Minenaktien

Aktien von Goldminen sind wieder gefragt

05. April 2005 Goldminenaktien streben auf einen Punkt zu, an dem sie für langfristig orientierte Anleger wieder interessant werden könnten. Die neue, von der Erholung des amerikanischen Dollar ausgehende Schwäche des Goldpreises drückt auf die Kurse dieser Titel und läßt die Skepsis gegenüber der Branche wachsen. Doch gerade eine solche Stimmung erscheint antizyklisch vorgehenden und damit über den Tag hinausdenkenden Anlegern günstig, das zu kaufen, was die Masse abstoßen will.

Sie wissen aus Erfahrung, daß hochwertige Goldminentitel schon als Schutz vor monetären und politischen Risiken in ein ausgewogenes, langfristig ausgerichtetes Aktienportefeuille gehören, mal in ihrer Eigenschaft als Stabilisator, mal als Turbo für die Gesamtrendite.

Scharfer Einbruch zu Ende

Goldminenaktien hatten im vergangenen Jahr eine große Zeit, als der Index für Gold- und Silberproduzenten der Philadelphia Stock Exchange (XAU) zwischen Anfang Mai und Ende Dezember von 76,79 Punkten auf den Rekord von 111,50 stieg. Zuletzt bewegte er sich bei rund 92 Punkten und damit in einer Art Niemandsland. Der XAU ist der inzwischen am meisten beachtete Index. Er enthält 13 Aktien: Agnico Eagle Mines, Anglogold Ashanti, Barrick Gold, Freeport-McMoRan Copper&Gold, Glamis, Goldcorp, Goldfields, Harmony Gold Mining, Kinross Gold, Meridian Gold, Newmont Mining, Placer Dome sowie Pan American Silver.

Der zurückliegende Run der Anleger auf Goldminenwerte war zu einem guten Teil technisch-zyklischer Natur. Er folgte einem scharfen Einbruch, der sich im März und April 2004 einstellte. Vor der Liquidationswelle waren institutionelle und private Anleger offenbar in Erwartung weiterer steiler Preissteigerungen bei Gold übermäßig stark in dieser Branche engagiert - damit galt der Sektor als „over-owned“.

Erschwerte Analysen

Der Liquidationswelle folgt ein neuer, breit gestreuter Aufbau von Engagements, der im November endete, als wieder in Massen liquidiert wurde. Dieser Prozeß ist dem Urteil von Analysten zufolge inzwischen aber so weit fortgeschritten, daß von einer zu gewichtigen Präsenz der Goldminenaktien in den institutionellen und den privaten Portefeuilles nicht mehr gesprochen werden könne. Folglich mehren sich seitens technisch orientierter Analysten die Empfehlungen, diesem Sektor wieder mehr Beachtung zu schenken.

Ein wesentlicher Grund für die über die Jahre hinweg beobachtete Verlagerung des Interesses von breit gestreuten Indizes für Goldminenaktien wie dem einschlägigen Index der „Financial Times“ (All Gold Mines) auf den XAU oder den Goldminenindex der American Stock Exchange (Amex Gold Bugs) ist die bessere Kalkulierbarkeit letzterer. Bei allen anderen, also den regionalen wie südafrikanischen oder australischen, erschweren die Wechselkursveränderungen die Analyse.

Der Währungseffekt

Als einschneidendstes Merkmal gilt, daß die südafrikanischen und die australischen Goldproduzenten wegen der zurückliegenden starken Aufwertung ihrer Landeswährungen gegenüber dem amerikanischen Dollar außerordentlichen Belastungen ausgesetzt sind. Ihre Erlöse verringern sich in der heimischen Währung, während ihre Kosten auf dem jeweiligen Markt steigen. Bei in amerikanischen Dollar rechnenden Minengesellschaften entfällt der Währungseffekt.

Traditionell versuchen Goldproduzenten Phasen niedriger Preise oder geringer Erlöse zu entgehen, indem sie Vorkommen mit möglichst hohem Goldgehalt abbauen. Sind der Preis hoch und die Erlöse zufriedenstellend, gehen sie Vorkommen mit geringem Goldgehalt im gesamten Gestein an. Voraussetzung für eine derart flexible Produktionspolitik ist jedoch, daß ausreichend Vorkommen zur Verfügung stehen, um von Fall zu Fall wählen zu können. Da die Kostenbelastung besonders südafrikanischer Minengesellschaften seit geraumer Zeit sehr hoch ist, mangelt es an finanziellen Mitteln zur Erforschung und Erschließung neuer Vorkommen.

Keine Planungssicherheit

Eine zusätzliche Belastung stellt der sich über Jahre erstreckende Vorlauf für Planung und Entwicklung gegenüber der Produktionsreife neuer Lagerstätten dar. Die Goldminengesellschaften können zu Beginn ihrer Planungsarbeiten nicht wissen, welche Erlöse sie erzielen, wenn die Förderung von Gold aus neuen Bergwerken einsetzt.

Dies hängt auch mit Eigenheiten des Goldmarktes zusammen. So umfassen die bereits physisch vorhandenen Goldmengen unter anderem bei Notenbanken die Goldproduktion von Jahrzehnten. Damit schwebt beständig latentes Angebot über dem Markt, dessen Erscheinen kaum berechenbar ist. Die vielen Unwägbarkeiten und der Kapitalmangel haben schon vor Jahren einen breit gestreuten Prozeß von Fusionen und Übernahmen unter Goldproduzenten in Gang gesetzt, der nicht abgeschlossen ist. Dies verleiht Minenaktien zudem noch Übernahmephantasie.

Text: hi., F.A.Z., 06.04.2005, Nr. 79 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.

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