Die Wiener Börse ist Vorreiterin, wenn es darum geht, Aktienindizes auf osteuropäische Börsen aufzulegen. Jetzt hat sie die Angebotspalette mit dem Kazakh Traded Index (KTX) um ein weiteres Produkt auf nunmehr 17 Indizes mit Ausrichtung auf Ost- und Südosteuropa erweitert.
Der Index besteht aus den umsatzstärksten Aktien und Global Depositary Receipts (GDRs) jener Unternehmen, die ihre Hauptgeschäftstätigkeit in Kasachstan haben und an der London Stock Exchange gehandelt werden. In dem kapitalisierungsgewichteten Preisindex sind konkret die Kazkommerzbank, Kazakhmys, KazMunaiGas Exploration Production, Halyk Savings Bank und die KazakhGold Group enthalten.
Als Startwert des KTX wurden 1.000 Indexpunkte (per 2. Januar 2007) festgelegt. Der KTX wird von Montag bis Freitag an allen Handelstagen der London Stock Exchange berechnet und veröffentlicht und sowohl in Euro als auch in Dollar berechnet. Um eine möglichst ausgewogene Gewichtung zu gewährleisten, ist der Anteil einer einzelnen Aktie am Index auf maximal 25 Prozent beschränkt. Die aktuelle Zusammensetzung wird vom Indexkomitee halbjährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Weltweit basieren 80 Prozent aller strukturierten Produkte mit (Süd)Osteuropa-Bezug auf den Indizes der Wiener Börse. Und auch auf den neuen Index wurden sofort erste Zertifikate begeben. Aktiv geworden sind die Derivate-Experten der Erste Bank und der Raiffeisen Centrobank. Von der Erste Bank stammt dabei ein reines KTX Open End Index Zertifikat (ISIN: AT0000A05YX6). Der Spread beträgt hier rund Prozent und das Bezugsverhältnis 100:1. Gehandelt wird das Produkt an den Börsen in Wien und Stuttgart. An diesen beiden Börsen werden auch die Angebote der Raiffeisen Centrobank gehandelt, wobei von diesem Institut aber gleich fünf Produkte stammen (siehe Grafiken). Neben einem KTX Open End Zertifikat (ISIN: AT0000A06004) gibt es zwei Long-Turbo-Zertifikate (ISIN: AT0000A06012 und AT0000A06020) sowie zwei Discount-Zertifikate (ISIN AT0000A06038 und AT0000A06046).
Bei allen Produkten wird keine Managementgebühr fällig, der Spread beträgt bei der Raiffeisen Centrobank und bei der Erste Bank jeweils rund ein Prozent (nicht fix). Außerdem kassieren die Emittenten die Dividendenrendite, die aber im Schnitt bei unter einem Prozent liegt. Bereits seit geraumer Zeit gibt es zwei Produkte (von der ABN Amro (ISIN: NL0000805869) und der Deutschen Bank (ISIN: DE000DB1KAZ7)) auf andere kasachische Produkte.
Angelockt werden die Emittenten, aber auch die Investoren durch die sehr günstigen volkswirtschaftlichen Rahmendaten des Landes. Nicht zuletzt dank des Rohstoffreichtums (vier Fünftel der kasachischen Exporte entfallen auf Rohstoffe) ist das Bruttoinlandsprodukt im Vorjahr um 10,6 Prozent gestiegen. Dieses rasante Wachstum war kein Einzelfall. Vielmehr ist die Wirtschaft seit 1999 mit einer durchschnittlichen Rate von 9,3 Prozent pro Jahr gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt wird laut Präsident Nursultan Nasarbajew, der das Land autokratisch regiert, zum Jahresende bei 7.000 Dollar pro Kopf liegen. Das ist doppelt soviel wie 2004 und zehnmal soviel wie Mitte der 90er Jahre, prognostizierte Nasarbajew kürzlich vor dem Kongress der regierenden Partei Nur Otan.
In den kommenden Jahren soll es mit ähnlichen Schritten weiter vorwärts gehen. So teilte Kasachstans Industrie- und Handelsminister Galym Orasbakow erst kürzlich mit, dass die Pläne bis 2015 eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes von gegenwärtig 76 Milliarden auf 300 Milliarden Dollar vorsehen und eine Steigerung des Außenhandels von 62 Milliarden auf 200 Milliarden Dollar.
Getrieben von den positiven volkswirtschaftlichen Rahmendaten legte der kasachische Aktienindex KASE in den vergangenen beiden Jahren um jeweils mehr als 100 Prozent zu. In diesem Jahr ist der Kursaufschwung aber ins Stocken geraten. Das lässt sich auch am KTX erkennen. Denn rückgerechnet zeigt sich, dass der Index derzeit lediglich auf dem schon zu Jahresbeginn gültigen Kursniveau notiert. Die Auszeit war notwendig geworden, weil viele kasachische Aktien die guten Perspektiven bereits in Form hoher Bewertungen vorweggenommen haben.
Durch die Verschnaufpause der vergangenen Monate haben sich die vorherigen Übertreibungen wieder etwas relativiert. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von grob gesprochen zwischen 18 und 19 sind die im KTX vertretenen Werte (Angaben ohne KazakhGold) aber noch immer eher etwas ambitioniert bewertet. Deswegen kann es auch noch etwas dauern, bis der Index wieder richtig durchstartet. Langfristig sind die Chancen auf eine zumindest solide Performance aber gegeben. Zumindest dann, wenn sich die skizzierten Wachstumshoffnungen erfüllen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: Bloomberg, Erste Bank, Raiffeisen Centrobank AG
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 6.012,31 | −0,20% |
| TecDAX | 823,90 | −0,87% |
| MDAX | 7.987,22 | −0,36% |
| SDAX | 3.794,33 | −0,30% |
| REX | 382,47 | +0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.913,74 | −0,60% |
| Dow Jones | 10.779,20 | +0,42% |
| Nasdaq 100 | 1.943,94 | +0,40% |
| S&P500 | 1.165,82 | −0,03% |
| Nikkei225 | 10.744,00 | −0,95% |
| EUR/USD | 1,3614 | +0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 81,20 $ | −0,34% |
| Gold | 1.122,75 $ | +0,09% |
| Bund Future | 123,02 € | −0,12% |
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| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index18.03.2010 13:00 |
1405,63 | 1360,17 | 1332,84 |
Performance-Index18.03.2010 17:35 |
311,50 | 301,18 | 294,62 |
Euro-Aktien-Index18.03.2010 17:35 |
143,46 | 141,56 | 137,36 |