29. Juni 2009
Unternehmen
Salzgitter schließt Verluste nicht aus
Der Stahlkonzern Salzgitter ist angesichts schwacher Geschäfte von seiner Prognose eines ausgeglichenen Ergebnisses im laufenden Jahr abgerückt. Es wird schwierig, im laufenden Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen, sagte der Chef von Deutschlands zweitgrößtem Stahlproduzenten, Wolfgang Leese, der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag. Ich glaube, dass wir eher leicht darunter liegen werden. Im Mai hatte der Konzern seine Prognose bestätigt, 2009 bei einer Belebung des Stahlmarktes in etwa ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis zu erreichen.
Nach Leeses Angaben musste der Konzern auch im zweiten Quartal Verluste hinnehmen. Auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 hatte der Konzern rote Zahlen geschrieben. Die Belebung des Auftragseingangs erlaube es Salzgitter jedoch voraussichtlich, die Zahl der Kurzarbeiter im Juli zu verringern, sagte Leese der Zeitung. Dabei gehe es vermutlich um eine vierstellige Zahl von Beschäftigten. Im Juni seien demnach rund 9000 Beschäftigte in Kurzarbeit. (dpa-AFX)
Zumtobel erwartet weitere Verschlechterung des Marktumfelds
Die weltweite Wirtschaftskrise hat das österreichische Lichttechnikunternehmen Zumtobel im zweiten Halbjahr erheblich getroffen. Der Konzern mit Sitz in Dornbirn wies am Montag für das Geschäftsjahr 2008/2009 (30. April) ein bereinigtes Ebit von 78,9 Millionen Euro aus, was einem Rückgang um 35,8 Prozent entspricht. Der Umsatz sank zugleich um 8,4 Prozent auf 1,174 Milliarden Euro. Bereinigt um negative Wechselkurseffekte schrumpfte er um 5,1 Prozent. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 13,3 Millionen Euro; vor Jahresfrist waren es noch 93,5 Millionen Euro gewesen.
Noch sieht die Zumtobel-Gruppe kein Licht am Ende des Tunnels: Man rechne mit einer weiteren Verschlechterung des Marktumfelds, hieß es zur Vorlage des Jahresberichts. Erst 2010 werde der Tiefpunkt für die Lichtindustrie erreicht. (Dow Jones)
Anglo American wehrt sich gegen Fusionsangebot
Der Bergbaukonzern Anglo American wehrt sich mit Investitionsplänen gegen das Fusionsangebot des Konkurrenten Xstrata. Laut einem Bericht des Sunday Telegraph will das in London ansässige Konglomerat sein Eisenerzgeschäft in Brasilien ausweiten. Dazu seien Gespräche über eine Kooperation mit Chinas staatlichem Aluminiumhersteller Chinalco und mindestens einem Investor aus dem Nahen Osten aufgenommen worden. Die Investitionen würden im dreistelligen Millionenbereich liegen, sollte eine Kooperation zustande kommen.
Xstrata hatte Anglo American eine Fusion unter Gleichen angeboten. Ein solcher Zusammenschluss hätte einen Wert von fast 50 Milliarden Euro und würde einen Weltmarktführer bei der Förderung von Grundmetallen hervorbringen. Der Verwaltungsrat von Anglo American hatte das Angebot wegen fehlender strategischer Vorteile als völlig inakzeptabel abgelehnt. (dpa-AFX)
Morphosys bestätigt nach weiterer Meilensteinzahlung Partnerprogramme-Ziele
Das Biotechnologieunternehmen Morphosys hat nach einer weiteren Meilensteinzahlung die Ziele für seine Partnerprogramme bestätigt. 2009 erwartet Morphosys, dass zwei bis vier Partnerprogramme die klinische Entwicklung erreichen werden, teilte das im TecDax notierte Unternehmen am Montag in Martinsried mit und bestätigte damit die bisherigen Aussagen.
