28. Dezember 2005 Nach monatelangen Verhandlungen ist entschieden, wer künftig Eigentümer des Dieselmotorenbauers MTU Friedrichshafen ist: Daimler-Chrysler hat dem schwedischen Finanzinvestor EQT für 1,6 Milliarden Euro den Zuschlag gegeben. Der Konkurrent MAN sowie das Bieterkonsortium aus den Finanzinvestoren KKR und Dubai Capital sind leer ausgegangen.
Für Daimler-Chrysler ist der Verkauf ein weiterer Schritt bei der Konzentration aufs Automobilgeschäft, denn bei MTU werden nur Motoren gebaut, die nicht in Straßenfahrzeuge eingebaut werden, sondern beispielsweise in Schiffe, Bahnen, in Bau- und Landmaschinen oder in militärische Fahrzeuge, etwa den Kampfpanzer Leopard.
Auch EADS-Beteiligung steht zur Disposition
Die einzige größere Beteiligung im nichtautomobilen Bereich, die Daimler-Chrysler jetzt noch hält, ist der rund 8 Milliarden Euro schwere Anteil am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Auch dieser steht zur Disposition, wie der scheidende Konzernchef Jürgen Schrempp jüngst bestätigt hat. Allerdings sieht sich Daimler-Chrysler bei EADS mit politischen Interessen konfrontiert.
Auch bei MTU haben die Militäranwendungen, die 12 Prozent zum Umsatz beitragen, schon während des Verkaufsprozesses die Politik aufmerksam gemacht. Das Wirtschaftsministerium hat bereits angekündigt, den Verkauf mit Blick auf das Außenwirtschaftsgesetz zu prüfen.
Kartellrechtliche Prüfungen
Außerdem wird die Transaktion noch kartellrechtlich geprüft. Der endgültige Vertragsschluß wird für das erste Quartal 2006 erwartet. Erst dann wird sich die Transaktion im Ergebnis von Daimler-Chrysler niederschlagen. Das Konzernergebnis werde um 0,3 Milliarden Euro verbessert.
Der Liquiditätszufluß - als Differenz zwischen Unternehmenswert und Pensionsverpflichtungen sowie Schulden und flüssigen Mitteln von MTU - wird von Daimler-Chrysler mit 1,0 Milliarden Euro angegeben. Damit kann der Autohersteller die Ausgaben ausgleichen, die für den freiwilligen Personalabbau als Abfindungssumme eingeplant sind. Mit der Veräußerung von MTU an EQT seien die Weichen für die weitere Expansion von MTU Friedrichshafen gestellt, kommentiert Daimler-Strategievorstand Rüdiger Grube die Entscheidung.
EQT ist unser Wunschkandidat
Der Vertragsabschluß hatte sich bis zum Schluß immer wieder verzögert. Dem Vernehmen nach war vor allem die Zusammenarbeit mit Detroit Diesel strittig: Indem MTU bei Detroit Diesel Motoren zusammenbauen läßt, erfüllt der deutsche Hersteller die Anforderungen an den local content, der für bestimmte öffentliche Aufträge in Amerika gefordert wird.
Außerdem wurde offenbar darum gerungen, daß MTU als tarifgebundenes Unternehmen im Arbeitgeberverband bleibt. Sowohl der Betriebsrat wie auch die Geschäftsführung von MTU Friedrichshafen reagierten positiv auf die Entscheidung: EQT ist unser Wunschkandidat, der uns auf unserem Wachstumskurs begleitet, sagte MTU-Geschäftsführer Volker Heuer.
Immer ein guter Geldbringer für Daimler
Die MTU-Gruppe mit ihren 7000 Beschäftigten (von denen rund 5000 ihren Arbeitsplatz am Bodensee haben) wird in diesem Jahr nach vorläufigen Angaben den Umsatz um 17 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro steigern. Über das Ergebnis wurden bisher keine Angaben gemacht. Wir waren immer ein guter Geldbringer für Daimler, heißt es aber in Friedrichshafen.
