Finanzanlage

Die Fußball-WM inspiriert die Banken

09. März 2006 Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag. Das hat die Trainerlegende Ernst Happel einmal gesagt - und dieses Zitat nimmt sich offenbar auch die Finanzbranche zu Herzen: Angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Lande sehen viele Banken die Notwendigkeit, ihre Anleger vor Tagen ohne Fußball zu bewahren: Sie werfen reihenweise WM-Finanzprodukte auf den Markt. Die schönste Nebensache der Welt soll auch in den Portfolios der Anleger zumindest zur Nebensache avancieren - ob das dann auch schön im Sinne des Anlegers ist, ist fraglich.

Grob kann man die WM-Finanzprodukte in zwei Kategorien einteilen: Zum einen gibt es Produkte, die an die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen oder aber des Landes anknüpfen: Die WM, so die Idee, wird die Geschäfte dieser Unternehmen beflügeln und damit auch deren Aktienkurse. Beispiele dafür sind das „WMSelect-Zertifikat“ der West LB und das „Commerzbank Top 11 Zertifikat“, deren Wertentwicklung sich an einem Korb aus Aktien orientiert, die von der WM profitieren sollten. Solche Zertifikate auf Aktienkörbe sind keine neue Idee, auch nicht mit Blick auf die WM: So konnten Anleger mit dem „GS Soccer Fever Japan 2002 Basket“-Zertifikat von Goldman Sachs auf zehn japanische Unternehmen setzen, die von der WM 2002 profitieren sollten. Zumindest mit Blick auf die Wertentwicklung des Zertifikats war es keine erfolgreiche WM: Wer das Zertifikat bei der Emission kaufte und bis zur Endfälligkeit hielt, verbuchte ein Minus von 14 Prozent.

WM-Begeisterung als Marketing-Strategie

Als Anleger sollte man sich bei diesen Produkten fragen, warum man denn ausgerechnet auf diesen Aktienkorb setzen will. Wer in einen solchen Aktienkorb investiert, muß schon eine sehr spezielle Meinung zu den dort enthaltenen Aktien haben. Doch dürfte oft zweifelhaft sein, daß die Auswahl des Aktienkorbes im Einklang mit den Notwendigkeiten des Anlegers steht. Vermutlich wird er solche Produkte vielmehr deshalb kaufen, weil er sich von der WM-Begeisterung mitreißen lassen mag. Das aber ist keine ideale Voraussetzung für eine Vermögensplanung.

Doch gerade die Begeisterung über die WM ist es ja, auf welche die Institute abzielen. Sie soll ihnen über die WM-Angebote neue Kunden in die Arme treiben. Das gilt auch für die zweite Art der WM-Produkte, die zumindest einen Teil ihrer Wertentwicklung an den Ausgang des Turniers koppeln. Bei der Dresdner Bank beispielsweise bekommen Kunden, die neues Geld auf einem Geldmarktkonto anlegen, bis zum 31. August des Jahres einen Sonderbonus von 0,75 Prozent, wenn am Ende des Turniers Schwarz-Rot-Gold die Farben des Weltmeisters sind. Auch beim „Postbank Fifa WM 2006 TM Weltmeister“-Zertifikat winkt dem Anleger ein Extra-Zins-Bonus von einem Prozent für das erste von insgesamt sechs Anlagejahren, wenn die deutsche Mannschaft zumindest ins Finale kommt.

Die weitere Wertentwicklung des Zertifikats bestimmt sich hauptsächlich durch die Entwicklung eines Aktienkorbes - ähnlich wie bei einem Produkt aus dem genossenschaftlichen Haus, das allerdings eine etwas pessimistischere Haltung zum Potential der deutschen Mannschaft hat: Wer nämlich glaubt, daß die Deutschen weniger weltmeisterlich, sondern eher „waldmeisterlich“ spielen werden, der kann zu den DZ-Bank-Zertifikaten „11,0 Champion Maxi-Rend Tracker 1 oder 2“ greifen. Wählt der Anleger Zertifikat 1 und Brasilien wird Weltmeister, erhält er nach einem Jahr und vier Monaten einen Extra-Bonus in Höhe von einem Prozent. Entscheidet sich der Anleger für Zertifikat 2 und Argentinien siegt, gibt es nach einem Jahr und vier Monaten einen Extra-Bonus in Höhe von zwei Prozent. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß es auch noch ein Zertifikat Nummer 3 gibt - für all jene, die auch weiter den schwarz-rot-goldenen Titeltraum träumen. Allerdings ist die Klinsmann-Truppe zumindest bei der DZ-Bank nicht gerade Favorit, sie räumt für den deutschen Finalsieg einen großzügigen Bonus von drei Prozent ein.

Unerlaubte Sportwetten

Alle Produkte, deren Wertentwicklung an einen Erfolg oder Teilerfolg einer der Mannschaften gekoppelt ist, haben allerdings aus Anlegersicht das gleiche Problem: Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine Sportwette, die sich nicht daran orientiert, was für eine solide Vermögensverwaltung oder eine ernsthafte Altersvorsorge richtig wäre - letztlich sind es reine Marketing-Aktionen. Mit Hilfe der WM-Begeisterung versucht man Kunden anzulocken, die dann nach dem Ende der WM hoffentlich mit ihrem Geld der Bank treu bleiben.

Einige Juristen haben bei solchen Angeboten allerdings Bauchschmerzen: Sie werfen diesen Produkten vor, daß es sich um unerlaubte Wetten handele, weil das endgültige Ergebnis der Anlage von einem Zufallsergebnis abhänge. Wer nur auf Sieg oder Niederlage einer Mannschaft setzen will, der dürfte mit einer echten Sportwette besser bedient sein. Nach Abzug aller Kosten verspricht sie dem Anleger - oder Spieler - vermutlich eine bessere „Rendite“ - die freilich genauso unberechenbar ist wie ein Fußballspiel oder aber die Finanzmärkte.



Text: hbe., F.A.Z., 10.03.2006, Nr. 59 / Seite 21
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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