Frühaufsteher

Hohe Kursverluste trotz Rettungsplans

29. September 2008 Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag mit Verlusten in den Handel gestartet. Der Dax verlor 1,1 Prozent auf 5997 Punkte und fiel damit unter die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex 1,7 Prozent nachgegeben. Der Tec-Dax verlor 0,6 Prozent auf 721 Punkte.

Finanzwerte gerieten erneut unter Druck, nachdem die Hypo Real Estate von einer Bankengruppe vor dem Aus gerettet wurde und der Zusammenbruch der niederländisch-belgischen Fortis nur mit Hilfe des Staates vermieden wurde. Die Aktie der Hypo Real Estate stürzte um 75 Prozent auf 3,30 Euro. Commerzbank verloren 5,6 Prozent auf 13,41 Euro, und Deutsche Bank fielen um 2,2 Prozent auf 53,76 Euro.

„Die Vorgaben von der Wall Street sind zwar nicht schlecht und es gab endlich die erwartete Einigung über das amerikanische Rettungspaket. Allerdings stecken jetzt in Europa weitere Banken in der Krise“, sagte ein Händler am Morgen. „Anleger müssen sich somit weiter mit einem bunten Strauß aus Katastrophen herumschlagen.“ In Tokio verlor der Nikkei-Index bis Handelsschluss 1,3 Prozent. An der Wall Street war der Dow-Jones-Index am Freitag nach Handelsschluss in Europa ins Plus gedreht und hatte 1,1 Prozent höher geschlossen. Der Technologiewerte-Index Nasdaq Composite verlor hingegen 0,15 Prozent.

Anleger werden auch in der kommenden Woche gebannt auf die Entwicklung der Finanzkrise schauen, besonders da das Ringen um das amerikanische Rettungspaket nach hartem politischen Ringen ein Ende hat. Das sollte den Aktienmärkten etwas Luft verschaffen, auch wenn noch unklar ist, wie die Details aufgenommen werden. Am Sonntag hatten Demokraten und Republikaner im amerikanischen Kongress mit der Regierung eine grundsätzliche Einigung über das Programm zum Aufkauf fauler Kredite existenzbedrohter Banken erzielt.

Unterdessen geriet mit der Hypo Real Estate (HRE) der erste Dax-Konzern tief in den Strudel der ausufernden Finanzkrise. Wie in der Nacht auf Montag bekannt wurde, stellte ein Konsortium aus deutschen Banken dem Immobilien- und Staatsfinanzierer Kreditlinie in der Höhe von „mehreren Milliarden Euro“ zur Verfügung. Damit sei die Refinanzierung der Bank auf „absehbare Zeit“ gesichert.

Bereits in der vergangenen Woche hatte es Gerüchte über Probleme bei der Hypo Real Estate gegeben. Weitere Hiobsbotschaften gab es auch von anderen europäischen Banken. Das belgisch-niederländische Institut Fortis musste mit einer Kapitalspritze in Milliardenhöhe von den Benelux-Regierungen gerettet werden der britische Immobilienfinanzierer Bradford & Bingley steht vor der Verstaatlichung. Teile der Bank übernimmt die spanische Großbank Santander.

„Krisen hat es immer schon gegeben, auch wenn diese hier vom Ausmaß her fast ohne Beispiel ist“, sagte Aktienstratege Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. Der Sturz der Washington Mutual sei zwar ein weiterer Schock, allerdings sei der Markt bereits sehr leidensfähig und habe auch schon einiges an schlechten Nachrichten im aktuellen Kursniveau berücksichtigt. Duwe geht davon aus, dass die Kurse weiter stark schwanken werden und die alten Tiefstände noch einmal angetestet werden könnten. „Eigentlich sollte der Boden aber gefunden sein.“ Mit einer großen „Erleichterungsrally“ rechnet Duwe allerdings nicht. „Die überraschend angekündigte Maßnahme hatte bereits für Kursgewinne gesorgt. Viel nachkommen kann hier nicht“.

Die Experten der Weberbank nahmen die Ereignisse der vergangenen Wochen zum Anlass, ihre Prognose für den Aktienmarkt pessimistischer zu gestalten. „Das Finanzsystem wird bereits nie mehr das sein, was es einmal war, weil es in den Vereinigten Staaten keine der großen Investmentbanken mehr als solche gibt“, so die Analysten. „Wie man es auch dreht und wendet, die schnellere Genesung des Bankensystems wird erkauft mit einer Lähmung der restlichen Wirtschaft“. Zudem sei die schiere Dimension des Bankenproblems viel größer, als es vor zwei Wochen die schlimmsten Vorahnungen hätten vermuten lassen. „Diese negative Überraschung wiegt schwerer als jeder mögliche Erfolg, dem man dem groß angelegten Notfallprogramm der amerikanischen Regierung nur wünschen kann“.

