Von Stefan Ruhkamp
04. August 2007 Versicherer zählen seit Jahren zu den Außenseitern an der Börse. Trotz steigender Gewinne - die Allianz wird in diesem Jahr voraussichtlich mehr verdienen als jedes andere deutsche Unternehmen - meiden Anleger die Branche. Das hat allerdings dazu geführt, dass Versichereraktien gemessen an den Gewinnen der Unternehmen attraktiv bewertet sind.
Günstiger denn je seien sie, schreiben Analysten der WestLB. Gründe für die geringere Bewertung gebe es genügend, aber inzwischen sei die Höhe des Abschlags nicht mehr zu rechtfertigen. Warum greifen die Anleger trotzdem nicht zu? Die Bewertung von Versicherern ist schwieriger und mit mehr Unsicherheit verbunden als die Bewertung anderer Branchen, sagt Lucio Geronimo, Analyst der Unicredit. Deshalb fordern die Anleger eine zusätzliche Risikoprämie. Manchmal kommen sie aber auch zu falschen Schlüssen.
Steigender Zins als Entlastung für Lebensversicherer
So belaste zum Beispiel das steigende Zinsniveau die Kurse. In den Bilanzen, die nach dem internationalen IFRS-Standard berechnet werden, sei ein hoher Zins eine Belastung, weil bei unverändertem Wert der Passiva die Aktiva an Wert verlieren. Die IFRS-Bilanz der Allianz werde zum Beispiel durch einen Anstieg des Zinsniveaus um einen Prozentpunkt mit 3 Milliarden Euro belastet.
Ökonomisch - und das sei für Anleger die entscheidende Betrachtungsweise - sei die Wirkung aber genau umgekehrt, sagt Geronimo. Insbesondere für Lebensversicherer sei ein steigender Zins eine Entlastung, weil sie ihre Zinsgarantien leichter erfüllen können. Unter dem Strich bewirke der Zinsanstieg für die Allianz deshalb eine Entlastung von 300 Millionen bis 400 Millionen Euro.
Wert der Großschäden lag nur leicht über dem Plan
Ein anderes Manko, das Anleger häufig gegen Versichereraktien anführen, ist die Schwankungsanfälligkeit der Gewinne, die unter anderem vom Schadenverlauf abhängen. Doch selbst große Schadenereignisse wie zuletzt die Überflutungen in Großbritannien oder der Wintersturm Kyrill können die Versicherer wegen ihrer verbesserten Risikosteuerung inzwischen gut verkraften. Kyrill war einer der schadenträchtigsten Stürme in der Geschichte der europäischen Assekuranz. Allein in Deutschland sind rund 3,5 Milliarden Euro an versicherten Schäden entstanden, europaweit ist die Summe doppelt so hoch. Und dennoch sind die finanziellen Folgen gut verdaut worden.
Die Hannover Rück zum Beispiel stellt 8 Prozent der Prämieneinnahmen in der Schadenversicherung für Großschäden zurück. Trotz des Ausnahmesturms Kyrill lag der Wert der Großschäden im ersten Halbjahr mit 9 Prozent der Prämieneinnahmen nur leicht über der geplanten Summe. Die Folge: Der Rückversicherer verdient laut Quartalszahlen, die am Freitag veröffentlicht wurden, weiterhin glänzend. Die Eigenkapitalrendite beträgt im ersten Halbjahr fast 20 Prozent, und das Ergebnis lässt beim derzeitigen Kursniveau ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 8 erwarten. Käufer zahlen also das Achtfache des Jahresgewinns. Im Vergleich zum Gesamtmarkt - das KGV des Dax beträgt gut 13 - ist das ein auffallend niedriger Wert.
Stimmung wird sich zugunsten der Versicherer ändern
Ein anderer Grund für die seit Jahren andauernde Abneigung der Anleger ist das mäßige Wachstum der Versicherer. Die Assekuranz erzielt zwar derzeit hohe Preise für Versicherungsschutz und verdient deshalb gut, aber in Deutschland sind die Prämieneinnahmen in den Sparten Schaden und Unfall zuletzt sogar gesunken. Die Hoffnungen ruhen auf der privaten Altersvorsorge. Aber auch die Lebensversicherer wachsen nicht einmal im Durchschnittstempo der Wirtschaft.
Dennoch erwarten die meisten Analysten, dass sich die Stimmung an der Börse zugunsten der Versicherer ändern wird. Nach Einschätzung der WestLB werden dabei die wachsenden Ausschüttungen und Aktienrückkäufe helfen. Weil die Gewinne nicht für die Finanzierung von starkem Wachstum oder für Zukäufe benötigt würden, könnten die Versicherer immer mehr Geld an ihre Aktionäre zurückgeben. Eine solche Ankündigung hatte zuletzt die Münchener Rück gemacht. Sie will in den kommenden drei Jahren möglicherweise mehr als die schon in Aussicht gestellten 8 Milliarden Euro aufbringen.
Text: F.A.Z., 04.08.2007, Nr. 179 / Seite 19
Bildmaterial: dpa
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |