Frühaufsteher

Allianz und Commerzbank weiter im Fokus

27. August 2008 Nach wenig inspirierenden Vorgaben scheint der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch eine Verschnaufpause einzulegen und ist uneinheitlich in den Handel gestartet. Der Dax gab in den ersten Minuten 0,3 Prozent auf 6323 Zähler ab. Der Tec-Dax büßte 0,2 Prozent auf 809 Zähler ein und der M-Dax legte um 0,2 Prozent auf 8433 Punkte zu.

Wenige Impulse kamen aus Übersee. Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones stand am Morgen 41 Punkte über dem Xetra-Schluss vom Vortag. Die asiatischen Börsen tendierten überwiegend freundlich, wobei Tokio leicht im Minus schloss.

Thema bleibt der Bankensektor mit der bald erwarteten Entscheidung um den Verkauf der Allianz-Tochtergesellschaft Dresdner Bank und auch Sparpläne beim Energieriesen Eon mit einem angekündigten Stellenabbau, sagte ein Händler. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte berichtet, dass der Versicherungskonzern Allianz auch mit der China Development Bank spreche (Allianz erwägt Verkauf der Dresdner an China). Dies dürfte die Aktien der Commerzbank belasten. Denn selbst wenn diese doch noch den Zuschlag für die Dresdner Bank erhalten sollte, müsste sie auf jeden Fall weitere Zugeständnisse machen. Allianz tendierten im frühen Geschäft leicht höher.

Außerdem will die Commerzbank die Investmentbank Dresdner Kleinwort um zwei Drittel zusammenstreichen, falls sie den Zuschlag erhält, berichtete die Tageszeitung „Die Welt“. Ein Händler bezeichnete den Neuigkeitswert der Nachricht als gering. Schon vor einigen Tagen habe die Zeitung Ähnliches geschrieben. Die Aktie der Commerzbank lag zu Handelsbeginn 0,5 Prozent im Minus.

Zwei Dax-Titel stehen zudem mit Plänen für Stellenstreichungen im Blick. So will der Energiekonzern Eon seine Regionalgesellschaften bündeln und 40 der 60 Service-Standorte schließen. Insgesamt würden bei der Umstrukturierung bis zu 1800 Stellen der rund 15.000 Stellen sozialverträglich gestrichen. Ein Händler sagte: „Das dürfte die Aktien kurzfristig nicht stark bewegen.“

Der geplante Abbau von knapp 17.000 Stellen werde indes den Mischkonzern Siemens in einer Größenordnung von 800 Millionen Euro belasten, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwochausgabe). Das Unternehmen selbst hatte von einer „hohen dreistelligen Millionensumme“ gesprochen. „Ein Analyst beziffert die Restrukturierungsbelastungen mit 500 bis 900 Millionen Euro, so dass 800 Millionen Euro mit am oberen Ende dieser Spanne lägen“, sagte ein Händler. Die genaue Summe werde davon abhängen, wie viele Beschäftigte die Abfindungen in Anspruch nähmen. Einen Einfluss auf den Aktienkurs erwarte er nicht. Siemens tendierten 0,5 Prozent leichter.

Bayer-Titel schließlich könnten wegen des Scheiterns eines Konkurrenzproduktes zu den Gewinnern zählen. Bristol-Myers Squibb und Pfizer berichteten am Vorabend schlechte Daten zu einer Phase-III-Studie für Apixaban. Das Mittel gegen Thrombose habe seinen primären Endpunkt der Studie nicht erreicht habe. Ein Händler kommentierte: „Das ist wegen der Konkurrenzsituation positiv für das Bayer-Thrombosemittel Rivaroxaban (Xarelto)“. Der Bayer-Kooperationspartner Johnson & Johnson hat im Juli die Zulassungsunterlagen für Xarelto bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. Bayer verteuerten sich zum Handelsauftakt um 0,7 Prozent.

