Kapitalmarkt

Chinesen liebäugeln mit Börsengängen in Frankfurt

Von Thorsten Winter

23. Oktober 2007 Frankfurt. Die chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen laufen seit Beginn dieses Jahres fast ungehindert nach oben. Sie profitieren unter anderem von Börsengängen großer Unternehmen wie der China Construction Bank und China Shenhua Energy, des größten nationalen Kohleförderers. Im Schatten solcher Riesen drängen weitere Unternehmen aufs Parkett. Und schielen dabei auf Börsen im Ausland - zum Beispiel auf Frankfurt.

Der eine oder andere chinesische Börsenkandidat dürfte in naher Zukunft hier sein Debüt geben, wie die Deutsche Börse AG hofft. „Derzeit bereiten sich nach unserem Wissen zehn Unternehmen vor, in den nächsten zwölf bis 18 Monaten in Frankfurt an die Börse zu gehen“, sagt Rainer Riess, Managing Director und verantwortlich für den Kassamarkt. In all diesen Fällen haben die Kandidaten Wirtschaftsprüfer und Banken beauftragt, sie bei dem Ereignis zu begleiten, wie er sagt.

Die meisten Kandidaten siedeln im Perlflussdelta

Börsengänge von Unternehmen aus China zählen zu den Raritäten in Frankfurt. Zwar sind hier die Aktien von mehr als 90 Konzernen aus dem „Reich der Mitte“ zu haben. Es handelt es sich dabei aber jewils um sogenannte Zweitlistings von Titeln, die zuvor an anderen Märkten wie etwa Hongkong schon notiert worden waren. Allerdings scheint sich das nun langsam zu ändern. Im Juli legte Zhong De Waste Technology, ein Hersteller von Müllverbrennungsanlagen, einen echten Börsengang in Frankfurt hin. Und zwar mit Erfolg: Die Nachfrage nach dem Papier war um das Dreizehnfache höher als das Angebot. Zuvor war schon der Maschinenbauer Gongyou Machines am Main gelistet worden, nachdem dessen Aktien ausgewählten Investoren angeboten worden waren.

Der Frankfurter Börsenbetreiber beginnt nun die Ernte seines Engagements im „Reich der Mitte“ einzufahren. Seit Mai 2006 tritt die Deutsche Börse regelmäßig dort auf. Seit Jahresbeginn war sie in China bei 1824 Veranstaltungen vertreten, wie auf einer eigens mit Blick auf chinesische Firmen eingerichteten Seite unter www.deutsche-boerse.com zu lesen ist - auf Chinesisch wie auf Deutsch. Hinzu kommen sechs Veranstaltungen in Frankfurt. Die sogenannnten Listing-Seminare, bei denen denen Unternehmen alles Wissenswerte rund um einen Börsengang erklärt wird, sind auf großes Interesse gestoßen, wie Riess sagt.

Zuletzt stellte sich die Deutsche Börse im Oktober bei der Hochtechnologiemesse in Shenzhen vor, der am Perlflussdelta unweit von Hongkong gelegenen Sonderwirtschaftszone. Aus jener besonders wachstumsstarken Region stammen auch viele Börsenkandidaten, die für Frankfurt in Frage kommen. Auch aus der Gegend um Tianjin erfährt die Deutsche Börse reges Interesse. In der anderthalb Autostunden von Peking entfernt gelegenen Industriestadt hat Riess im März ein Kooperationsabkommen mit der „Property Rights Exchange Tianjin“, einer Art Treuhandanstalt, unterzeichnet.

Einen Fuß in den europäischen Markt setzen

Eine Delegation dieser staatlichen Agentur zur Privatisierung von Unternehmen wird noch in diesem Jahr in Frankfurt erwartet, um sich über den Finanzplatz zu informieren. Die Deutsche Börse hat zuletzt im September in Tianjin ein Listing-Seminar gegeben und konnte dort nach eigenen Angaben rund 60 Vertreter von Firmen begrüßen.

Ein Börsengang in Frankfurt habe aus chinesischer Sicht besonders dann Sinn, wenn die Firmen in Europa nicht nur bei Investoren wahrgenommen werden wollen, sondern auch geschäftlich Fuß fassen möchten. In solchen Fällen sei es sinnvoll, im Rhein-Main-Gebiet präsent zu sein und etwa den Vertrieb aufzubauen, erläutert Riess.

Ähnlich aktiv wie in China ist der Börsenbetreiber in Russland. Auch für russische Firmen findet sich auf dem Internetauftritt der Deutschen Börse eine zweisprachig gehaltene Unterseite. Obwohl russische Firmen traditionell eher zum Finanzplatz London tendierten, könnte es in den nächsten Monaten in Frankfurt auch zu einem Börsengang einer russischen Firma kommen. Ein halbes Dutzend Unternehmen bereitet sich laut Riess darauf vor.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Anna Mutter

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S&P 500 Zert. 12,95 +1,17
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