06. September 2007 An den Geldmärkten lassen Unsicherheit und Nervosität nicht nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat deshalb den Banken am Donnerstag über ein kurzfristig ausgeschriebenes Refinanzierungsgeschäft zusätzlich 42,3 Milliarden Euro für einen Tag zur Verfügung gestellt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet kündigte zudem für die kommende Woche ein weiteres Geschäft mit dreimonatiger Laufzeit an. Wir müssen sicherstellen, dass der Geldmarkt funktioniert, sagte Trichet.
Der Zins für Tagesgeld, der am Mittwoch zeitweilig auf 4,67 Prozent gestiegen war, ist daraufhin am Nachmittag auf 3,7 Prozent gefallen. Dreimonatsgeld blieb mit 4,73 Prozent ungewöhnlich teuer. Fachleute befürchten, dass fortdauernd hohe Geldmarktzinsen die Finanzierungskosten der Unternehmen verteuern und zu einer Belastung für die Konjunktur werden.
Anlass für die anhaltende Verspannung am Geldmarkt ist, dass unter den Banken weiterhin großes Misstrauen besteht. Führende Banker mahnten daher am Donnerstag ihre Wettbewerber, sämtliche Risiken aus der Subprime-Krise sofort offenzulegen, um das Vertrauen wiederherzustellen. Wenn wir die Vertrauenskrise nicht beenden, dann droht dem Markt ein Dominoeffekt, der viele Unbeteiligte treffen wird, warnte Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller. Der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann forderte, die Banken sollten ihre Risikopositionen in der Bilanz zu aktuellen Marktpreisen bewerten.
Zins für Dreimonatsgeld ist ungewöhnlich hoch
Nach den plötzlich aufgetretenen Schieflagen bei IKB Deutsche Industriebank und Sachsen LB befürchten viele, dass es anderen Banken über Nacht ähnlich ergehen könnte. Zahlreiche Kreditinstitute scheuen sich deshalb, überschüssige Liquidität, die ihnen durch Kundengeschäfte zugeflossen ist, wie in normalen Zeiten üblich, denjenigen Banken auszuleihen, bei denen die Liquidität aufgrund von Kundengeschäften abgeflossen ist. Die Banken mit Überschüssen horten Liquidität auf ihrem Konto bei der Zentralbank - und nehmen sogar in Kauf, dass ihnen ansonsten mögliche Zinseinkünfte entgehen.
Die Banken mit Liquiditätsbedarf bringt dies in Nöte. Der Zins für Tagesgeld schnellt deshalb immer wieder nach oben, der Zins für Dreimonatsgeld ist nun schon seit Wochen ungewöhnlich hoch. Weil aber selbst zu den erhöhten Zinssätzen im Interbankhandel wenig Geldleihgeschäfte abgeschlossen werden, pumpen viele Zentralbanken Liquidität in den Markt. Die amerikanische Fed stellte am Donnerstag 31 Milliarden Dollar zur Verfügung.
Es steht ein Zinsschock bevor
Ursache für das Misstrauen der Banken untereinander ist, dass es derzeit eine Reihe von Problemfeldern gibt, die einzelne Banken in Zahlungs- und Solvenzschwierigkeiten bringen könnten. Dazu zählt nach wie vor der amerikanische Markt für Hypotheken an Schuldner mit schlechter Bonität. Denn die Zahl der Haushalte, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können, dürfte in nächster Zeit weiter zunehmen. In den kommenden Quartalen steht Monat für Monat Hypotheken im Gesamtvolumen von 35 Milliarden Dollar und mehr ein Zinsschock bevor (siehe Grafik). Bei diesen Hypotheken wird der anfänglich niedrige Zins dann durch einen spürbar höheren Zinssatz ersetzt. Bei einer Hypothek von 100 000 Dollar führt dies oft zu einer monatlichen Mehrbelastung der Familien von 200 bis 400 Dollar - was Hunderttausende Haushalte, deren Finanzlage von Anfang an angespannt war, nicht durchhalten dürften.