Angespannte Lage am Primärmarkt für Staatsanleihen

Am Primärmarkt für Euroraum-Staatsanleihen erwarten Experten in der neuen Woche eine angespannte Liquiditätslage. Obwohl Staatspapiere aktuell gesucht seien, dürfte das angestrebte Volumen nicht gut aufgenommen werden, heißt es in einer Studie von HSBC Trinkaus. So stünden Rückzahlungen und Kupons über insgesamt 13,2 Milliarden Euro an. Der Wert neuer Anleihen liege indes mit 17 Milliarden Euro über den Rückflüssen.

Frankreich emittiere am Donnerstag eine neue zehnjährige Anleihe über rund 5,5 Milliarden Euro. Am gleichen Tag sei Spanien mit einer neuen fünfjährigen Anleihe über rund 3 Milliarden Euro am Markt. Bereits am Montag stockten Belgien und Italien je drei Anleihen auf.

Am Montag verzeichneten die europäischen Anleihenmärkte Kursgewinne. Der richtungweisende Terminkontrakt auf deutsche Bundesanleihen, Bund-Future, stieg am Vormittag um 9 Basispunkte auf 113,90 Zähler.

Euro gibt stark nach

Die europäische Gemeinschaftswährung hat die Einigung auf den Rettungsplan der amerikanischen Regierung für die Bankenbranche mit kräftigen Kursverlusten quittiert. Im Vormittagshandel kostete der Euro 1,4325 Dollar, nachdem er am Freitag vor der Einigung noch über 1,46 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag noch auf 1,4640 (Donnerstag: 1,4700) Dollar festgesetzt.

Der Dollar sei darüber hinaus von den Problemen der europäischen Finanzhäuser Hypo Real Estate und Fortis beflügelt worden, hieß es. Der Euro litt unter der Notaktion, mit der die Benelux-Staaten am Sonntag den niederländisch-belgischen Finanzkonzern Fortis für 11,2 Milliarden Euro retteten. Die britische Währung wurde von Nachrichten über eine bevorstehende Verstaatlichung der Hypothekenbank Bradford & Bingley geschwächt.

„Die beiden Fälle zeigen, dass die Finanzkrise nicht auf die Vereinigten Staaten begrenzt ist, sondern weltweit um sich greift“, sagte ein japanischer Devisenhändler. „Da die Vereinigten Staaten mit ihrem Hilfspaket vorankommen, schaut der Markt nun auf Europa und andere Regionen.“

Tokios Börse dreht ins Minus

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Montag nach anfänglichen Gewinnen in Folge der Einigung in den Vereinigten Staaten auf das Rettungspaket für die Finanzbranche ins Minus gedreht. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei verzeichnete bis Börsenschluss einen Verlust von 1,3 Prozent auf 11.744 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,7 Prozent auf 1128 Punkte.

Auch an anderen Börsen in Asien kam es im Handelsverlauf trotz der Einigung in den Vereinigten Staaten auf das milliardenschwere Rettungspaket für die Finanzbranche zu Verlusten.

Unterdessen setzte die japanische Zentralbank ihre Liquiditätszufuhr für den Geldmarkt in der dritten Woche in Folge fort. Die Bank of Japan pumpte weitere 1,5 Billionen Yen (9,7 Milliarden Euro) in den Markt, um angesichts der Folgen der Bankenkrise in den Vereinigten Staaten für Stabilität zu sorgen.

Aktien Hongkong mittags sehr schwach

Belastet von den Abgaben bei Immobilienwerten zeigten sich die Kurse an der Börse in Hongkong am Montagmittag (Ortszeit) mit einer sehr schwachen Tendenz. Vor allem Ping An standen aufgrund ihres Engagements bei Fortis unter Abgabedruck und verlieren 9,5 Prozent auf 43 Hongkong-Dollar. Fortis wird teilweise verstaatlicht und so vor dem Ruin bewahrt.

Die Abgaben bei Ping An belasteten auch den Gesamtmarkt. Der Hang Seng-Index gab bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte um 2,1 Prozent auf 18.287 Punkte nach, nachdem er im Verlauf schon bis auf 18.742 Punkte gestiegen war. Nach dem Fall unter das Niveau von 18.500 Punkten wird nun bei 18.00 Punkten die nächste Unterstützung gesehen.

„Es gibt noch eine ganze Menge Unsicherheit im Markt wie sich die Kurse an Wall Street weiter entwickeln“, sagte ein Händler. Bei den Immobilienwerten rechnetw ein Analyst vor dem Hintergrund des unsicheren Ausblicks kurzfristig mit weiteren Abgaben von bis zu 10 Prozent. Cheung Kong verloren 4,4 Prozent auf 89,40 Hongkong-Dollar, Henderson Land fielen um 3,6 Prozent auf 35 Hongkong-Dollar, Sun Hung Kai Properties gaben um 3,9 Prozent auf 82,10 Hongkong-Dollar nach und Sino Land verzeichneten ein Minus von 6,6 Prozent auf 9,01 Hongkong-Dollar.