Künftig wird der Gewinn durch eine höhere Zinslast schrumpfen, denn solche Transaktionen werden dadurch finanziert, daß ein Teil des Kaufpreises dem Unternehmen aufgebürdet wird. Im Fall von MTU ist von 900 Millionen Euro die Rede, was allerdings nicht offiziell bestätigt wird.
Dennoch hat EQT offenbar umfangreiche Investitionen zugesagt, darunter die bereits seit Sommer geplante Entwicklung der Motorenreihe 1600, die das MTU-Portfolio im unteren Spektrum abrunden und mittelfristig die Lieferungen aus dem Mercedes-Nutzfahrzeugbereich ersetzen soll. Wie es heißt, sollen allein die Investitionen in Forschung und Entwicklung von bisher 70 Millionen Euro jährlich auf künftig 100 Millionen Euro aufgestockt werden.
Auch in die Anlagen werde EQT investieren und in die Eroberung neuer Märkte, vor allem in Nordamerika und in Asien. Wir denken, daß unsere Investitionen in die geplanten Produkte der MTU hervorragend investiertes Geld sind, erklärt Marcus Brennecke, Geschäftsführer von EQT Deutschland. Daß wir bis zum Ernten der Früchte einen langen Atem benötigen, ist uns durchaus bewußt.
Chronik eines turbulenten Bietergefechts:
Zunächst stritten der Autokonzern Daimler-Chrysler und die Gründerfamilien über die Zukunft des Dieselmotorenherstellers MTU in Friedrichshafen. Dann kam es zu einem Milliardenpoker um den Verkauf des Unternehmens.
Januar 2005: Analysen ergeben, daß in den MTU-Motorenbau mehrere hundert Millionen Euro investiert werden müßten.
Mai: Der Autobauer verkündet, er wolle den MTU-Mehrheitsanteil verkaufen.
Juli: Die Gründerfamilien Maybach und Brandenstein-Zeppelin vereinbaren den Verkauf ihrer knapp 12 Prozent der MTU-Anteile an den amerikanischen Finanzinvestor Carlyle und düpieren damit Daimler-Chrysler, der den Mischkonzern MAN bevorzugt und ein Bieterverfahren mit mehreren Interessenten will.
August: MTU-Beschäftigte demonstrieren gegen Machtspiele zum Nachteil der Belegschaft. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) warnt vor einer Zerschlagung von MTU.
September: Daimler erzwingt gegen den Willen der Familiengesellschafter ein Liquidationsverfahren, um das Unternehmen als Ganzes verkaufen zu können. Der Autokonzern übernimmt für 170 Millionen Euro sämtliche Anteile der Familien.
Oktober: Carlyle scheidet endgültig aus dem Bieterkreis aus. Im Rennen sind jetzt MAN, EQT sowie der Finanzinvestor KKR, unterstützt von Dubai Capital.
November: Der MTU-Betriebsrat bekundet seine Sympathie für MAN. Daimler liegen angeblich Angebote von bis zu 1,7 Milliarden Euro vor.
28. Dezember: Daimler verkauft MTU für 1,6 Milliarden Euro an die Schweden.
Text: sup, F.A.Z.
Bildmaterial: dpa/dpaweb, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +56,07 | +19,18 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +1,59 | +5,83 |
| HYPO REAL ESTATE HOL | +0,27 | +5,74 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -3,44 | -7,19 |
| SAP AG INHABER - AKT | -1,85 | -6,40 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -1,46 | -4,73 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.488,19 | +1,88 |
| TecDax | 590,45 | -2,27 |
| DowJones | 10.104,36 | +1,50 |
| Nasdaq | 1.848,91 | -0,75 |
| STOXX 50 | 2.962,13 | +3,12 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,37 | +1,08 |
| Bund Future | 116,72 | -0,22 |
| Gold | 882,95 | +2,47 |
| Öl | 86,68 | -6,11 |
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