29. Oktober 2007 Die Hausse am Goldmarkt ist ungebrochen. Am Montag erreichte der Preis für eine Feinunze (rund 31 Gramm) des Edelmetalls in London mit zeitweise 794,70 Dollar das höchste Niveau binnen 27 Jahren. Gold kostet nun etwa ein Viertel mehr als noch zu Jahresbeginn.
Als Hauptgründe für den rasanten Anstieg des Goldpreises vor allem seit Mitte August gelten die fortgesetzte Schwäche des Dollar, die rekordhohen Ölnotierungen und die Suche vieler Anleger nach Sicherheit. Überdies sind auch spekulative Anlegergruppen in jüngster Zeit überdurchschnittlich stark im Terminhandel für Gold engagiert.
Langfristiges Interesse der Investoren
Einer hohen oder noch steigenden Nachfrage nach Gold, steht ein fallendes Angebot gegenüber, beschreibt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Edelmetallexperte des Technologiekonzerns Heraeus, das Marktumfeld, das den Aufwärtstrend bei Gold fundamental breit untermauere. Gleichwohl heize kurzfristig die ausgeprägte spekulative Nachfrage die Preisentwicklung zusätzlich an. Zwar hätten sich die spekulativen Positionen im Goldmarkt in den vergangenen Tagen etwas von ihren Rekordständen entfernt, heißt es bei Barclays Capitals. Sie seien aber noch immer deutlich erhöht.
Viel wichtiger: Vor allem das Interesse langfristiger Investoren an dem Edelmetall scheint ungebrochen. Es zeige sich am weiterhin hohen Absatz börsengehandelter Goldfonds (ETFs) und den physischen Käufen beispielsweise von Goldbarren, sagt Wrzesniok-Roßbach. Dagegen sei die Minenproduktion rückläufig, auch die Verkäufe der Zentralbanken dürften in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Grundskepsis der Anleger
Erstaunlich ist allerdings, wie stabil die Goldnachfrage angesichts des hohen Preisniveaus bleibt, meint Wrzesniok-Roßbach und führt dies angesichts der Kreditkrise in Amerika und der Furcht vor einer möglichen Rezession auf eine gewisse Grundskepsis der Anleger zurück. Auch die Analysten von Barclays Capital werten die Unsicherheit der Investoren als wichtigen Faktor für den steigenden Goldpreis und verweisen zudem auf die aktuellen geopolitische Spannungen.
Ein wichtiges Standbein für den Goldhandel ist die Schmuckindustrie. Hier hinterlässt der hohe Goldpreis bislang ebenfalls kaum Spuren. Besonders asiatische Länder wie China und Indien gelten als Haupttreiber dieser Entwicklung. Durch das enorme Wirtschaftswachstum geht es dort sehr vielen Menschen sehr viel besser als früher, sagt Wrzesniok-Roßbach.
Neue Höchstkurse sind nicht auszuschließen
Angesichts des fundamental positiven Umfelds gehen viele Goldexperten derzeit von einem weiteren Preisanstieg aus. Die Hausse scheint einfach nicht zu bremsen, sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Es kämen derzeit viele neue Spieler auf den Markt, was es dem Goldpreis ermögliche auch ohne Korrektur weiterzulaufen. Die Marke von 800 Dollar könnte sich angesichts der aktuellen Dynamik nur als Zwischenstopp zum Allzeithoch entwickeln. Mit gut 850 Dollar je Feinunze war Gold 1980 am teuersten.
Wrzesniok-Roßbach rechnet dagegen nicht mit einem raschen Anstieg auf dieses Niveau, sondern eher mit zeitweiligen Korrekturen, da der Goldpreis in den vergangenen Wochen rasch gestiegen sei. Auf Jahressicht seien neue Höchstkurse aber nicht auszuschließen. In den nächsten Tage dürfte erst einmal die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank den Goldpreis entscheidend beeinflussen, heißt es bei Barclays Capital undDresdner Kleinwort. Bei einem noch schwächern Dollar, könnten die Goldnotierungen auf neue Höhen steigen. Bereinigt um die Inflation müsste der Goldpreis allerdings auf gut 2300 Dollar klettern, um den alten Rekord zu brechen.
Text: F.A.Z., 30.10.2007, Nr. 252 / Seite 21
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET
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