Wintersport

Auf Nummer Sicher fahren

Von Nadine Oberhuber

02. Februar 2008 Es gibt kaum ein Gespräch übers Skifahren, in dem nicht einer der Beteiligten eine Horrorgeschichte erzählt: von Bekannten mit gebrochenen Beinen oder Becken oder dem Rettungsflug per Hubschrauber. Skiunfälle können aber nicht nur grausige, sondern auch teure Erinnerungen werden, wenn später die Rechnungen für die Behandlungen ins Haus flattern.

Allein das Eingipsen eines Beinbruchs kostet schnell mal tausend Euro, der Hubschrauberflug eine mittlere vierstellige Summe und eine Kreuzband-OP in Österreich sogar 12 000 Euro. „Und wenn Sie in Amerika ins Krankenhaus kommen, ist das Ihr sicherer Ruin“, warnt Reiserechtler Kay Rodegra.

„Gipsbomber“ wird nicht bezahlt

Nicht für alles kommt die Krankenkasse auf. „Daran denken viele Urlauber gar nicht, wenn sie mal schnell für ein langes Wochenende in die Berge fahren“, sagt Jochen Österle vom ADAC. Zwar überstehen Millionen Pistenflitzer die Skisaison ohne Blessuren, jeder Zehntausendste wird aber in einen Skiunfall verwickelt. Rund 60.000 Fahrer im Jahr müssen im Ausland geborgen und behandelt werden. Das wird auch ohne Splitterbruch kompliziert.

Die Bergung und Behandlung bekommt der Skifahrer von seiner Krankenkasse ersetzt. Doch nur, wenn er wirklich einen Unfall hatte. Muss er dagegen gerettet werden, weil er sich im Gebirge verirrt hat, kommt er selbst für den Einsatz auf. Den Rücktransport in die Heimat zahlt der Unglücksrabe in jedem Fall selbst, also die Kosten für den „Gipsbomber“, wie die Notfallflugzeuge heißen, oder die Krankenwagenheimfahrt. Es sei denn, er hat eine Auslandskrankenversicherung. Die sollte ohnehin zum Reisegepäck jedes Urlaubers gehören, zumal sie oft nicht mehr als 15 Euro im Jahr kostet.

Private Unfallversicherung wird empfohlen

Zusätzlich raten Verbraucherschützer, eine private Unfallpolice abzuschließen, weil schwere Skiunfälle oft bleibende Schäden hinterlassen. Die Versicherung zahlt etwa bei Lähmung oder Amputation. Die günstigsten Policen kosten 120 Euro im Jahr und decken alle Freizeitunglücke ab - auch außerhalb des Urlaubs und im Inland.

Die gesetzliche Versicherung zahlt dagegen nur, wenn im Beruf oder auf dem Arbeitsweg etwas passiert. Von der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung wiederum kann der Verletzte erst Hilfe erwarten, wenn die Folgen so schwer sind, dass er seinen Beruf gar nicht mehr ausüben kann.

Kombipakete oft am günstigsten

Bequemer und oft billiger als mit mehreren Einzelpolicen fahren Hobbysportler mit Kombipaketen von Alpenverein, Skiverband oder Verkehrsclubs. Sie sind für 30 bis 40 Euro zu haben und versichern Partner oder Kinder oft günstig mit. Neben Unfall- und Krankenkosten bekommt der Versicherte bei ihnen meist Rechtsschutz und auch Haftpflichtschäden erstattet, wenn er selbst andere verletzt.

Sogar gegen Skidiebstahl sind viele Fahrer damit versichert. Darüber lässt sich allerdings streiten: Die meisten Ski werden an Hütte oder Schneebar gestohlen. Die Versicherung zahlt aber nur, wenn die Ausrüstung aus abgeschlossenen Räumen oder Autos abhanden- kommt. Sicher ist nur eines: Völlig ungeschützt sollte niemand auf die Piste gehen, zumindest auf Auslandskranken- und Haftpflichtpolice sollten Sportler abfahren.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.02.2008, Nr. 5 / Seite 45
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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