Wagniskapital

Der Wagniskapitalmarkt ist den Kinderschuhen entwachsen

09. August 2005 Der deutsche Wagniskapitalmarkt scheint allmählich erwachsen zu werden. Den Risikokapitalgesellschaften gelingt es in zunehmenden Maße, ihre Beteiligungen an Industrieunternehmen zu verkaufen oder auch an die Börse zu bringen. Wagniskapitalfonds wie Wellington, Techno Venture Management oder Earlybird haben mittlerweile aus einigen ihrer Beteiligungen profitable Unternehmen mit aussichtsreichen Geschäftsmodellen geformt. Branchenexperten rechnen für das kommende Jahr mit einer zunehmenden Anzahl an Verkäufen und Börsengängen aus der Schatulle der Risikoinvestoren.

Besser Stimmung

"Die Stimmung wird besser", sagt Rolf Mathies, Managing Partner der Hamburger Wagniskapitalgesellschaft Earlybird. Vor allem die Möglichkeiten für einen Börsengang der Jungunternehmen verbesserten sich spürbar. "Da wird in den nächsten sechs bis zwölf Monaten einiges kommen", ist sich Mathies sicher. Allein im Portfolio von Earlybird schlummern mehrere Unternehmen, die schon bald dafür in Frage kämen. In Deutschland sind dies vor allem der Internet-Baufinanzierer Interhyp, das Biotechnologieunternehmen Wileg und die Online-Lotterie Tipp 24.

Schon in diesem Jahr mehren sich die Zeichen, daß die Risikokapitalgeber nicht mehr befürchten müssen, auf ihren Investitionen sitzen zu bleiben. Im zweiten Quartal erreichte der Verkauf von Unternehmen, die von Wagniskapitalisten finanziert sind, den höchsten Stand seit drei Jahren. Nach den Zahlen der Unternehmensberatung FHP Private Equity Consultants verließen in diesem Zeitraum 25 Firmen die Obhut ihrer Finanzpartner; 58 Prozent davon wurden an Industrieunternehmen verkauft. FHP mißt die Aktivitäten der Wagnisfinanzierer in einer vierteljährlichen Umfrage.

Die Boy-Groups sind verschwunden

Im Gegensatz zu der Phase der Interneteuphorie profitiere der deutsche Risikokapitalmarkt nun davon, daß erfahrene Manager in den Technologieunternehmen arbeiteten, meint Hellmut Kirchner, Mitgründer der Dachfondsgesellschaft VCM Venture Management. "Das sind nicht mehr die 28 Jahre alten Manager aus der Blasenzeit, die manche als ,Boy Groups' bezeichnet haben." Die Wagniskapitalszene habe sich etabliert, sagt auch Frank Böhnke, Partner der Münchener Wagniskapitalgesellschaft Wellington, die vor 14 Jahren gegründet wurde und damit schon so etwas wie ein Urgestein in der jungen Branche ist. So gebe es mittlerweile auch erste Serienunternehmer, die mehreren Technologieunternehmen zum Erfolg verholfen hätten.

Allerdings hat es eine radikale Auslese unter den Fondsgesellschaften gegeben. Nach Branchenschätzungen gibt es nur noch zehn große Wettbewerber im deutschen Markt, plus eine große Zahl an Nischenunternehmen. Dieser Schrumpfungsprozeß sei auch gut gewesen, meint Böhnke. "In den Jahren 1999 und 2000 glaubte jeder, er müsse ein Venture Capitalist sein." Auch er erwartet, daß Technologieunternehmen an der Börse wieder hoffähig werden: "Wir werden in Europa spannende Börsengänge aus dem Technologiebereich sehen." Auch in Wellingtons Portfolio seien drei bis fünf Unternehmen, die in den nächsten zwei Jahren dafür in Frage kämen.

Doch der Kapitalmarkt ist nicht unbedingt der Heilsbringer für die Wagniskapitalszene. In der Geschichte des Wagniskapitals sei stets der Weiterverkauf an ein Industrieunternehmen die wichtigste Ausstiegsmöglichkeit gewesen, sagt Kirchner. In der Tat hat sich im ersten Halbjahr gezeigt, daß die Industrieunternehmen wieder verstärkt als Käufer in Erscheinung treten - ein Trend, von dem auch die Risikokapitalszene profitiert. Allerdings haben die Risikokapitalgeber nach Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) im ersten Halbjahr mit 366,4 Millionen Euro rund ein Viertel weniger investiert als im Vorjahr.

Hoffnungszeichen gibt es dafür aber aus der seit Jahren darbenden Gründungsfinanzierung: Nach den BVK-Zahlen hat die sogenannte Frühphasenfinanzierung im zweiten Halbjahr erstmals wieder um 17,3 Prozent zugenommen. Daß die Finanzierungsquelle Risikokapital versiegt, ist ohnehin nicht zu befürchten. Denn einige Beteiligungsgesellschaften konzentrieren sich derzeit schlicht darauf, den Investoren neue Fondsgelder abzuringen. Vorreiter ist Wellington, die vor kurzem einen Fonds im Volumen von 150 Millionen Euro geschlossen haben. Auch die Münchener Baytech Venture Capital hat unlängst rund 85 Millionen Euro an neuen Fondsgeldern eingesammelt. Wie zu hören ist, bereiten derzeit auch Polytechnos Venture Partners und Target Partners neue Fonds vor.

Die Deutschen rennen dem Zyklus hinterher

Erstmals riefen auch wieder Investoren an und fragten, wann der neue Fonds geplant sei, berichtet Mathies. Deutschen Investoren trauen sich allerdings bisher immer noch selten an Wagniskapital heran. "Leider rennen wir Deutschen immer dem Zyklus hinterher", sagt Mathies. Eine Aussage, die leider aber auch für viele Wagniskapitalmanager zutrifft, wie eine Studie des Frankfurter Center of Private Equity Research (Cepres) zeigt: Demnach kaufen nur 62 Prozent der Fondsmanager die Unternehmen dann, wenn diese auch günstig bewertet sind.



Text: da. F.A.Z., 10.08.2005, Nr. 184 / Seite 18

 
NamePunkteProzent
Dax 6.236,96 -1,28
TecDax 801,36 +0,58
DowJones 11.430,21 +0,11
Nasdaq 2.380,38 -0,36
STOXX 50 3.248,92 -1,41
Nikkei 225 12.752,21 -0,77
S&P 500 Zert. 12,63 -0,71
Euro/Dollar 1,49 -0,01
Bund Future 114,10 -0,58
Gold 835,72 +0,20
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