17. Mai 2005 Ein Girokonto muß nicht teuer sein, und vor allem müssen Guthaben darauf auch nicht unverzinst bleiben. Dies zeigt eine aktuelle Übersicht der FMH Finanzberatung Max Herbst in Frankfurt. Bankkunden, die ihr Girokonto zu besonders günstigen Konditionen führen wollen, müssen allerdings häufig bereit sein, dieses online zu führen. So bietet etwa die Net-Bank AG in Hamburg eine Guthabenverzinsung von 2,25 Prozent jährlich und erhebt noch nicht einmal eine Kontogebühr.
Allerdings können Konten dort nur online geführt werden. Denn die Net-Bank ist ein Internet-Kreditinstitut, das von Sparda-Banken im April 1999 gegründet worden ist, um standardisierte Bankdienstleistungen zu günstigen Konditionen ausschließlich über das Internet zu vertreiben. Rund 20 Beschäftigte zählt die Bank, die etwa 50000 Kunden betreut und der erweiterten Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken angehört, so daß Guthaben auf Girokonten bei der Net-Bank abgesichert sind.
Kostengünstige Transaktionsbanken
Allerdings lohnen auch Angebote von anderen Banken, die sich nicht über Beratung am Markt, sondern als kostengünstige Transaktionsbanken profilieren wollen. Dazu zählen vor allem auch die PSD-Banken, die aus den Post-, Spar- und Darlehnsvereinen hervorgegangen sind. Heute besteht die Gruppe aus 15 regionalen Kreditinstituten, die flächendeckend in ganz Deutschland vertreten sind und rund 1,1 Millionen Kunden betreuen. Unternehmensziel ist laut Eigendarstellung nicht die Erzielung hoher Unternehmensgewinne, sondern die objektive Beratung und partnerschaftliche Betreuung unserer Kunden, und das zu möglichst günstigen Konditionen.
Was die Banken bei den Zinsen gewähren, holen sie sich oft über Gebühren und Nebenbedingungen zurück. So zahlt die Hypo-Vereinsbank zwar einen anscheinend attraktiven Zins von 3 Prozent, aber nur bis zu einem durchschnittlichen Guthaben bis 1500 Euro jährlich. Gleichzeitig fordert sie 84 Euro Kontoführungsgebühren im Jahr. Damit erscheint das auf den ersten Blick attraktive Angebot auf den zweiten als deutlich weniger interessant.
Zahl der Geldautomaten
Außerdem sollten Bankkunden, die ein günstiges Girokonto suchen, nicht nur auf Gebühren und Guthabenverzinsung achten. Ein Aspekt, der nicht vernachlässigt werden sollte, ist die Zahl der Geldautomaten, die kostenlos zur Verfügung stehen, und ob diese an den Orten aufgestellt sind, an denen der Kunde sie häufig in Anspruch nehmen möchte. Denn eine Abhebung an einem fremden Geldautomaten kann heute leicht 3 Euro und mehr kosten. In dieser Hinsicht können die PSD-Banken mit mehr als 17000 Automaten deutschlandweit punkten. Die Net-Bank bietet über die Sparda-Banken Zugang zu 800.
Viele Banken wollen ein Girokonto jedoch nur eröffnen, wenn der Kunde gleichzeitig sein Monatsgehalt darauf buchen läßt. Denn das Salär ist aus Bankensicht immer noch das zuverlässigste Mittel, um einen Kunden auf Dauer zu binden. Oft werden die Kunden durch im Kleingedruckten versteckte Hinweise dazu gedrängt. Bei der Net-Bank etwa ist die EC-Karte im ersten Jahr nach der Kontoeröffnung kostenlos. Im zweiten Jahr verlangt die Bank schon 5 Euro für die Karte, wenn der Kunde nicht seine Gehaltseingänge auf dieses Konto lenkt.
Gut verhandeln
Eine Guthabenverzinsung ist in Wirklichkeit häufig eine Verhandlungssache. Wenn eine Bank einen Kunden binden möchte, räumt sie häufig Zinsen auch auf dem Girokonto ein oder macht plötzlich die flexible Nutzung eines Geldmarkt- oder Tagesgeldkontos möglich. Deshalb lohnt es sich immer, den Kundenberater darauf anzusprechen. Wer außer seinem Gehalt auch ein größeres Geldvermögen bei seiner Bank anlegt, hat ohnehin bessere Karten. Viele Kreditinstitute räumen ihren vermögenden Privatkunden eine Guthabenverzinsung ein, ohne groß dafür zu werben. Deshalb zeigt sich wieder einmal, daß Hartnäckigkeit im Umgang mit Banken belohnt wird.
Text: hlr., F.A.Z., 18.05.2005, Nr. 113 / Seite 23
Bildmaterial: dpa
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