Zulegen könnten auch die im S-Dax notierten Aktien von GfK, die am Vormittag 4,3 Prozent höher bewertet wurden. Das Marktforschungsunternehmen steigt aus dem Bieterwettbewerb um den britischen Konkurrenten Taylor Nelson Sofres (TNS) aus. Damit ist der Weg frei für eine Übernahme von TNS durch den britischen Medienkonzern WPP Group. Ein Börsianer zeigte sich optimistisch: „Das sollte der GfK-Aktie helfen, die heftig unter einem möglicherweise zu hohen Preis für TNS gelitten hatte“.

Leichte Kursgewinne am Rentenmarkt

Die europäischen Anleihemärkte haben am Mittwoch mit leichten Kursgewinnen eröffnet. Der für den europäischen Handel richtungsweisende Terminkontrakt auf Bundesanleihen Bund-Future stieg um 7 Stellen auf 114,72 Punkte.

Im Marktfokus stehen nach dem Schock, den der Ifo-Index am Dienstag ausgelöst hatte, wieder Konjunkturdaten. So ist der Blick auf die deutschen Verbraucherpreise im August gerichtet. Bankökonomen gehen davon aus, dass die Lebenshaltungskosten auf Monatssicht um 0,2 Prozent gesunken sind, nachdem im Juli noch ein Anstieg um 0,6 Prozent verzeichnet worden war. Die Jahresteuerung fiele damit auf 3,2 Prozent von zuletzt 3,3 Prozent - dem höchsten Wert seit fast fünfzehn Jahren. Viele Ökonomen sehen darin den ersten Schritt zu einem nach unten gerichteten Inflationstrend.

Euro startet erholt in den europäischen Handel

Erholt ist der Euro am Mittwochmorgen in den Handel gestartet. Mit 1,4724 Dollar hat sich die Gemeinschaftswährung von den kräftigen Abschlägen des Vortags erholt. Die Gewinne des Dollars infolge des Drei-Jahres-Tiefs im ifo-Index seien übertrieben gewesen, heißt es im Handel. Die amerikanischen Devise stieg zwischenzeitlich auf ein neues Sechs-Monats-Hoch gegen den Euro.

Zudem schwächten die Aussagen aus dem Sitzungsprotokoll der amerikanischen Notenbank, den sogenannten „Fed-Minutes“. Aus dem Protokoll des Offenmarktausschusses der Federal Reserve ging hervor, dass die amerikanischen Währungshüter bei ihrer Sitzung am 5. August ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum zurückgenommen hatten. Die meisten Mitglieder gingen davon aus, dass die Wirtschaftsaktivität für mehrere Quartale gedämpft bleiben werde. Zudem wurde das aktuelle Zinsniveau von den meisten als „nicht besonders akkommodierend“ betrachtet, was nach Ansicht von Beobachtern auf zunächst unveränderte Leitzinsen hindeutet.

Während in Europa die deutschen Verbraucherpreise im August im Fokus stehen dürften, richtet sich in den Vereinigten Staaten das Interesse auf den Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter im Juli. Hier wird mit einem Rückgang um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gerechnet. Auch die wöchentlichen Rohöllagerbestände des Department of Energy dürften den Ölpreis beeinflussen und damit auch den Dollar.

Aus charttechnischer Perspektive ist die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar bei 1,4580 Dollar unterstützt, auf Widerstand trifft sie im Bereich von 1,4775 Dollar. Die Feinunze Gold ist am Morgen mit 828,05 Dollar in den Handel gestartet nach einem Londoner Nachmittagsfixing von 827,00 Dollar am Dienstag.

Aktien Tokio schließen knapp behauptet

Die Börse in Tokio hat am Mittwoch knapp behauptet geschlossen. Dem Markt hätten die Impulse gefehlt und auch ferienzeitbedingt viele Teilnehmer, hieß es. Der Nikkei-225-Index verringerte sich um 0,2 Prozent auf 12.753 Punkte. Der Topix gab um 0,5 Prozent auf 1224 Punkte nach. Das Handelsvolumen sank bei den Standardwerten auf 1,3 Milliarden Aktien, das niedrigste Niveau im laufenden Jahr.

