04. November 2007 Die Krise an den amerikanischen Immobilien- und Aktienmärkten zieht immer weitere Kreise. Die Gerüchteküche vermutet bei immer mehr Banken einen riesigen Abschreibungsbedarf - nicht nur auf Hypothekenanleihen und gehebelte Übernahmekredite (leveraged loans), sondern auch in Marktsegmenten wie Kreditkarten oder Hypotheken auf Gewerbeimmobilien. Zusätzliche Schwierigkeiten drohen durch den sich anbahnenden Konjunkturabschwung in den Vereinigten Staaten sowie durch die Dollar-Schwäche.
Unter den Millionen amerikanischen Hypothekenschuldnern mit schwacher Bonität (Subprime) bahnt sich eine Welle von Zahlungsausfällen an. Noch im Juli hatte der für das Risikomanagement zuständige Vorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, das auf dieses Marktsegment entfallende Ausfallvolumen auf 60 bis 90 Milliarden Dollar veranschlagt. Vergangene Woche sprach Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, nun von 150 bis 250 Milliarden Dollar. Zwar verteilen sich die Verluste auf viele Schultern. Gleichwohl steht zu befürchten, dass den milliardenhohen Abschreibungen, über die einige Banken schon berichtet haben, weitere drastische Wertberichtigungen folgen. In Deutschland hat sich die Gerüchteküche auf die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie die West LB als nächste mögliche Opfer der Krise eingeschossen.
Es dürfte einige angenehme Überraschungen geben
Mit großer Spannung werden nun die Berichte der Finanzdienstleister über das dritte Quartal erwartet. Den Auftakt macht am Montag die Münchener Rück. Danach folgen die Commerzbank mit ihrer Immobilien-Tochtergesellschaft Eurohypo, ING, Société Générale, Fortis, BNP Paribas und die Allianz, zu der die Dresdner Bank gehört. Insgesamt werden in der kommenden Woche nicht weniger als 14 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax ihr Quartalsergebnis vorlegen. Dank der guten Konjunktur der Weltwirtschaft und in Deutschland dürfte es dabei einige angenehme Überraschungen geben.
Doch die Stimmung verdüstert sich rapide. Der europäische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ist von September auf Oktober von 53,2 auf 51,5 Punkte gefallen, der entsprechende deutsche Index sogar von 54,9 auf 51,7 Punkte - der schärfste Einbruch, seit dieser Index berechnet wird. Der deutsche Index für die Auftragseingänge sackte sogar unter die Marke von 50 Punkten ab und signalisiert damit eine Kontraktion. Dazu beigetragen hat die kräftige Aufwertung des Euro, die die Aussichten für das Exportgeschäft eintrübt.
Trichet dürfte sich zunächst alle Optionen offenhalten
Vor diesem Hintergrund erwarten praktisch alle Beobachter, dass der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag den Leitzins unverändert lässt. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Formulierungen im Kommuniqué und die Antworten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der anschließenden Pressekonferenz. Aus Stellungnahmen mehrerer Mitglieder des EZB-Rats lässt sich schließen, dass es dort einen Richtungsstreit gibt. Die eine Fraktion befürchtet, dass die Jahresrate der Inflation, die im Oktober überraschend stark auf 2,6 Prozent gestiegen war, wegen des Teuerungsschubs bei Öl und Nahrungsmitteln über Monate auf hohem Niveau bleiben wird; diese Fraktion, zu der Bundesbankpräsident Axel Weber zählt, drängt deshalb darauf, die Tür zu weiteren Leitzinsanhebungen weit offenzuhalten.
Die andere Fraktion argumentiert hingegen - übrigens im Einklang mit der Mehrzahl der EZB-Beobachter in den großen Banken -, dass die sich abzeichnende Abschwächung der Konjunktur sowie die Euro-Stärke, welche die Importpreise drückt, den Preisanstieg in einigen Monaten wieder dämpfen werden. Trichet dürfte sich deshalb zunächst alle Optionen offenhalten - und dies nicht zuletzt mit den Unwägbarkeiten, wie sich die Kreditkrise weiterentwickelt, begründen. Richtig spannend wird es im Dezember, wenn die EZB ihre Inflations- und Wachstumsprognosen für 2008 und erstmals auch für 2009 vorlegen wird. Sollten die Prognosen auch für 2009 auf eine Inflationsrate hinauslaufen, die deutlich über dem angestrebten Ziel von knapp 2 Prozent liegt, dürfte sich bei der EZB-Ratssitzung im Dezember die Waage in Richtung höherer Leitzinsen im kommenden Jahr neigen.
