Im Gespräch: Vu Van Ninh, Finanzminister Vietnams

„Unsere Reisbauern profitieren vom hohen Preis“

03. Mai 2008 Vietnam hat für ausländische Investoren an Attraktivität gewonnen. Das liegt auch an den Kapitalmarktreformen und der Aufnahme in die WTO im vergangenen Jahr. Vu Van Ninh, Finanzminister Vietnams, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Herr Minister, wie hat sich der Kapitalmarkt in Vietnam verändert, seitdem Ihr Land im vergangenen Jahr in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen wurde?

Die Aufnahme hat viele Investitionen angelockt. 2007 sind 21 Milliarden Dollar Direktinvestitionen ins Land geflossen. Das ist das höchste Niveau seit mehr als 20 Jahren. Mittlerweile beträgt der Anteil an ausländischem Kapital 30 Prozent.

Welche Auflagen hatte die WTO Ihnen gemacht?

Wir haben unter anderem die zollfremden Handelshemmnisse abgeschafft und die Zollschranken sowie die Einfuhrzölle gesenkt.

Der Kapitalmarkt in Vietnam gilt als intransparent und wenig reguliert. Wie wollen Sie einen sicheren und effektiven Kapitalmarkt schaffen?

Im Zuge der Reform unseres Finanzsystems im vergangenen Jahr haben wir einen legalen Rahmen für alle Marktteilnehmer geschaffen. Wir sind dabei, Staatsbanken und Staatsunternehmen teilzuprivatisieren. Gesellschaften, die sich an der Börse notieren lassen möchten, müssen bestimmte Anforderungen erfüllen.

Wie sehen die aus?

Sie müssen mindestens ein Kernkapital von 5 Millionen Dollar vorweisen können. Außerdem müssen sie mindestens in zwei aufeinanderfolgenden Jahren einen Gewinn erzielt haben, ihre Bilanzen testieren lassen und bestimmten Corporate-Governance-Regeln folgen.

Welchen Bestimmungen unterliegen ausländische Investoren, die sich an vietnamesischen Unternehmen beteiligen wollen?

Sie können an börsennotierten Gesellschaften einen Anteil von bis zu 49 Prozent übernehmen und 30 Prozent an Banken. Die meisten ausländischen Investoren in Vietnam stammen aus anderen asiatischen Ländern, vor allem aus Singapur und Taiwan.

Mit einem Wirtschaftswachstum von 8,4 Prozent im vergangenen Jahr gehört Vietnam zu einem der wachstumsstärksten Länder Asiens. Wie viel Prozent streben Sie in diesem Jahr an?

Anfang des Jahres haben wir ein Wachstumsziel von 8,5 bis 9 Prozent ausgegeben. Mittlerweile haben wir es wegen der Schwierigkeiten der globalen Wirtschaft revidiert: Nun streben wir 2008 ein Wachstum von etwa 7 Prozent an.

Die Inflation hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Was unternehmen Sie dagegen?

Der Kampf gegen die Inflation hat bei uns oberste Priorität. Im Moment liegt sie bei 11 Prozent und ist damit so hoch wie schon lange nicht mehr. Wir versuchen, die Exportquote zu erhöhen, um unser Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Außerdem haben wir unsere Geldpolitik gestrafft und die öffentlichen Ausgaben heruntergefahren. Die Preise für Energie und Elektrizität wurden fixiert. Wir haben Programme zur Unterstützung der Armen aufgelegt. Doch auch die wachsende Mittelschicht hat der Preisanstieg ziemlich schwer getroffen.

Inwiefern ist Vietnam von der wirtschaftlichen Abschwächung in Amerika betroffen?

Die Abkühlung trifft unser Land nur indirekt, weil die meisten Investoren nicht aus den Vereinigten Staaten stammen. Allerdings darf man das psychologische Moment nicht unterschätzen. Viele Investoren zögern nun, weil sie erst einmal abwarten wollen, wohin sich die amerikanische Wirtschaft entwickelt.

Bislang steht die vietnamesische Industrie vor allem für die Herstellung von Bekleidung und Textilien. Doch wo sehen Sie ihre Zukunft?

Im Moment exportieren wir vor allem Textilien, Schuhe, Reis und Fischereiprodukte, Rohöl, Mineralien und Kohle. In Zukunft wollen wir die Ausfuhr der unverarbeiteten Güter einschränken und uns verstärkt auf ihre Weiterverarbeitung im Inland konzentrieren.

Bekommt Vietnam die höheren Preise für Agrarrohstoffe - vor allem Reis - stark zu spüren?

Die Reispreise im Inland haben sich in den vergangenen Monaten zwar erhöht, von einer Knappheit sind wir jedoch weit entfernt. Die interne Nachfrage können wir bedienen und darüber hinaus sogar noch Reis exportieren. Für Vietnam hat der hohe Preis auch nicht nur Nachteile - schließlich gehören unsere vielen Reisbauern zu seinen Profiteuren.

Das Gespräch führte Judith Lembke.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

 
NamePunkteProzent
Dax 5.326,63 -1,12
TecDax 573,04 -5,15
DowJones 9.447,11 -5,11
Nasdaq 1.754,88 -5,80
STOXX 50 2.878,82 +0,22
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,50 -1,78
Euro/Dollar 1,36 +0,14
Bund Future 117,28 +0,26
Gold 881,55 -0,78
Öl 85,76 -1,06
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.