Belastend wirkte die Insolvenz des Wohnungsbauunternehmens Sohken Homes, wie es im Handel hieß. Zuvor in der Woche hatte bereits Sebon Corp. um Gläubigerschutz nachgesucht. Die Anleger fragten sich nun, welches Unternehmen als nächstes untergehe, sagte ein Marktexperte von Daiwa Securities. Sebon waren um 12,4 Prozent auf 14.100 Yen abgesackt, ehe sie vom Handel ausgesetzt wurden.

Ein Medienbericht, dem zufolge die Lagerbestände bei börsennotierten Unternehmen Ende Juni um 8,7 Prozent höher waren als Ende März drückte ebenfalls auf die Stimmung. Höhere Preise für Rohmaterialien sind dem Bericht zufolge ein Grund dafür, ebenso die zur Schwäche neigende Nachfrage.

Der Autosektor wurde zusätzlich belastet von niedrigeren Kurszielen der Analysten von Morgan Stanley . Toyota Motor verbilligten sich um 2,7 Prozent auf 4770 Yen und Nissan Motor um 4,7 Prozent auf 814 Yen. Obwohl die Analysten die Kursziele für die Titel mehrerer kleinerer Autohersteller wie Daihatsu Motor angehoben hatten, gaben auch diese nach. Daihatsu sanken um 1,4 Prozent auf 1310 Yen. Der Kurs sei von der negativen Stimmung angesichts der Rückgänge bei den Branchengrößen gedrückt worden, sagte eine Händlerin.

Zu den Gewinnern zählten dagegen Pharmatitel. Anleger zögen sich angesichts der Unsicherheit bezüglich der amerikanischen Finanzmärkte und den gestiegenen Lagerbeständen japanischer Unternehmen in defensive Sektoren wie Medikamente und Nahrungsmittel zurück, hieß es. Eisai gewannen 4 Prozent auf 4170 Yen, Astellas Pharma 1,7 Prozent auf 4780 Yen und Takeda Pharmaceutical 2 Prozent auf 5750 Yen.

Kurse ziehen im nachbörslichen Geschäft leicht an

An der amerikanischen Nachbörse legten die Aktienkurse am Dienstag leicht zu. Der Index Nasdaq-100 After Hours Indicator erhöhte sich um 0,06 Prozent auf 1887 Punkte.

Im nachbörslichen Handel haben J. Crew Group nachgegeben, nachdem das Unternehmen bekanntgegeben hatte, dass sein Nettogewinn im zweiten Quartal um 12 Prozent zurückgegangen war. Zudem senkte J. Crew den Ausblick für das Gesamtjahr deutlich. Das Papier gab um 7,4 Prozent auf 24,67 Dollar nach. Applied Signal Technology stiegen dagegen um 9,6 Prozent auf 16,40 Dollar. Das IT-Unternehmen hatte zuvor seine Quartalsgewinne veröffentlicht, die sich mehr als verdoppelt hatten.

Energieaktien ziehen Wall Street ins Plus

Energieaktien haben die Wall Street am Dienstag im Plus schließen lassen. Eine Liste mit gefährdeten Banken im Sog der Kreditkrise belastete jedoch wieder einmal den gebeutelten Finanzsektor. Das Protokoll der jüngsten Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed fachte den Pessimismus über die wirtschaftliche Entwicklung weiter an. Die Fed war bei ihrer Sitzung im August von einer weiteren Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft ausgegangen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 0,23 Prozent auf 11.412 Punkte zu. Im Handelsverlauf bewegte er sich zwischen 11.383 und 11.436 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,37 Prozent auf 1271 Zähler. Der Nasdaq-Composite ging allerdings um 0,15 Prozent auf 2361 Zähler zurück
Die amerikanischen Börsen hatten sich im Handelsverlauf über weite Strecken uneinheitlich gezeigt. Die Furcht, dass der zu einem Hurrikan hoch gestufte Tropensturm „Gustav“ die Ölförderung im Golf von Mexiko behindern könnte, ließ den Ölpreis wieder steigen.