Der Euro hat eine markante Schwelle überschritten
Wegen der akuten Kredit- und Bankenkrise ist das große Thema Dollar-Schwäche etwas in den Hintergrund getreten. Doch die Nervosität an den Devisenmärkten ist groß. Selbst die Andeutung der amerikanischen Notenbank (Fed), bis auf weiteres keine Leitzinssenkungen zu planen, hat den Dollar nicht vor weiteren Kursverlusten bewahrt. Der Dollar-Index, der aus den Wechselkursen zu den wichtigsten Handelspartnern berechnet wird, fiel am Tag darauf auf ein Rekordtief. Im Gegenzug hat der Euro in der vergangenen Woche mit gut 1,45 Dollar ein Rekordhoch erreicht.
Der Euro hat damit eine markante Schwelle überschritten: Rechnet man nämlich den Euro etwas vereinfachend über die D-Mark, die damals dominierende europäische Währung, in die Vergangenheit zurück, so entspricht das historische Dollar-Tief von 1,3529 DM je Dollar einem Euro-Kurs von 1,4457 Dollar. Anders ausgedrückt: Der Dollar ist nunmehr auch unter sein historisches Tief gegenüber der D-Mark am 19. April 1995 gefallen. Berechnet man den Euro hingegen über die frühere europäische Währungseinheit Ecu, hat der Euro nach Angaben der DZ-Bank erst ein Allzeithoch erreicht, wenn er 1,5322 Dollar übersteigt.
Politische Fernwirkung könnte entfalten, dass die Investmentbank Merrill Lynch ihrem Chef Stan O'Neal, dem sie Milliardenverluste anlastete und den sie feuerte, zum Abschied 160 Millionen Dollar spendierte. Das hat dem Vertrauen der Bevölkerung in die marktwirtschaftliche Ordnung unsäglichen Schaden zugefügt. Es geht auch anders: Wie zu hören ist, wird sich Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der aus freien Stücken vorzeitig in den Aufsichtsrat wechselt, das restliche Gehalt seines Vorstandsvertrags nicht ausbezahlen lassen. Er wird damit auf rund sieben Millionen Euro verzichten - doch lässt sich der Wert dieses guten Vorbilds in Geld nicht bemessen.
Text: F.A.Z., 05.11.2007, Nr. 257 / Seite 28
Bildmaterial: dpa
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index10.11.2009 13:00 |
1348,03 | 1324,81 | 1261,80 |
Performance-Index10.11.2009 17:35 |
296,14 | 292,84 | 274,43 |
Euro-Aktien-Index10.11.2009 17:35 |
142,02 | 136,71 | 125,07 |
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| FMC | 35,67 € | +2,21% |
| Henkel Vz | 32,40 € | +1,92% |
| Fresenius Vz | 44,38 € | +1,77% |
| MAN | 58,71 € | +1,33% |
| Beiersdorf | 42,26 € | +1,25% |
| Infineon | 3,17 € | −1,71% |
| Salzgitter | 63,11 € | −2,22% |
| BMW | 32,70 € | −2,24% |
| Commerzbank | 7,17 € | −2,45% |
| Volkswagen | 102,00 € | −8,04% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.613,20 | −0,12% |
| TecDAX | 752,81 | −1,05% |
| MDAX | 7.186,45 | −0,56% |
| SDAX | 3.484,70 | −0,34% |
| REX | 373,64 | +0,18% |
| Eurostoxx 50 | 2.856,44 | −0,13% |
| Dow Jones | 10.247,00 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.773,17 | +0,27% |
| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
| Nikkei225 | 9.870,73 | +0,63% |
| EUR/USD | 1,4990 | +0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 77,55 $ | +0,06% |
| Gold | 1.101,50 $ | −0,63% |
| Bund Future | 121,50 € | +0,22% |
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