Investmentbanken

Finanzoase Dubai lockt mit sprudelnder Rendite

Die Finanzmetropole Dubai lockt viele Banker aus Europa an

Die Finanzmetropole Dubai lockt viele Banker aus Europa an

27. August 2008 In den Ölemiraten am Persischen Golf sprudelt nicht nur der weltweit begehrte Energieträger Erdöl. Es ist auch der einzige Platz auf der Welt, wo die Finanzwelt noch in Ordnung scheint: Hier steigen die Provisionserlöse bei Investmentbanken - und das völlig unbeeindruckt von Kreditklemme, Subprime-Finanzkrise und den Rezessionsgefahren im Rest der Welt.

In der ersten Jahreshälfte legten die Erlöse der Investmentbanken laut Daten der New Yorker Analysegesellschaft Freeman um fünf Prozent zu auf 612 Millionen Dollar, das sind 417 Millionen Euro. Damit erreicht die Region am weltweiten Kuchen zwar nur einen Anteil von weniger als 2 Prozent. Der Wert hat sich aber innerhalb eines Jahres glatt verdoppelt. Auch das Geschäft mit Börsengängen ist hier unverändert in Schwung geblieben. Deutsche Bank, Citigroup, UBS AG und Morgan Stanley haben die Zahl ihrer Angestellten in der Region in diesem Jahr auf insgesamt mehr als 400 verdoppelt. Zugleich wurden in London und New York rund 10 000 Stellen in der Branche gestrichen.

Weltweit unerreichte Zukunftsaussichten

Und nun kommen einige der besten Experten an den Persischen Golf. Immer mehr namhafte Banker aus der "City", dem Londoner Finanzdistrikt, wie Christopher Laing von der Deutsche Bank AG in London oder Makram Azar von Lehman Brothers Holdings zieht es in die Emirate. Die Liste ließe sich weiter verlängern, etwa durch Namen wie Alberto Verme von der Citigroup und David Law von Morgan Stanley. Sie zählen mit ihren Gehältern zu den potentiellen Käufern für die überall entstehenden Traumimmobilien, darunter Häuser auf der sogenannten "Palmeninsel" vor der Küste mit Preisen im Multimillionen-Bereich.

Die eigentliche Attraktion für hochbezahlte Banker sind die weltweit unerreichten Zukunftsaussichten in der dortigen Finanzindustrie. Bis 2015 könnten in der Region Schätzungen zufolge fünf Billionen Dollar alleine in staatlichen Investmentfonds angehäuft werden. Zu den größeren Transaktionen in den letzten zwölf Monaten zählte der Börsengang des Hafenbetreibers DP World Limited und milliardenschwere Anteilskäufe der Staatsfonds an internationalen Investmentbanken wie Citigroup und Merrill Lynch. Die Zahl der Börsengänge sei hier so hoch wie niemals zuvor, schwärmt der 39-jährige Laing von der Deutschen Bank, der erst in diesem Monat mit seiner Frau und den Zwillingen von London nach Dubai umgezogen ist. "Ich bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe", sagt er.

Steuerfreies Gehalt und hohe Bonuszahlungen

"Der Persische Golf wird derzeit mit Billionen von Petrodollars geradezu geflutet", erklärt Weltbank-Berater Marcus Noland vom Wirtschaftsforschungsinstitut Peterson Institute for International Economics in Washington. Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten kristallisiere sich dabei als Hauptzielort für ausländische Finanzmanager heraus.

Wer in das neureiche Wüstenemirat umzieht, könne sich auf ein komplett steuerfreies Gehalt und auf bis zu 25 Prozent höhere Bonuszahlungen als in London oder New York freuen, sagt der Personalberater Jon Duckfield von der Dubaier Niederlassung der Options Group.

Keine fundamentale Wende

Allerdings gibt es auch kritische Experten, die den derzeitigen Boom in der Region für eine Fata Morgana halten. Der Sättigungsgrad mit Finanzdienstleistern sei am Persischen Golf bereits heute zu hoch und der Zuzug weiterer Führungskräfte daher nicht notwendig, sagt Scott Moeller, ein Wirtschaftsprofessor und ehemaliger Banker aus London. "Immer, wenn es eine Krise gibt, fliehen die Investoren in die Rohstoffe", beobachtet Scott. Den Banken falle es leicht, Personal umzubesetzen, aber es handele sich um eine Reaktion auf kurzfristige Entwicklungen und nicht um eine fundamentale Wende.

Weltbank-Experte Noland verweist zudem auf die recht explosive politische Lage im Großraum um den Persischen Golf: "Sollte Iran streitlustiger oder zumindest expansionistischer werden, dann könnte das Vertrauen in die kleinen Golf-Emirate abflauen", sagt er.

Text: Bloomberg
Bildmaterial: Helmut Fricke

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