Aktien von Energiefirmen wie Exxon Mobil legten daraufhin zu. Papiere von Unternehmen, die stark vom Ölpreis abhängig sind wie etwa Fluggesellschaften, gaben dagegen nach.

Von der Konjunkturseite kamen gemischte Signale für den Aktienmarkt. Die überraschend deutliche Verbesserung des amerikanischen Verbrauchervertrauens gab dem Markt einige positive Impulse. Die amerikanische Immobilienkrise ist jedoch noch lange nicht ausgestanden. Dem stark beachteten Hauspreisindex von Standard & Poor's/Case Shiller zufolge fielen die Preise von Einfamilienhäusern im Juni im Vergleich zum Vorjahr weiter im Rekordtempo. Allerdings fiel der Rückgang nicht ganz so stark aus wie erwartet. Auch die Nachfrage nach neuen Eigenheimen blieb nach Angaben des Handelsministeriums schwach. Die Zahl der verkauften Einfamilienhäuser stieg im Juli gegenüber Juni aber um 2 Prozent an.

Auf den Finanzwerten lastete am Dienstag eine Liste des amerikanischen Einlagensicherungsfonds, wonach 117 Banken am Ende des zweiten Quartals mit Problemen belastet sind. Am Ende des ersten Quartals waren es nur 90 Institute. „Wir hatten schon ein paar Ausfälle, deshalb hat diese Liste viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen“, sagte Analyst Peter Kenny von Knight Equity Marktes. Am Aktienmarkt gehörten Merrill Lynch und Washington Mutual zu den Verlierern.

Zu den Gewinnern an der Wall Street zählten jedoch wieder die zuletzt stark gebeutelten Aktien der amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Spekulationen, dass eine Verstaatlichung den Wert für Aktionäre nicht ausradieren würde, ließ Investoren wieder einsteigen. Fundamentale Gründe lägen für die Käufe der Aktien nicht vor, sagte Investment-Stratege Mark Coffelt von Texas Capital Value Funds. Fannie-Papiere legten über acht Prozent und Freddie-Anteilsscheine um über 20 Prozent zu.

Amerikanische Anleihen unverändert

Unverändert zeigten sich am Dienstag amerikanische Staatsanleihen am Dienstag im späten New Yorker Geschäft. Lediglich am kurzen Ende der Zinskurve hätten überraschend gute Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen und anstehenden Auktionen neuer Staatspapiere die Kurse stärker belastet, sagten Händler.

An den amerikanischen Kreditmärkten blieben die zehnjährigen Staatsanleihen unverändert bei 101-24/32. Sie rentierten mit 3,786 Prozent. Die dreißigjährigen Bonds sanken 2/32 auf 101-22/32 und hatten eine Rendite von 4,396 Prozent.

Das am Abend veröffentlichte Protokoll der jüngsten FOMC-Sitzung der Fed habe kaum bewegt. Das amerikanische Finanzministerium wird am Mittwoch zweijährige Papiere im Wert von 32 Milliarden Dollar zur Auktion bringen, am Donnerstag folgen 22 Milliarden Dollar in fünfjährigen Anleihen. Beide Male handelt es sich um Rekordsummen für die jeweiligen Laufzeiten. Anleger verkaufen häufig im Vorfeld die entsprechenden Papiere, um sie vor der Auktion zu verbilligen.

Am langen Ende sei im späten Geschäft Nachfrage aufgekommen, weil Fondsmanager zum Monatsende kauften, um ihre Positionen nach den jüngsten Auktionen zehn- und 30-jähriger Papiere an die monatlichen Änderungen bei den Benchmark Bond-Indizes anzupassen, hieß es weiter.

Auf der Konjunkturseite hat sich die Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern im August überraschend deutlich verbessert, weil die privaten Haushalte wieder wesentlich optimistischer in die Zukunft blicken. Wie das Forschungsinstitut Conference Board mitteilte, stieg der Index des Verbrauchervertrauens auf 56,9 Punkte von 51,9 im Juli. Volkswirte hatten nur einen Anstieg auf 53,5 prognostiziert.


Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

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