07. August 2005 Gute Nachrichten sind erfreulich, aber eine Flut positiver Nachrichten sind zuviel des Guten und deshalb schlecht.
Nach diesem Muster haben die Investoren am Freitag auf den überraschend kräftigen Stellenzuwachs in Amerika reagiert: Befürchtungen, daß die starke Konjunktur den Preisauftrieb anheizt, ließen Spekulationen aufkommen, daß die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins bis Dezember nicht nur auf 4,0 Prozent, sondern auf 4,25 Prozent anheben wird. Diese Aussicht ließ Aktien- und Anleihekurse zum Wochenschluß fallen.
Wirtschaft nimmt Fahrt auf
Viele Indikatoren zeigen es an: Rund um den Globus nimmt die Wirtschaft Fahrt auf - erfreulicherweise auch in Deutschland. Die Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben diese Einschätzung bestätigt. Das sorgt für gute Stimmung an den Aktienmärkten. Dies- und jenseits des Atlantiks haben Aktienindizes wie der S&P 500, der Nasdaq Composite, der Euro-Stoxx-50 und der Deutsche Aktienindex Dax im Lauf der Woche mehrjährige Hochs erreicht, bevor sie zum Wochenschluß wieder abbröckelten. Zumindest in Amerika steht dahinter auch ein erhöhtes Spekulationsfieber: Dort ist die Kreditaufnahme zur Finanzierung von Aktienkäufen (margin debt) mit 224 Milliarden Dollar auf den höchsten Stand seit November 2000 gestiegen.
Angesichts der guten Konjunkturaussichten wird allgemein erwartet, daß die Fed ihren Leitzins am kommenden Dienstag von 3,25 auf 3,50 Prozent anheben wird. Und zahlreiche Volkswirte sagen nun voraus, daß die Fed am 20. September, 1. November und 13. Dezember weitere Trippelschritte nach oben folgen läßt, so daß der Leitzins dann 4,25 Prozent betragen wird. Solche Prognosen haben die Rendite zehnjähriger Treasuries am Freitag um 7 Basispunkte auf 4,39 Prozent steigen lassen; noch Anfang Juli betrug sie nur 3,90 Prozent. Zweijährige Staatspapiere rentieren nun sogar mit 4,11 Prozent - ein Vierjahreshoch. Viele Volkswirte erwarten weitere Zinssteigerungen. Beispielsweise sieht JP Morgan die Zehnjahresrendite zum Jahresende jetzt bei 5 Prozent.
Zugpferd ist der private Konsum
Für die Fed werden die nächsten Monate deshalb zu einem Drahtseilakt. Einerseits gilt es, die durch die gute Konjunktur zunehmenden Inflationsgefahren in Schach zu halten. Andererseits muß sie aufpassen, daß der Zinsanstieg nicht zu einem Einbruch am Immobilienmarkt führt - und in der Folge beim privaten Konsum, dem Zugpferd nicht nur der amerikanischen, sondern der Weltwirtschaft.
Das ungewöhnlich niedrige Zinsniveau hat die amerikanischen Immobilienpreise in den vergangenen vier Jahren um rund 50 Prozent steigen lassen. Nach einem Bericht der Bremer Landesbank haben Hauseigner den Wertanstieg ihrer Immobilien zur Aufnahme zusätzlicher Hypotheken genutzt: Von 2001 bis heute wurden so 1,6 Billionen Dollar an Krediten aufgenommen, die größtenteils zur Finanzierung von Konsum verwendet wurden - ein gewaltiger Impuls. Dem Bericht zufolge haben der Immobilien- und Bausektor seit 2001 mehr als 40 Prozent der neuen Jobs geschaffen.
Ölpreis ist ein Risiko
Steigende Zinsen könnten das Pendel umschlagen lassen: Sie drücken in der Tendenz die Immobilienpreise, erhöhen zudem bei Hypotheken mit variablen Zinsen die Belastung der Haushaltsbudgets. Die Risiken für den amerikanischen Immobilienmarkt und damit für die amerikanische Wirtschaft nehmen bei weiteren Zinserhöhungen durch die Fed überproportional zu, resümieren die Analysten der Bremer Landesbank. Ähnlich sieht auch ein aktueller Bericht von BNP Paribas das größte Risiko für die amerikanische Wirtschaft im Immobilienmarkt.
Auch der Ölpreis ist ein Risiko.Die Aussicht auf einen anhaltend kräftigen Aufschwung in Amerika hat den Preis für das Barrel Rohöl am Freitag zu Handelsschluß auf 62,31 Dollar springen lassen - ein Rekordhoch. Inzwischen richten sich die Händler auf ein dauerhaft hohes Preisniveau ein: So wurde Öl für Lieferung im Dezember 2011, also in gut sechs Jahren, an der New Yorker Terminbörse im Wochenverlauf erstmals mit mehr als 60 Dollar je Barrel gehandelt. Zu Jahresbeginn lag dieser Terminkurs noch bei 37,50 Dollar.
Yen unter Druck
In Japan hat Premierminister Junichiro Koizumi die auf Montag morgen angesetzte Parlamentsabstimmung über die Postreform zu einer Vertrauensabstimmung gemacht. Der Ausgang gilt als ungewiß.
Diese Unsicherheit hat den Yen zum Wochenschluß unter Druck gebracht. Der Euro sprang auf mehr als 138 Yen. Sollte Koizumi stürzen, dürfte der Druck auf den Yen noch zunehmen.
Text: F.A.Z., 08.08.2005, Nr. 182 / Seite 22
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
| Gesamt- Index |
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Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index12.11.2009 13:00 |
1353,86 | 1328,57 | 1263,43 |
Performance-Index12.11.2009 17:35 |
298,62 | 293,67 | 274,91 |
Euro-Aktien-Index12.11.2009 17:35 |
142,80 | 137,27 | 125,35 |
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Linde | 79,49 € | +2,24% |
| BAYER AG NA | 51,21 € | +1,75% |
| K+S | 38,50 € | +1,72% |
| Lufthansa | 11,20 € | +1,63% |
| Allianz | 83,46 € | +0,74% |
| Fresenius Vz | 44,23 € | −1,36% |
| Commerzbank | 7,18 € | −1,64% |
| E.ON | 26,79 € | −1,69% |
| Salzgitter | 62,01 € | −2,04% |
| Volkswagen | 98,22 € | −5,10% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.663,96 | −0,08% |
| TecDAX | 762,56 | +0,28% |
| MDAX | 7.297,53 | +0,21% |
| SDAX | 3.489,36 | +0,15% |
| REX | 373,71 | +0,04% |
| Eurostoxx 50 | 2.876,92 | −0,14% |
| Dow Jones | 10.197,50 | −0,91% |
| Nasdaq 100 | 1.773,14 | −0,55% |
| S&P500 | 1.087,24 | −1,03% |
| Nikkei225 | 9.770,31 | −0,35% |
| EUR/USD | 1,4858 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 76,07 $ | +0,07% |
| Gold | 1.114,75 $ | 0,00% |
| Bund Future | 121,47 € | −0,08% |
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