Im laufenden Jahr rechnet Morphosys allerdings wegen verstärkter Ausgaben für die Forschung mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses auf 8 bis 11 (Vorjahr: 16,4) Millionen Euro. Der Umsatz soll allerdings von knapp 72 Millionen Euro auf 80 bis 85 Millionen Euro steigen. (dpa-AFX)
Daimler-Chef erwartet keine negativen Überraschungen mehr
Das Geschäft des Automobilkonzerns Daimler hat sich nach einem äußerst schwachen ersten Quartal zuletzt wieder stabilisiert. Im zweiten Quartal spürt Daimler vor allem durch die erfreuliche Entwicklung der neu eingeführten E-Klasse positive Impulse, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche der Welt am Sonntag. Im ersten Quartal hatte der Dax-Konzern einen Milliardenverlust geschrieben. Nach derzeitigem Stand werden wir im Gesamtjahr keine negativen Überraschungen mehr erleben, sondern vielleicht die Chance haben, uns positiv zu entwickeln.
Nach Einschätzung des Daimler-Chefs haben die Märkte die Talsohle erreicht. Erst 2010 werde eine Erholung in einzelnen Regionen und Segmenten allmählich wieder einsetzen. Für die Pkw-Sparte von Daimler hält Zetsche eine Steigerung des Auto-Absatzes auf 1,5 Millionen Fahrzeuge in den nächsten fünf bis zehn Jahren für realistisch. Im vergangenen Jahr waren weltweit 1,27 Millionen Autos der Marken Mercedes-Benz, smart und Maybach verkauft worden.
Am Sportwagenbauer Porsche wird sich Daimler nicht beteiligen. Porsche sei ganz offensichtlich technisch und inhaltlich sehr eng in die Aktivitäten des VW-Konzerns integriert, sagte Zetsche. (dpa-AFX)
Münchener Rück warnt vor zu hohen Versprechen bei Lebensversicherungen
Der Versicherer Münchener Rück hat einige seiner Konkurrenten wegen zu hoher Renditeversprechen bei Lebensversicherungen scharf kritisiert. Manche geben ihren Kunden eine deutlich höhere Verzinsung, als sie es sich eigentlich leisten können, sagte Münchener-Rück-Finanzvorstand Jörg Schneider der Welt (Montagausgabe). Dadurch engten diese Versicherer ihre Spielräume ein, um Renditeschwankungen an den Kapitalmärkten über die Jahre auszugleichen. Die Folge könnten empfindliche Ertragseinbrüche für die Kunden in der Zukunft sein, warnte Schneider.
Die Lebensversicherer der Münchener-Rück-Tochter Ergo (Victoria, Hamburg Mannheimer) gehörten zu den wenigen Anbietern, die Ende vergangen Jahres ihre Überschussbeteiligungen leicht gesenkt hatten, betonte Schneider. Diese Kennziffer besagt, welchen Zinssatz die Versicherungen ihren Kunden für das jeweilige Jahr unwiderruflich gutschreiben. Angesichts der sinkenden Marktzinsen und der schwachen Aktienmärkte hätte man erwarten müssen, dass deutlich mehr Versicherer die Überschussbeteiligung senken, sagte Schneider. Stattdessen seien viele Anbieter an ihre Reserven gegangen. Die Victoria hinkt dem Bericht zufolge bei den Renditen allerdings schon seit Jahren der Konkurrenz hinterher.
