Energie im Verlauf der vergangenen zwölf Monate um 3,5 Prozent nach, während der Stoxx-50-Index gleichzeitig um 8,2 Prozent zulegte.

Für die kommenden zwei Jahre wird wiederum bei den großen Konzernen, die sowohl Förderung wie auch Verarbeitung und Vermarktung betreiben, mit einem sinkenden Gewinn je Aktie gerechnet. Analysten sind vor diesem Hintergrund mit Kaufempfehlungen und Anlagestrategen mit einer Übergewichtung von Ölwerten in ihren Portfolios vorsichtig.

Ölaktien koppeln sich vom Ölpreis ab

Diese Zurückhaltung sorgt dafür, daß sich ein seit gut anderthalb Jahren zu beobachtendes Phänomen fortsetzt: die Abkoppelung der Ölaktien vom Ölpreis. Einst galt die Regel, daß der Rohölpreis und die Aktienkurse stark miteinander korrelieren. Davon kann mittlerweile keine Rede mehr sein.

In der Bewertung der Ölaktien durch die Anleger drückt sich vor allem ein tiefes Mißtrauen gegenüber der aktuellen Höhe des Ölpreises über 30 Dollar aus. Nahezu alle Marktbeobachter gehen von demnächst sinkenden Preisen aus. Credit Suisse First Boston erwartet in diesem Jahr für Brentöl einen durchschnittlichen Preis von 24 Dollar und 2005 von 21 Dollar je Barrel. Den durchschnittlichen Wert eines Barrels der amerikanischen Sorte WTI sieht Morgan Stanley für 2004 bei 25 Dollar und für 2005 bei 23 Dollar je Barrel. Das schlägt sich unmittelbar in der Bewertung der Ölaktien nieder.

Mehrere wichtige Kennziffern neben dem Ölpreisniveau

Die aktuellen Vorgänge um Royal Dutch/Shell machen allerdings auch deutlich, daß es neben dem Ölpreisniveau noch andere wichtige Kennziffern für die Bewertung von Ölaktien gibt. Niedrigere nachgewiesene Förderreserven bedeuten auch eine niedrigere sogenannte Reserve Replacement Ratio. Diese Kennziffer setzt den jährlichen Ölausstoß zur Entdeckung neuer Ölreserven ins Verhältnis. Analysten lesen daraus unter anderem das Wachstumspotential ab. Das Verhältnis sollte deshalb wenigstens ausgeglichen sein.

Bei Royal Dutch/Shell ist der Wert jetzt unter diese wichtige Marke gefallen, was die heftigen Kursausschläge am Freitag erklärt. Im Vergleich dazu hat etwa BP fast doppelt so viel neue Ölreserven entdeckt, als das Unternehmen im gleichen Zeitraum an Öl gefördert hat.

Gleichwohl blieben große europäische Ölwerte wie Royal Dutch/Shell, BP oder Total ein attraktives Engagement für konservative Anleger, sagen manche Analysten. Die Kursschwankungen hielten sich in Grenzen. Dagegen sei die Bewertung mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2004 von durchschnittlich 15 vergleichsweise günstig. Hinzu komme eine Dividendenrendite, die zwischen 3 und 5 Prozent schwanke. Bei den großen amerikanischen Werten Exxon-Mobil und Chevron-Texaco sei wegen der andauernden Dollarschwäche für Anleger aus dem Euro-Raum dagegen derzeit Vorsicht geboten.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2004, Nr. 8 / Seite 19 , sfu.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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