Börse Shanghai diese Woche geschlossen

Die Börse in Shanghai bleibt vom heutigen Montag bis zum Wochenende wegen Feiertagen geschlossen. Aufgenommen wird der Handel wieder am 6. Oktober.

Wachovia an der Nachbörse weiter unter Druck

Im nachbörslichen Aktienhandel in New York haben die Kurse am Freitag unter dem Strich zugelegt. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 0,09 Prozent auf 1674 Punkte.

Die Aktien der amerikanischen Regionalbank Wachovia haben am Freitag nachbörslich im New Yorker Handel weiter unter Druck gestanden. Das „Wall Street Journal“ hatte nach der Schlussglocke berichtet, die Bank sei mit mehreren potenziellen Interessenten in vorläufige Verhandlungen eingetreten. Darunter sollen Banco Santander, Wells Fargo und die Citigroup sein, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie weitere 14,5 Prozent auf 8,55 Dollar, nachdem sie bereits im regulären Handel um 27 Prozent nachgegeben hatte.

Research in Motion erholten sich dagegen nach der Schlussglocke von ihren Abgaben aus dem regulären Handel etwas. Nach offiziellem Handelsschluss legte die Aktie um 0,7 Prozent auf 71,29 Dollar zu. Im Sitzungsverlauf waren die Titel um 27,4 Prozent eingebrochen. Die Zahlen des Unternehmens für das zweite Quartal hatten zwar überzeugt, allerdings lag der Ausblick unter den Erwartungen der Analysten. Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Überschuss je Aktie von 0,89 Dollar bis 0,97 Dollar, im Konsens hatten Analysten 0,97 Dollar vorausgesagt.

Finanzwerte im Fokus der Wall Street

Nach einem weitgehend von Verlusten geprägten Handelstag haben die Standardwerte an der Wall Street am Freitag im Plus geschlossen. Die Hoffnung auf eine baldige Einigung über das von der amerikanischen Regierung geplante Rettungspaket für die Finanzmärkte verschaffte vor allem Bankenwerten Gewinne. Die Tech-Werte mussten dagegen Verluste hinnehmen.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent im Plus auf 11.143 Punkten, im Handelsverlauf pendelte er zwischen 10.868 und 11.168 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,34 Prozent auf 1213 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq gab dagegen um 0,15 Prozent auf 2183 Punkte nach. Im Wochenverlauf verlor der Dow 2,06 Prozent, der S&P 3,23 Prozent und der Nasdaq 3,98 Prozent.

Das vom amerikanischen Präsidenten George Bush einberufene Krisentreffen über das Rettungspaket hatte am Donnerstag zwar keine Einigung gebracht. Am Freitag erklärte Bush jedoch, dass alle Parteien weiter an einer Einigung arbeiten. Zwar gebe es Differenzen, aber es herrsche Einigkeit darüber, dass etwas Tiefgreifendes getan werden müsse. Über das Wochenende wurde eine Einigung über das Rettungspaket erzielt.

Einige wichtige Finanzwerte machten anfängliche Verluste wieder gut - die Aktie der Citigroup schloss 3,8 Prozent fester, das Papier der Bank of America notierte zu Handelsschluss gar 6,8 Prozent im Plus. Die Aktie des amerikanischen Regionalinstituts Wachovia stürzte am Freitag jedoch 27 Prozent ab und auch die Papiere der National City brachen über 25 Prozent ein, obwohl die Bank die Möglichkeit einer Übernahme durch den Einlagensicherungsfonds als „lächerlich“ zurückwies.

Die Aufsichtsbehörden hatten die größte Sparkasse Washington Mutual in der Nacht zum Freitag geschlossen - der größte Bankenzusammenbruch in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Teile des Instituts wurden für 1,9 Milliarden an die Bank JP Morgan Chase verkauft. Die Aktie von JP Morgan notierte zum Handelsschluss 11 Prozent fester.

Zu den Verlierern gehörten am Freitag zahlreiche Techwerte: Die Aktie des BlackBerry-Herstellers Research In Motion stürzte über 27 Prozent ab, nachdem das Unternehmen mit seinem Ausblick enttäuscht hatte. Auch die Papiere des Computer- und Unterhaltungselektronikherstellers Apple mussten Federn lassen, sie gingen mit einem Abschlag von 2,8 Prozent aus dem Handel. Negativ wirkten sich zudem Energiewerte aus, die zusammen mit dem Ölpreis fielen.

Amerikanische Staatsanleihen weiter gesucht

An den amerikanischen Kreditmärkten sind die Kurse am Freitag weiter gestiegen. Der Markt profitierte somit auch zum Wochenschluss davon, dass die Anleger einen sicheren Hafen für ihr Geld suchten. Zehnjährige amerikanische Staatsanleihen erhöhten sich im um 05/32 auf 101-08/32. Sie rentierten mit 3,844 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 19/32 auf 102-09/32 und hatten eine Rendite von 4,362 Prozent.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

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