In den kommenden Jahren muss sich die Branche nach Schneiders Ansicht insgesamt auf geringere Kapitalerträge einstellen. Wer wie wir auf Sicherheit gesetzt und einen Großteil der Gelder in Staatsanleihen investiert hat, kann angesichts der derzeitigen Zinsen kaum mehr als vier Prozent Rendite erwarten, sagte der Finanzvorstand. Auch für das Jahr 2009 hält er eine Verzinsung seiner Kapitalanlagen mit etwa vier Prozent für realistisch. Damit läge die Münchener Rück zumindest über dem Niveau des Vorjahres, als nur 3,4 Prozent hereinkamen. (dpa-AFX)
Vodafone erwägt Gebot für T-Mobile UK
Der britische Mobilfunkbetreiber Vodafone erwägt einer Zeitung zufolge ein Gebot für die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile UK. Wie die Financial Times am Montag unter Berufung auf mit der Sache vertrauten Personen berichtete, wird auch ein Gemeinschaftsunternehmen mit T-Mobile UK diskutiert. Gemeinsam wären Vodafone und T-Mobile UK mit 40 Prozent Marktführer in Großbritannien. Gegenwärtig wird dieser Platz von O2 mit etwa 27 Prozent eingenommen, einer Tochter von Telefonica SA. Vertreter von Vodafone oder der Telekom waren zunächst nicht zu erreichen. (Reuters)
Celesio angeblich vor Übernahme in Brasilien
Der Stuttgarter Pharmahändler Celesio steht Finanzkreisen zufolge kurz vor der Übernahme des brasilianischen Pharmagroßhändlers Panpharma. In den nächsten Tagen sollte die Übernahme in trockenen Tüchern sein, sagte eine mit der Situation vertraute Person aus der Finanzwelt zu Reuters am Sonntag. Angaben zum Kaufpreis waren zunächst nicht zu erfahren. Celesio lehnte eine Stellungnahme ab. Zu Spekulationen und Marktgerüchten nehmen wir keine Stellung, sagte ein Sprecher.
Panpharma ist der größte Pharmagroßhändler des südamerikanischen Landes. 2008 erwirtschaftete das nicht börsennotierte Unternehmen einen Umsatz von rund drei Milliarden Real (rund 1,1 Milliarden Euro).Brasilien ist einer der stärksten Wachstumsmärkte für die Pharmabranche. Der Marktdatenanbieter IMS Health zählt es zu einer Gruppe von Schwellenländern, deren Arzneimittelmärkten bis einschließlich 2013 zwischen 13 und 16 Prozent Wachstum im Jahr zugetraut werden.
Die Übernahme in Brasilien würde zudem in die Strategie von Celesio passen. Das Unternehmen hatte angekündigt, sich unabhängiger machen zu wollen von staatlichen Eingriffen und vom britischen Markt. (Reuters)
EADS - Keine Verkaufspläne für Dassault-Anteile
Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat nach Angaben eines hochrangigen Managers keine Pläne für einen Verkauf seiner Dassault-Beteiligung. Der 46-Prozent-Anteil solle weder als Ganzes noch teilweise veräußert werden, sagte der EADS-Strategiedirektor Marwan Lahoud der Zeitung La Tribune (Montagausgabe) einem Vorabbericht zufolge. Der Militärflugzeugbauer Dassault hält seinerseits Anteile an Thales, einem EADS-Konkurrenten. (Reuters)
Wiedeking will bis 2012 Porsche-Chef bleiben
Der angeschlagene Porsche-Chef Wendelin Wiedeking denkt nicht ans Aufhören und will den hoch verschuldeten Sportwagenbauer noch bis mindestens 2012 lenken. Ich habe bei Porsche ein Projekt begonnen, nämlich die Schaffung einer starken Allianz von Volkswagen und Porsche. Das möchte ich zu Ende bringen, sagte Wiedeking der Bild am Sonntag.
Zu seinem Verhältnis zu Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte der 56-Jährige: Was Herrn Piëch angeht, so hat er mir bisher nicht persönlich mitgeteilt, dass er unzufrieden mit mir ist.