Damit droht die Zahl der Hypothekenausfälle weiter zu steigen. Laut Willem Sels, einem Kreditderivate-Experten von Dresdner Kleinwort, erwarten die Ratingagenturen, dass bis zu 15 Prozent dieser Hypotheken ausfallen könnten. Als Folge dürften auch viele der riskanteren Tranchen derjenigen Spezialanleihen ausfallen, in denen diese Hypotheken verbrieft wurden. Diese Tranchen dürften überwiegend von Hedge-Fonds gehalten werden, sagt Sels. Deshalb dürften in nächster Zeit weitere Hedge-Fonds in Schwierigkeiten geraten. Das aber könnte auf diejenigen Banken durchschlagen, die den Hedge-Fonds als sogenannte Prime Broker in großem Stil Kredite gewährt haben.
Schwierigkeiten Kredite zu refinanzieren
Mit Unruhe wird dem nahenden Quartalsultimo entgegengeblickt. Denn bei einigen Hedge-Fonds können die Investoren zum Quartalsende ihr angelegtes Kapital zurückziehen. Dies könnte die Fonds zwingen, Vermögenswerte zu verkaufen. Dies wiederum könnte nicht nur den betroffenen Fonds herbe Verluste bereiten, sondern die Preise und Kurse an zahlreichen Märkten unter Druck bringen. Einige Banker beschwichtigen aber. Wir haben keine Anzeichen dafür, dass massiv Gelder aus Hedge-Fonds abgezogen werden, sagt Martin Keller, Leiter der Hedge-Fonds-Investitionen der Deutschen Bank.
Zu den weiteren Problemfeldern zählt, dass bestimmte Zweckgesellschaften, sogenannte ABCP-Conduits, derzeit kaum in der Lage sind, sich am Markt über Ausgabe kurzfristiger Wertpapiere (Commercial Paper) zu refinanzieren. Sie ziehen deshalb Kreditlinien der Banken. Auch manche Banken scheinen Schwierigkeiten zu haben, die milliardenschweren Kredite, die sie nun gewähren müssen, am Markt zu refinanzieren. Nach Angaben der amerikanischen Notenbank konnten allein im August Commercial Papers im Volumen von 200 Milliarden Dollar nicht refinanziert werden, 12 Prozent des Gesamtmarkts. Das Problem dürfte sich hinziehen, weil weitere Commercial Papers fällig werden und einer Refinanzierung bedürfen.
Über alldem schwebt die immer größer werdende Sorge, dass die steigende Zahl der Zwangsverkäufe am amerikanischen Immobilienmarkt die Konjunktur in Mitleidenschaft zieht. Ackermann zeigte sich Anfang dieser Woche aber überzeugt, dass der Einfluss der Finanzkrise auf die Gesamtwirtschaft begrenzt sein werde.
Text: F.A.Z. / bf. / da.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| LINDE AG INHABER - A | +2,07 | +2,47 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,16 | +1,82 |
| ADIDAS AG INHABER - | +0,66 | +1,68 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,37 | -1,81 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,10 | -1,68 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,51 | -1,37 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.422,30 | +0,03 |
| TecDax | 827,16 | +0,24 |
| DowJones | 11.543,96 | -1,46 |
| Nasdaq | 2.367,52 | -1,83 |
| STOXX 50 | 3.365,63 | +0,18 |
| Nikkei 225 | 13.072,87 | +2,39 |
| S&P 500 Zert. | 12,95 | +1,17 |
| Euro/Dollar | 1,47 | -0,24 |
| Bund Future | 114,16 | -0,12 |
| Gold | 829,80 | -0,40 |
| Öl | 113,83 | -0,54 |
Soso, Frau Y. geht es also nicht um die Macht....
00:05Lehrgeld ? Es hat eben keiner "gelernt"
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