Lebensversicherungen

Versicherer mischen Risiko und Sicherheit

Neues Geschäftsmodell der Lebensversicherer

Neues Geschäftsmodell der Lebensversicherer

28. März 2007 Die Lebensversicherer entfernen sich von ihrem bisherigen Geschäftsmodell und verkaufen zunehmend Produkte mit veränderten Garantien. Für die neuen Kunden haben die reduzierten Garantien den Vorteil, dass ein größerer Teil des Vermögens in riskantere und - hoffentlich - renditestärkere Anlagen fließen kann. Zugleich verändert sich aber die Qualität der Garantieversprechen. Auf diesem Weg wählen die Anbieter unterschiedliche Ansätze. So hat die Allianz schon zwei Tranchen einer Index-Police im Wert von rund 300 Millionen Euro begeben. Eine weitere ist für Mai geplant. Der Vertrag ist eine Mischung aus Rentenversicherung und Garantiezertifikat. Ähnliche Angebote gibt es bei der Aachen Münchener, Hannover Leben und Swiss Life.

Die Axa Deutschland versucht ihr Glück seit ungefähr einem Jahr mit der kapitalmarktnahen Rentenversicherung Twinstar und hat schon Verträge mit einer Jahresprämie von 60 Millionen Euro abgeschlossen. Damit hat das neue Produkt bei der Axa einen Anteil von rund einem Drittel am Neugeschäft. Einen weiteren Schub soll eine Twinstar-Riester-Rente bringen, die der Staat steuerlich und mit Zulagen fördert.

Eingeschränkte Kapitalanlage

Herkömmliche Lebens- und Rentenversicherungen bieten den Kunden umfangreiche Garantieversprechen. Das hat allerdings den Nachteil, dass die Kapitalanlage eingeschränkt ist und sich weitgehend auf sichere Anleihen mit bescheidener Verzinsung beschränkt. Zudem musste kürzlich das höchstens zulässige Garantieversprechen für neue Verträge von 2,75 auf 2,25 Prozent reduziert werden.

Twinstar dagegen verspricht den Kunden, obwohl eine Aktienquote von 100 Prozent möglich ist, eine garantierte Verzinsung von 3 Prozent. Die Garantie wird über den Ankauf von Derivaten abgesichert. Das Versprechen ist zwar nominal höher als im Neugeschäft mit herkömmlichen Lebens- und Rentenversicherungen. Doch die Art der Garantie unterscheidet sich. Die von der Axa garantierten 3 Prozent gelten erst zum Ende der Laufzeit. Die 2,25 Prozent der herkömmlichen Verträge gelten dagegen jederzeit. Wächst das Kapital in einem Jahr um mehr als den garantierten Betrag, kann der Überschuss nicht mehr gestrichen werden. Die Zinsgarantie bezieht sich fortan auch auf den zusätzlichen Betrag. Die Bezugsgröße der Garantie wächst also in guten Zeiten, anders als bei Twinstar und ähnlichen Produkten.

Kosten bremsen die Wertentwicklung

Zudem ist der Rentenvertrag der Axa mit Kosten belastet. Die Absicherung der Garantie mit Derivaten koste je nach Laufzeit etwa 0,7 bis 1,0 Prozent Rendite pro Jahr, sagt Hans-Peter Roß, Vorstandsmitglied der Axa Deutschland. Weitere 1,4 Prozent pro Jahr kosten die Aktienfonds und ein Prozent der Versicherungsmantel. Insgesamt bremsen die Kosten des Vertrages und der Absicherung die Wertentwicklung also um gut 3 Prozent. Mit anderen Worten: Erst wenn die Aktienmärkte über einen langen Zeitraum mehr als 6 Prozent Ertrag abwerfen, werden die Twinstar-Kunden mehr als die garantierten 3 Prozent erhalten.

Bei den Rentenversicherern gibt es einen weiteren Weg, Verträge mit veränderten Garantien anzubieten. Sie bieten fondsgebundene Rentenversicherungen mit einer Garantie an und greifen auf ein Konzept zurück, das die Fondsbranche seit etwa zehn Jahren anwendet: Constant Proportion Portfolio Insurance (CPPI). Auch bei den Fonds hat sich die Art der Garantie seit Einführung der CPPI-Fonds verändert. Herkömmliche Garantiefonds legen so viel des investierten Kapitals in Nullkuponanleihen an, dass der zum Laufzeitende garantierte Kapitalerhalt gesichert ist. Bei zehnjähriger Laufzeit zum Beispiel müssten derzeit etwa zwei Drittel in Anleihen investiert werden, rund ein Drittel könnte in Aktien fließen.

Negative Folgen für die Renditeerwartung

Das CPPI-Konzept dagegen ermöglicht beim gleichen Garantieversprechen eine vollständige Anlage des Geldes in Aktien beziehungsweise sogar eine gehebelte Investition. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass bei einem Wertverlust auf den Aktienmärkten noch rechtzeitig in Anleihen umgeschichtet werden kann, um die Garantie abzusichern.

Die vollständige Anlage auf dem Aktienmarkt lässt auf höhere Renditen hoffen, zugleich ist aber auch die Gefahr größer als beim herkömmlichen Konzept, dass bei einem Wertverlust der Aktien die Aktienquote dauerhaft auf ein sehr niedriges Niveau reduziert werden muss mit entsprechend negativen Folgen für die Renditeerwartung. Der Kapitalerhalt ist zwar auch beim ungünstigen Verlauf immer noch gesichert, aber viel mehr ist dann nicht zu erwarten.

Text: ruh., F.A.Z., 29.03.2007, Nr. 75 / Seite 21
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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