Auf die Frage, ob er persönlich Fehler gemacht habe, sagte Wiedeking: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Den Vorwurf, er habe Porsche vor die Wand gefahren, wies Wiedeking aber zurück. Wir schlagen uns auch in der Krise tapfer, sagte der Manager dem Blatt. (dpa-AFX)
Berater Towers Perrin und Watson Wyatt planen Milliarden-Fusion
In der amerikanischen Beratungsbranche bahnt sich eine milliardenschwere Fusion an. Wie die Firmen Towers Perrin Forster & Crosby und Watson Wyatt Worldwide am späten Sonntagabend mitteilten, wollen sie ihre Kräfte im Kampf gegen die Wirtschaftsflaute bündeln und durch den Zusammenschuss Kosten sparen. Die Transaktion im Gesamtwert von rund 3,5 Milliarden Dollar soll über Aktien finanziert werden. Zusammen kämen beide Unternehmen auf einen Jahresumsatz von mehr als drei Milliarden Dollar. (Reuters)
Wirtschaft
Japan Industrieproduktion steigt um 5,9 Prozent
Die Industrieproduktion in Japan ist im Mai den dritten Monat in Folge gestiegen. Wie das Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte, stieg sie um 5,9 Prozent. Es gebe Anzeichen für eine Aufwärtsbewegung, hieß es. Zu dem guten Ergebnis hätten vor allem Firmen aus den Bereichen Transportausrüstung, Elektronik und Stahl beigetragen. Der Anstieg lag aber unter den Erwartungen der Analysten, die laut Nachrichtenagentur Kyodo mit 6,7 Prozent gerechnet hatten. Die Regierung erwartet im Juni eine Steigerung um 3,1 Prozent und im Juli um 0,9 Prozent. Damit scheinen sich die Zeichen zu mehren, dass die japanische Wirtschaft nach ihrem tiefen Fall in die größte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg wieder in Fahrt kommt.
Die Kfz-Produktion ist im Mai dagegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 41,7 Prozent gesunken. Damit hat sich auf Jahressicht der achte Rückgang in Folge ergeben. Die Inlandsnachfrage verringerte sich im Mai um 19,0 Prozent auf 292.043 Einheiten. (AP, Dow Jones)
Fiskus verschont Rentner
Viele Rentner, die eigentlich Steuern für ihre Renten nachzahlen müssten, sollen nach einem Pressebericht von dieser Pflicht verschont werden. Nach Informationen des Tagesspiegels (Montag) plant die Finanzverwaltung, im Rahmen des für Oktober vorgesehenen Datenabgleichs zwischen Rentenversicherung und Steuerbehörden bei sogenannten Bagatellfällen auf Rückforderungen zu verzichten. Noch sei unklar, wo die Grenze liegen soll. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bestätigte den Bericht am Sonntag nicht. (dpa-AFX)
IWF erwartet Wirtschaftserholung in Frankreich Anfang 2010
Frankreichs Wirtschaft hat nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) das Schlimmste der Krise bereits überstanden. Die wirtschaftliche Kontraktion dürfte sich im weiteren Jahresverlauf 2009 verringern, gefolgt von einer schleppenden Rückkehr zum Wachstum Anfang 2010, teilte der Währungsfonds am Sonntag nach den jährlichen Konsultationen mit der Regierung (Artikel IV) mit. Allerdings seien die Risiken weiterhin abwärts gerichtet.
Im April hatte der IWF für 2009 eine Schrumpfung der französischen Wirtschaft um 3 Prozent prognostiziert. Für das kommende Jahr wird ein Wachstum von 0,4 Prozent erwartet.
Die Organisation mit Sitz in Washington lobt im Weiteren die bislang von der französischen Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Konjunkturbelebung und Stützung des Bankensektors und bezeichnet diese als angemessen. Weitere Konjunkturmaßnahmen sollten nur umgesetzt werden, wenn sich die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft materialisierten.
Der IWF weist in seinem Bericht darauf hin, dass die Risiken im Bankensektor weitere Schritte zur Gewährleistung der Finanzstabilität nötig machen könnten. Angesichts der verbleibenden Risiken im Finanzsektor, könnten weitere Maßnahmen zur Stärkung
der Finanzstabilität nötig werden, warnt der IWF. (Dow Jones)
Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones.
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Bildmaterial: Bernd Helfert
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